Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Das Krönchen der Thora
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 466 (sequence 2)
- Language
- German
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466 seiner geschwächten Sehkraft, fast gar keine Literatur nennt, erwähnt dieses Buch einmal (Seite 39), obwohl in dessen Einleitung Sachs als erster das hohe Alter der Krönchen zu beweisen unternommen und bereits alle, oder wenigstens fast alle Quellen, welche Gaster benutzt, beigebracht hat. Dies ist jedoch bloß Nebensache, Hauptfrage ist, ob die mannigfaltigen Behauptungen des Verf. vor der historischen Kritik standhalten können. Gasters Buch gliedert sich in die folgenden 12 Kapitel: 1. The Book and the Scroll; 2. The Scroll and the Tittles; 3. Tittles in the Talmud; 4. Tittles in the Rabbinic Literature; 5. Tittles in the New־ Testament Literature; 6. Tittles and Oral Law; 7. Tittles and Mystik Lore; 8. Tittles and Masora; 9. Tittles and Biblical Commentaries; 10. The Present Text; 11. Tittles: Various Recensions; 12. Tittles and the Archetype; Appendix: Hebrew Texts. Ich werde nun in der Reihenfolge des Buches meine Bemerkungen vorlegen. In der Aufzählung der Unterschiede zwischen Buch und Rolle figuriert (Seite 7) auch der, daß im Buche auf Plena und Defektiva keine Rücksicht genommen wird, Dies widerspricht den Tatsachen. Ferner wird ebenda behauptet, es gebe keinen masoretischen Text ohne Vokale und Akzente (ebenso S. 8). Dies kann mißverstanden werden; denn der (bekanntlich unvokalisierte) Text der Synagogenrolle ist ja auch ein masoretischer. In dem Kapitel über die Rolle meint G. (S. 8 unten), daß die Zeilenzahl der Kolumne geregelt war. Dies ist, wie die noch vorhandenen Thorarollen zeigen, durchaus nicht der Fall; aber auch aus dem Altertum sind verschiedene Angaben überliefert (siehe mein Althebräisches Buchwesen 147—150). Wenn ebenda behauptet wird, daß nur bei einer, beschränkten Zahl von Buchstaben die Dehnung behufs Ausfüllung der Zeile gestattet war, so widerspricht das gleichfalls der in den Handschriften noch sichtbaren Gepflogenheit, auch andere Lettern als אהלתם, an welche der Verf. offenbar denkt, zu dehnen. Ich selbst habe ein Rollenfragment gesehen, in welchem Resch und andere Lettern gedehnt geschrieben waren. In meinem Buche über den Scheidebrief (Jüdische Ehescheidung II 94) schrieb ich im Jahre 1912: ״Wie alt die 1 i 11 e r a e d i 1 a t a b i 1 e s sind, ist nicht ermittelt, man hat hier einen Beleg aus dem Jahre 1110י . . . . daß die Dehnung sich nicht lediglich auf die fünf Buchstaben אהלתם beschränkte“. Das Altertum hat die Dehnung des Querstrichs überhaupt nicht gekannt, sonst hätte der Talmud keine Regel aufstellen müssen über die Frage, wieviel Buchstaben am Ende der Zeilen außerhalb der Kolumne geschrieben werden dürfen (Althebräisches Buchwesen 146 f.). Der Gottesname mußte mit Andacht geschrieben werden; daß aber der Schreiber vor der Niederschrift jedes einzelnen Gottesnamens ein Tauchbad nehmen muß, wie S. 9, Zeile 10 zu lesen ist, ist eine mir unbekannte Regel. Gefordert wird nur, daß der Schreiber levitisch rein sei. Falsch ist die Behauptung (ebenda), daß eine Thorarolle, wenn sich in ihr ein Fehler findet, zu ,,verbergen“ sei; es müssen schon mehrere ״ Fehler auf jeder Seite sein. Dasselbe gilt von der Behauptung, der tannaitische Midrasch sei dem Talmud unbekannt gewesen (11, 14 v. u.), wie auch von der (11 unten), daß