Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- In die Wassertiefe versunkene Städte
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 447 (sequence 4)
- Language
- German
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447 Autor an einer anderen Stelle teilweise wiederholt1, doch gibt es bei ihm auch, abweichende Mitteilungen, wo westlich von Jericho ,,du eintrittst in die Flugasche von Sodoma und Gomorrha, über welche Provinz ständig eine dunkle Asche niedersteigt und Schwefelgeruch“2. Die zweite These des Josephus schimmert hier durch. Die westeuropäischen Autoren, die seit der Zeit der Kreuzzüge schrieben, waren nicht mehr gespalten; für alle war das Tote Meer der Ort von Sodom und Gomorrha. Wir sehen dies bei den Pilgerautoren sämtlicher Nationen. Der Deutsche Johannes von Würzbürg, 1160—1170, erklärt, daß in den Asphaltsee, der auch der See des!Teufels genannt ward, die vier so sehr unglücklichen Städte, nachdem sie mit Feuer und Schwert vernichtet wurden, versenkt wurden3. Der Deutsche Otto von Neuhaus im J. 1333 äußert sich über das Tote Meer, dies sei ein abscheulicher und verworfener See, in welchem Sodoma und Gomorrha durch himmlisches Feuer und Schwert vernichtet, unterging4. Der französische Reisende Ernoul im J. 1231 nennt das Tote Meer das Teufelsmeer (Mer del deable, la mers le dyable), hier waren einst die fünf Städte, deren Sünden er schildert5. Bei den russischen Autoren sehen wir ein Schwanken bis Ende des Mittelalters. Der russische Reisende Daniel (1106/1107), der das Tote Meer kurz das Sodommeer nennt, berichtet bei dieser Gelegenheit an dieser Stelle nichts von dem Schicksal der ehemaligen Pentapolis, sondern meint, daß unterhalb des Toten Meeres überhaupt die Höllenqualer tattfinden6. Die Sage erweiterte sich bei ihm, und statt der sün . ften Sodomiten gerieten auf den Seegrund sämtliche Höllensträfjunge. Doch drückt sich Daniel nicht darüber aus, wie er das Verhältnis des Toten Meeres zu Sodom auffaßt. Der Russe Ignaz aus Smolensk (1389—1405), erzählt, daß das Sodommeer sich dort befindet, wo einst Sodoma und Gomorrha und die sieben Städte sich befanden, die Erde verschluckte die einen und das Meer die anderen7, nichts wächst dort, wo die Erde verschluckte. Hier ist eine Kompromißthese. Ein anderer Russe, der im J. 1400 Palästina besuchte, schreibt, es ist sonderbar zu sehen, an der Seite von kleinen Sandbergen, den Zorn Gottes, der hier sein Werk vollbrachte, wo die Städte Sodoma und Gomorrha vom Meere verschlungen wurden und die Erde denaturiert wurde8. Dieser Berichterstatter dürfte sich zurechtgelegt haben, die Pentapolis wäre an den Sandbergen des Küstengebietes 1 Ib. 166. 2 üb. 169. 3 Zweier deutscher Ordensleute Pilgerfahrten nach Jerusalem in den Jahren 1333 und 1346 aus ihren eigenen Aufzeichnungen erzählt von Ferdinand Khull, Graz 1895, Seite 149. . 4 Tb. 38. 5 Ttineraires a Jerusalem publies par Henri Michelant et Gaston Raynaud Geneve 1882, Ernoul Fragments relativs a la Galilee 69. 6 Ttineraires russes en Orient par Mme. B. de IChitrovo Geneve 1889, 35. 7 Ib. 154. 8 Ib. 186.