Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 471 (sequence 7)
- Language
- German
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471 enthält, meint Gaster: ,,The text was 110t corrected by the Massora, but vice versa the Massora was testified by the readings in the Manuscript“ (42). Da der Kodex aus dem 14. Jahrhundert stammt, als die Masora längst abgeschlossen war, ist es ganz sonderbar, daß sie der Bekräftigung eines von einem Sofer angefertigten Textes bedurfte. Woher nahm der Abschreiber die Autorität, wenn nicht aus der Masora? Das letzte Kapitel handelt von den Texten des Sefer Taggin, von den verschiedenen Rezensionen desselben. G. wiederholt hier seine Ansicht, wonach die Taggin überflüssig wurden, nachdem das mündliche Gesetz durch den Patriarchen Juda I niedergeschrieben worden ist (45). Jedenfalls, meint er, sei das Sefer Taggin älter als der Talmud, da in ihm שעמנו גץ nicht erwähnt ist. Zum Schluß werden die gedruckten Musterkodizes erwähnt, welche תקלן סופרים heißen, was allgemein als תקון für die Soferim, d. h. ein Hilfsmittel für die Schreiber aufgefaßt wird. G. dagegen übersetzt: ״Tikkunim — the pertected text according the tradition of the Soferim —“ (47). Diese Bücher hießen übrigens auch kurz 51) (לןצת) תקונים, Z. 3 Meiri), sing. תקוץ ohne סופדים. Die Benennung ist den י״ח הקוני סופרים entnommen und bietet keine Grundlage für Deutungen. In den hebräischen Texten des Anhanges finden sich viele sinnstörende Druckfehler, welche hier nicht verzeichnet werden sollen. Wenn ich auch in den Hauptpunkten mit dem verehrten Verf. nicht einer Meinung bin, so möchte ich doch zum Schluß seine Arbeit als eine anregende und interessante ausdrücklich anerkennen. Besonders verdienstlich ist die Aufrollung fast aller Probleme der Masora, wodurch sie hoffentlich wieder in Fluß kommen werden. Zu großem Danke hat Gaster alle Bibelforscher durch die Faksimile-Ausgabe seines wertvollen Pentateuchmanuskripts verpflichtet. Es dürfte gegenwärtig tatsächlich das einzige in seiner Art sein, denn bei Ginsburg (Introduction into the Hebrew Bible) habe ich einen solchen Kodex nicht verzeichnet gefunden. Die fünfundsechzig Jahre in der Weissagung über Ephraim Jes 77_9. Von A. K a m i n k a in Wien. ״Denn das Haupt Arams ist Damaskus, und Damaskus' Haupt Rezin״ aber in noch 65 Jahren wird Ephraim als Volk zerbrochen . . . wenn ihr es nicht glaubt, so werdet ihr nicht bleiben“ — ist eine, von welcher Seite man es nimmt, unmögliche Weissagung. Selbst wenn man ein vaticinium ante eventum für möglich hält, so kann ein Prophet mit einer runden Zahl eine Epoche andeuten oder allgemein auf Ereignisse hinweisen, aber ganz genau 65 Jahre im voraus etwas ankündigen — was übrigens auch in keiner Weise später als Ereignis eintraf1 II — das hat auch Jesaja nicht wollen können. 1 Sehr künstlich versucht Franz Delitzsch (ihm zustimmend auch Orelli) die Weissagung• auf die — undatierte — Ansiedlung fremder Völker in Samaria, II Kön.1724, zu beziehen. Eine solche Kolonisation geschah doch nicht plötzlich in einem Jahre, und das Jahr wäre sicher erwähnt worden, wenn ein Orakel- Spruch sich darauf bezogen hätte.