Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 470 (sequence 6)
- Language
- German
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- Rashi 1× ep/1002670
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470 Im Gesichtskreise R. Akibas gab es einen derartigen Kodex gar nicht; aber selbst wenn zugegeben wird, daß schon um das Jahr 100 solche Kodizes vorhanden waren, was für einen Sinn hätte die Konstatierung der äußeren Tatsache, ,,die Masora sei ein Zaun um die Thora“? Die Frage, wann man angefangen hat, an die Ränder des Textes masoretische Bemerkungen anzubringen, ist bis jetzt gar nicht aufgeworfen, geschweige denn gelöst worden. Meines Erachtens existierte die Masora vor dieser bequemen Gepflogenheit, sie wird ebenso wie der Talmud vorerst mündlich tradiert worden sein. Aber auch die schriftlich gewordene Masora lebte nicht bloß als Marginalnote, wie denn auch heute noch die Masora am Ende des Buches ihren .Hauptplatz hat (Masora finalis) und auch in selbständigen Werken weiterlebt (Ochla we-Ochla). G. meint, die Strichelchen hätten die wichtige Lesung erleichtert (37), wie denn auch die Akzente ihren Ursprung , in den Strichelchen haben (38, Z. 4). Wie ist das denkbar? In Verbindung mit der Frage nach der Entstehung der Vokal- und Akzentzeichen wird auch das Problem der Kodexform biblischer Bücher angeschnitten, welche ich anderswo behandelt habe. G. meint, der Beginn der masoretischen Zeichen, Akzente und Vokale falle zusammen mit dem Uebergange der Rolle in den Kodex, der Beginn des Kodex wieder falle zusammen mit der Niederschrift der mündliehen Lehre. Da in das Buch keine Taggin geschrieben wurden, stellte sich die Notwendigkeit ein, Punkte und Striche zur Bezeichnung der Aussprache und der syntaktischen Verbindung der Wörter in den Text einzuführen (S. 39). Im Handumdrehen sind die ven wickeltesten Probleme gelöst. Was zunächst den Uebergang der Rolle in den Kodex betrifft, ist zu konstatieren,‘ daß in der gesamten altrabbinischen Literatur keine Spur vom Vorhandensein von ״Büchern“ sich findet. Kein Verbot und keine Erlaubnis. Vor etwa dem 8. Jahrhundert dürfte es gefaltete (nicht gerollte) biblische Bücher nicht gegeben haben. Es ist nicht denkbar, daß die Taggin irgendwie das Lesen regelten, so daß es erst nach ihrem Wegfall im Buche notwendig geworden ist, sie durch andere Zeichen zu ersetzen. Es ist noch nicht erwiesen, daß die Mischna oder der Talmud gleich nach ihrer Entstehung, also um 200 bzw. 500 niedergeschrieben wurden. Selbst wenn dies der Fall war, wodurch, wie G. meint, der Bruch mit der Tradition für die Einführung von Zeichen in den Bibeltext als Analogie diente, bleibt es unklar, wann dies geschehen ist: im 3. oder im 6. Jahrhundert? Nachdem der Verf. die Meinung aussprach, die Strichelchen wären von mittelalterlichen Exegeten als Kommentar zum Text betrachtet worden, und zwar auf Grund alter Tradition, behauptet er, Raschi habe mit dem häufig gebrauchten Worte: ,,Dieser Vers ׳sagt: Deute mich“ die Taggin gemeint (40, Z. 41). Es wird aber keine einzige Raschistelle gebracht, in welcher die Taggin genannt wären. Der gedacht^ Ausdruck findet sich übrigens schon in Tanchuma Buber 13 וישב und in Pes. r. 35a. ,Kap. X enthält die Beschreibung der Textausgabe in Faksimile. Das Buch, welches keine Yokale und Akzente hat, soll nach G. der einzige noch existierende handschriftliche Musterkodex für Thora- Schreiber sein. Da er aber auf den Rändern masoretische Notizen