Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 468 (sequence 4)
- Language
- German
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468 Gesetz (Thora)“ (Matth 518-19). Im vorhergehenden Vers heißt es: ,,Ich bin nicht gekommen aufzulösen“. Dies ist eine Wiedergäbe vom מבטל des Midrasch. Ich kann also Gaster (21 ff.) nicht darin zustimmen, daß in der gedachten berühmten Stelle von Krönchen (Taggin) die Rede sei. G. meint freilich, daß auch der Midrasch von Taggin rede, führt ihn daher als Beweis an. Schon Senior Sachs (a. a. O. 21) hat die Matthäusstelle auf die Taggin gedeutet, auch Barges (S. XXVI) führt im Namen von mehreren Gelehrten diese Ansicht an, xspcua, apex sei gleich כתרים, verwirft sie aber. G. meint sogar, es sei vom mündlichen Gesetz die Rede, welches in den Strichelchen enthalten ist (21). In dem Kapitel über die Strichelchen und das mündliche Gesetz wird dann dieser Gedanke des weiteren ausgeführt. Das mündliche Gesetz wäre in die Strichelchen gleichsam hineingeheimnisst worden. Hiervon findet sich aber in der jüdischen Tradition keine Spur. Selbst nach der Auffassung Gasters hätte ja erst R. Akiba diese Strichelchen gedeutet, wovon aber, wie schon erwähnt, gleichfalls keine Spur entdeckt werden kann. Oft genug sagt R. Aldba לרבות, worauf R. Jochanan ben Nuri erwidert: Wenn du den ganzen Tag sagen wirst לרבות לרבות; im Bibeltext steht diese Folgerung nicht, aber nie beruft sich R. Akiba auf die Strichelchen. Eine Deutung der Strichelchen in bezug auf Halacha ist in der gesamten Traditionsliteratur nicht nachweisbar. Als ,,besten Beweis“ hält Gaster (S. 30 unten) Erubin 21b, wo ein babylonischer Amora (R. Chisda im Namen von Mar ukia) Hohelied 5U קוצותיו תלתלים mit דרש תלי תלים של הלכות על כל קוץ וקוץ, was auch das Targum gemeint hat, wiedergibt. Dies ist aber lediglich ein Ausdruck dafür, daß alles, auch das geringste in der Thora von Bedeutung ist, es ist aber, wie schon bemerkt, durchaus kein Ausdruck, der die Krönchen bezeichnet. G. meint sogar, der Spruch der Männer der Synagoga magna: ,,Machet einen Zaun um die Thora“ (Aboth 1!) beziehe sich auf die Krönchen, weil ,,die Strichelchen den Stöcken eines Zaunes gleichen“ (S. 29);. Somit sind die Strichelchen auf die Soferim des 4. Jahrhunderts vor unserer Zeitrechnung zurückgeführt. Trotz der hinreißenden Beredsamkeit Gasters bin ich von seinen neuen Thesen nicht überzeugt worden. D i e g anz e Frage müßte, so glaube ich, im Lichte der. allgemeinen S c h r i f t g e s c hi c h t e behandelt werden. Die Buchschrift ist, nach Ausweis der griechischen Papyri, auch in der hellenistisehen Welt, im Gegensatz zur Schul- und Geschäftsschrift, eine Zierschrift gewesen, in welcher gleichfalls Strichelchen gefunden werden. Ob da ein Zusammenhang besteht, könnte nur eine eigene eingehende Untersuchung zeigen. Eigene Erklärungen hat der Verf. auch für מקרא םופרים und עטור סופרים (Nedarim 37b). Ersteres bedeutet die richtige Ausspräche, welche durch das Aramäische gefährdet war, letzteres die Kronen (S. 27, 28). Auffallend ist die Erklärung von תק1ץ סופרים. G. meint, diese Aenderungen wären anläßlich der Uebersetzung ins Griechische vorgenommen worden (S. 27, Z. 45 und S.. 28, Z. 41), für welche Hypothese es gar keinen Anhaltspunkt gibt. Ich will