Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 469 (sequence 5)
- Language
- German
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469 nicht voraussetzen, daß die תקוץ סופרים mit den Aenderungen der 72 Vertenten, welche dieselben laut Megilla 9a in ihrer Uebertragung vorgenommen haben, konfunäiert sind. Keinesfalls kann man dieser Vermutung zustimmen. Der Verf. beanstandet auch den Ausdruck תקון סופרים, und meint, dieser Ausdruck bedeute: ״the ‘protection’ of the scroll by the Soferim“ (28 unten). Diesen Terminus prägten erst die nachtalmudischen Gelehrten des heiligen Landes, wie Ben Ascher in Dikduke Hateamim (S. 44) berichtet, während er selbst, wie die Mechilta zu Ex 15? (39a Friedmann), כנויי סופרים gebraucht (siehe meine Masoretischen Untersuchungen, Straßburg 1891, 49 f.). G. baut also seine Theorie auf einen in talmudischer Zeit überhaupt nicht existierenden Ausdruck auf. In dem Kapitel, in welchem über die Rolle der Strichelchen in der Mystik gehandelt wird, bildet einen Hauptbeweis die Sentenz Hillels1 Aboth 113: ודאשתמש בתגא חלף. Dies bedeutet nach G. (33): ,,Wer von den Taggin einen mystischen Gebrauch macht, wird sicher verloren sein“. Dieselbe Erklärung gibt Senior Sachs in der gedachten Einleitung zum Sefer Taggin (S. 22—31), wobei er große Gelehrsamkeit aufwendet. Schon in Aboth R. Nathan (1. Version Kap. 12) wird תגא mit שם המפורש, dem vierbuchstabigen Gottesnamen gleichgesetzt, während in der 2. Version Kap. 27 (S. 56 Schechter) die nicht ganz deutliche Umschreibung: ״wer die Krone des Königs der Könige, Gottes, benützt“ gibt, was dasselbe sein mag, wie שם המפורש. Richtiger wird indes die ältere Erklärung von R. Zadok sein, der die gedachten Worte Hillels zur Unterstützung seiner Sentenz, man dürfe aus der Thorakenntnis keinen materiellen Nutzen ziehen, heranzieht (Aboth 47). S. will dies wohl hinweginterpretieren, indem er den Hillelschen Satz als Interpolation zu erweisen versucht, seine Beweise sind indes nicht stichhaltig. Wenn man aber auch die Gleichsetzung von תנא mit שם המפורש annimmt, ist in den Worten Hillels nicht von תנין die Rede, sondern von der Krone Gottes. Die Entstehung der Masora denkt sich G. wie folgt. Es wurde in einer bestimmten Zeit ein Musterkodex hergestellt, dessen Text als maßgebend galt. ״Die Masora entstand aus der sorgfältigen Prüfung des Textes. Sie besteht aus Anmerkungen, welche die im Kodex gefundenen Lesungen registrieren. Die Masora verdankt ihre Autorität dem Text, nicht der Text der Masora. Diese Anmerkungen um den Text bilden in der Tat einen ״Zaun“ um denselben“ (S. 36). Wenn also R. Alciba sagt: ״Die Masora sei ein Zaun um die Thora“ (Aboth 317), denkt er an einen Kodex mit seinen Randbemerkungen, welche die Masora bilden (S. 34). Es ist aber ganz ausgeschlossen, daß man den Musterkodex, nehmen wir an die im Heiligtum befindliehe Thorarolle, welche als solche diente, mit Randbemerkungen versehen hätte. Dies durfte nie und darf noch heute nicht geschehen. 1 Nicht Akibas, wie G. S. 33 schreibt. Es ist kein Schreibfehler, denn es wird mit Chagiga 14b in Zusammenhang gebracht, wo. von den vier Männern die Rede ist, welche in das ,,Paradies“ hinaufstiegen, unter welchen sich auch Akiba befand.