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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 448

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
In die Wassertiefe versunkene Städte
Date
1929-01-01
Page
Seite 448 (sequence 5)
Language
German
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448 gelegen, aber sie wurde von dem schon damals vorhanden gewesenen Toten Meere weggeschwemmt. Der Diakon Zosimus (1419—1421) erwähnt das Tote Meer, das Sodom und Gomorrha verschluckte1. Also der See bestand früher schon und dieses überflutete die verbrannten Städte und verschlang sie. Die jüdische, nachbiblische ־ Tradition, die im hebräischen Schrifttum zum Ausdruck kommt, sah im Toten Meere bis Ende des Mittelalters nie und nirgends die Stätte von Sodom. Die vernichteten Städte wurden höchstens in das Randgebiet des Salzmeeres gewiesen. Josephus künstlicher Deutungsversuch einer lokalen Palästinasage nach hellenischem Vorbild fand hier nicht das geringste Echo. Die Rabbinen nennen zwar das Tote Meer das Meer von Sodom2, das Salz vom Toten Meere ,,Sodomitisches Salz“3. Wenn kein Mensch im Toten Meere ertrinken kann, dann ,,ist Sodom umgekehrt und dessen Dinge sind verkehrt“ sagt Rab Joseph, einer der Mitarbeiter des Talmud im 3. Jh.4. Doch Sodom selber ist nicht am Boden des Toten Meeres. Die Zerstörung von Sodom stellten sich die Rabbinen derart vor: die fünf Städte befanden sich auf einem Felsen, da kehrte ein Engel diesen Felsen samt ,der Städte um. Der Regen in der Gegend von Sodom kann bis heute nicht befruchtend wirken5. Wie entstand nun das Tote Meer? Es finden sich bei den Rabbinen darüber verschiedene Ansichten, aber niemals die Meinung, daß das Tote Meer mit dem Gelände von Sodom identisch wäre. Das Tal Siddim, das die Bibel mit dem Toten Meere gleichsetzt, ist nach den alten Rabbinen mit dem Tale Schawe und mit dem Tale Sukkoth identisch: es barsten Wasserleitungen von Flüssen und das Meer entstand6, erzählten die Rabbinen des ausgehenden Altertums. Wann, bei welchem Anlaß dieses Bersten erfolgte, darüber hören wir nichts. Im Targum Jonathan heißt es, in Paraphrasierung der biblischen Erwähnung des Siddimtales als Toten Meeres: das Siddimtal ist der Ort der Felder, das ist der Ort, der Wasserbehälter enthält, die sich ins Tote Meer ergießen. (Das Wort שדים wurde das eine Mal als ,,Feld“, das andere Mal im Sinne von ,,ergießen“ verstanden7.) Also das Tote Meer bestand seit jeher. Der Midrasch Tanchuma, ein Werk gewiß schon des späteren Mittelalters, leitet von den Sünden der Sodomiter her, daß das ursprünglich süße Wasser des Toten . Meeres salzigen Geschmack bekam. Das Tal Siddim säugte die Pentapolis ursprünglich wie Brüste (Wortspiel zwischen שדים und שדם), dann wurde wegen der Freveltaten der Sodombevölkerung das Tal zum salzigen Wasser 8. Die Identifikation des Toten Meeres mit dem Gebiete von Sodom 1 Ib. 215. 2 Baba Bathra 74a, Jeruscbalmi Schekaiim VI 2. 3 Erubin 17b Cliullin. 105b. 4 Sabbat 108b. 5 Genesis Rabba LI. < 6 Ib. XLVII. 7 Genesis 143. 8 Midrasch Thanchuma Perikope Lech 8.

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