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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 446

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
In die Wassertiefe versunkene Städte
Date
1929-01-01
Page
Seite 446 (sequence 3)
Language
German
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446 Ant. I 174, doch dürfte dies ein Ausmalen nach Muster der griechi־ sehen Sagen von überfluteten Städten, ein künstlicher Hellenismus bei ihm gewesen sein, eine Wiederholung etwa der Fabel von Philemon und Baucis. Aus dem Bellum (IV 483) läßt sich merken, daß er seiner Behauptung nicht sicher war. Hier ist das Södomitergebiet nicht mit dem Seeboden identisch und grenzt nur an den See. Die einst reichen Städte wurden durch Blitze ganz vernichtet. Nichtsdestoweniger lassen sich bis heute Konturen von fünf Städten schattenhaft im See erblicken. Bei Josephus ist es nach diesem Berichte nicht klar, woher diese Stadtumrisse im Toten Meere herkommen, wenn die zerstörte Pentapolis am Ufer lag. In den Antiquitates selber (I 202) wird anläßlich der Verbrennung Sodoms durch göttliches Feuer, nichts vom See erwähnt. Tacitus, der selbständig über Judäa Informationen einholte, wenn auch nicht immer aus einwandfreien Quellen, schließt sich der zweiten These des Josephus an: das Gebiet der fünf zerstörten Städte wäre nicht mit dem Toten Meere als solchem, nur mit dessen Randfeldern identisch. Jener lacus, wo der Jordan mündet, habe um sich Felder, die einst fruchtbar und von großen Städten besetzt waren, doch die einst ruhmreichen Städte wurden durch himmlisches Feuer zerstört. Die verbrannte Erde habe ihre fruchtbringende Kraft verloren1. Silvia, eine der ältesten christlichen Pilgerautoren im 4. Jh., berichtet in der Richtung des Toten Meeres von den Ländern der Sodoiniten, deren Ruinen in Asche verwandelt wurden2. Eusebius sah ebenso in Sodom eine Stadt beim Toten Meere3. Dieser Linie, die von der zweiten These des Josephus über Tacitus und Silvia geht, schloß sich noch im 7. Jh. Arculf (Adamnanus)3 und in weiterer Folge der von ihm abhängige Beda4 an: die Breite des Toten Meeres reicht bis in die Nachbarschaft der Sodomiten. Die erste Ansicht von Josephus, die im Toten Meere selber den Boden von Sodom und seiner Nachbargemeinden sah, findet sich bei den christlichen Palästinareisenden zuerst kei Theodosius (zirka 530), doch mit einer geringen Modifikation. Sodoma, Gomorrha und die anderen fünf Städte waren zwar beim Toten Meere, aber sie wurden ins Tote Meer versenkt (ipse est maris mortuus, ubi Sodoma et Gomorrha dimersae sunt cum aliis tribus, quae quinque civitates fuerunt iuxta mare mortuum)4. Diesem Autor ging es an geschiehtlicher bodenständiger Kontinuität ab, es fand daher der künstliche Hellenismus ein Echo hier. Vier Jahrzehnte später berichtet Antoninus Placentinus, daß im Salzmeer, wo der Jordan mündet, unten Sodoma und Gomorrha liegen, an der Küste wird Schwefel und Pech gesammelt5, was dieser 1 Tacitus, Historiae V 7. 2 Silviae peregrinatio in Pauli Geyer׳, Itinera Hierosolymitana (Corpus Scriptorum ecclesiasticorum latinorurn Vol. XXXVIII), Vindobonae et Lipsiae MDCCCCXIII 54. 3 Eusebii Pamphili Episcopi Caesarensis Onomasticon, Berolini 1862, 842. 4 Theodosius, De situ Terrae sanctae in Geyer 146. 5 Antoninus Placentinus, Itinerarium in Geyer 176.

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