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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 449

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
In die Wassertiefe versunkene Städte
Date
1929-01-01
Page
Seite 449 (sequence 6)
Language
German
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449 haben auch die jüdischen mittelalterlichen Autoren gemieden. R. Pethachia unterscheidet zwischen dem Salzmeere und dem Lande Sodom und Gomorrha, wo kein Kraut wächst1. R. Jakob aus Paris bemerkt allgemein, oberhalb von Jericho ist Sodom und Gomorrha2, ohne das Salzmeer zu erwähnen; wahrscheinlich meinte er darunter das sonnenverbrannte Gebiet zwischen Jericho und dem Toten Meere. Der erste rabbinische Autor, der Sodom ins Meer gestürzt sein läßt, ist R. Gerson ben Elieser im J. 1624, indem er berichtet: jener Ort im Salzmeere, wo einst die vernichteten Städte standen, ist schwarz, wie Rauch und Nebel steigt es von dort immer auf3. Eine Parallele zu dem elf Jahrhunderte älteren Antoninus Placentinus kommt hier in den Sinn. Handelt es sich im Rauch und Nebel um eine wirkliche Naturerscheinung? Die Entstehung des Toten Meeres in historischer Zeit, wie sie Josephus in einer These behauptete, widerstreitet auch naturwissenschaftlichen Tatsachen. Der moderne Anhang, der hier das credo quia absurdum est anzuwenden zu müssen glaubt, ist im großen Irrtum. Die Tradition des Judentums, wie auch das alte Christentum, wissen nichts davon. Die Rabbinen sind im Rechte, welche das Tote Meer als uraltes Schöpfungswerk ansehen und nicht als Werk eines in geschichtlicher Zeit vollzogenen Kataklysmus. Der Geologe Blanckenhorn behauptet, das Tote Meer hatte zur Zeit des kleinen Pluvials während des Paläolithikums einen etw״as höheren Wasserstand und wenig größere Ausdehnung als heute4. Die französischen Professoren der Notre Dame de France, die ein Palästina-Handbuch gemeinschaftlich verfaßten, konnten bei allem ihrigen Katholizismus nicht über die Tatsachen der geologisehen Forschung hinwegkommen und suchten ein Kompromiß. Sie meinen, ,,das Meer Lots“, wie die Araber es nennen, stammt nicht-, wie man es früher behauptete, von den Ruinen Sodoms her. Der große Kataklysmus veranlaßte bloß gegen Süden die Ueberschwemmung der Siddimebene, die die Pentapolis enthielt und wo die Tiefe des Wassers noch heute nur zwei oder drei Meter erreicht. Das Salzmeer sollte ursprünglich nach dieser Deutung der französischen modernen Theologen, bloß bis zur Halbinsel El-Lisan gereicht haben. Der Jordan dürfte das Salzmeer, ähnlich wie den Geneseratsee und den Meromsee, bloß durchschritten haben und nicht in dasselbe wie heute gemündet sein. Der Jordan, damals im Süden das Tote Meer verlassend, hat gewiß die ganze Gegend befruchtet und dort blühte die dann durch das Tote Meer überschwemmte Pentapolis“. Welche Häufung von Unsinn! Der Jordan, der das Salzmeer passierte, vermochte noch eine Gegend befruchtend beeinflussen! Hat dieser vom Salzgehalt nichts in sich aufgenommen? Wohin 1 Ozar Masaoth ed. Eisenstein, New York 1926, 56. 2 Ib. 70. 3 Ib. 183. 4 M. Blanckenhorn, Die Steinzeit Palästinas-Syriens 39 (Land der• Bibel III 5, Leipzig 1921). Professeurs de Notre Dame de France, La Palestine,. Paris 1922, 9.

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