Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 467 (sequence 3)
- Language
- German
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467 der Talmud keine Regeln für die Schreibung der Thora in ihren Minutien enthalte. Ueber דר1ש דרש als Wortmitte des Pentateuchs (12, 6) vgl. meine ,,Zur Einleitung in die Heilige Schrift“ (Budapest 1894, 109—112). Wenn das ד in דלש irgendwo als Zeichen der Wortmitte groß geschrieben wird, so beruht das auf Irrtum. Eine solche Angabe findet sich in der Masora nicht. Die Hauptbeweise für die Existenz der Kränchen werden dem Talmud und. Midrasch entnommen. Die einschlägigen Stellen hat Senior Sachs in seiner bereits gedachten Einleitung zum S e f e r Taggin zusammengesteilt (S. 15—29). Er identifiziert: ],תגי קוצין ,כתרים ,דמיין und bezieht alle Aussagen des Talmuds und des Midrasch auf die ,,Strichelchen“. Gaster beschränkt sich hauptsächlich auf den Talmud (12—15) und verweist bloß zum Schluß auf die Agadä. Die Hauptstelle findet sich Menachoth 29b. Es heißt da im Namen Rabs: ״Als Moses in den Himmel stieg, fand er Gott beschaftigt mit dem Binden von Kronen auf die Buchstaben der Thora. Moses fragt: ,,Wer verhindert dich?“ (d. h. du hättest doch von vornherein diese Kronen setzen können). Gott antwortet: Akiba ben Josef wird Haufen von Halachoth herausdeuten aus jedem Dorn1. G. meint, קוץ וקוץ beziehe sich auf je ein Strichelchen von den כתרים, was für den Sinn der Stelle entscheidend ist. Es wäre demnach von Deutungen der Kränchen, ja, sogar von denen ihrer Bestandteile die Rede, was eben bewiesen werden soll. Es findet sich jedoch in Talmud und Midrasch keine einzige derartigeDeutung. Allerdings, meint G. S. 12, der Bericht in Menachoth sei nur ein Fragment, Belege für die Ausdeutung von Strichelchen sind übergangen worden. Diese Vermutung ist indes angesichts der Tatsache, daß aus der gesamten altrabbinischen Literatur keine einschlägige Deutung vorkommt, ganz unbegründet. Erwähnt wird wohl 2קוצה של יוד, aber dies bezieht sich nicht auf ]תגי. In der in der Anmerkung verzeichneten Stelle Schemoth r. figuriert neben ,,ein Buchstabe“ auch der ״Dorn von Jod“, d. h. nicht nur den kleinsten Buchstaben von der Thora, .sondern auch nicht einen Dorn von ihm werde ich aufheben. Inhalt und Form des Ausspruches entsprechen vollkommen dem bekannten Ausspruch Jesu: ,,Denn wahrlich, ich sage euch: Bis daß Himmel und Erde vergehen, wird nicht vergehen ein Jota, noch ein Strichlein vom 1 Die entscheidenden Worte lauten: תקבית יושב וקושר כתרים לאותיות וכר שעתיד לדרוש על כל ק ו ץ ו ק ו ץ תילין תלין של הלכות. 2 Menachoth 29a unten. Raschi erklärt: רגל יבינו של יוד (unser Jod hat diesen Zug nicht). Dem Jod von ירבה (Deut 17I8) antwortet Gott : Salomo und tausende seinesgleichen werden untergehen, aber einen Dorn (Strich) von dir werde ich nicht untergehen lassen (וקובר. ממך איני מבטל Schemoth r. 6, 1, fol. 33, Wilna). Jer. Sanh. 20c, 4: ודבר ממך אינו בטל; Wajikra r. 10, 2: ויוד ממך אינה בטלה לעולם (auch Jälkut II 990, fol. 1075a unten, Wilna). Tanchuma Waera Nr. 5, S. 188: ואות אהת ממך אינה בטלה לעולם (auch Jalkut II 195 Ende). Es wäre Gelegenheit gewesen, Strichelchen zu nennen.