Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- In die Wassertiefe versunkene Städte
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 445 (sequence 2)
- Language
- German
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445 Tatsächlich findet sich in der Bibel nirgends, daß an der Stelle, wo das Salzmeer sich jetzt erstreckt, einst die zerstörten Städte Sodom und Gomorrha sich befanden, daß diese nach der Vernichtung durch das himmlische Feuer, den Boden für einen See abgaben. Die Genesis erzählt bloß von einer Zerstörung durch Feuer und Schwefel der Städte Sodom, Gomorrha und des ganzen Kikargebietes1. In diesem Zusammenhänge wird des Toten Meeres dort überhaupt nicht gedacht. In keiner Verbindung mit dieser Katastrophe findet sich die Mitteilung, daß jenes Siddimtal, wo der König von Sodom samt Genossen gegen die vier fremden Könige fochten, mit dem Salzmeer identisch wäre2. Der Untergang von Sodom und Nachbarstädten wird im Alten Testament nicht selten erwähnt; doch niemals kommt hier das geringste Wort vor, das an ein Ueberflutungsschicksal gemahnen würde; gerade das Gegenteil ließe sich da entnehmen. Aus Deut 2922 geht hervor, daß. die Folge der Zerstörung Sodoms nicht überschwemmtes Seegebiet, sondern ausgedörrtes, verbranntes Land ist: ,,das Land ist Schwefel und Salz, verbrannt der Boden, wird nicht besäet und läßt nichts sprossen, es blüht dort kein Kraut“. An einer anderen, an einer poetischen Stelle des Deuteronomiums wird von den ,,Gifttrauben, die die Weinstöcke Sodoms und die Felder Gomorrhas wachsen lassen“ gesprochen3. Der erste schriftstellerische Prophet Arnos faßt die Zerstörung Sodoms als Verbrennung auf4. Bei Jesaias (1319) erscheinen Sodom und Gomorrha als unbewohnbares Land, dessen Schicksal Babylon angedroht wird. Auch Edom erhält die Androhung vom Propheten Jeremias (4918), daß es einst so wüste wie Sodom und Gomorrha sein wird. Jeremias weissagt dies Los auch der südlichen Metropole des Zweistrom־ landes 5040. Ezechiel (1656) prophezeit die Wiederherstellung Sodoms, gerade wie einst Jerusalem und Samarien wieder auf gerichtet werden. Ezechiel kündet allerdings auch die Heilung des Salzmeeres in der messianischen Zukunft an (478), aber nicht im geringsten Zusammen־ hange mit der Restauration der Städte Sodom und Gomorrha. An das Salzmeer dachte auch nicht‘der Prophet Zephania 29, wenn er an Ammon und Moah droht, die werden einst wie Sodom und Gomorrha ausschauen, Dorngeräusch und Salzgruben wüste in alle Ewigkeit. Salz gehörte zum Bilde einer zerstörten Stadt. Im Richterbuche (945) finden wir die Erzählung, daß Abimelech eine feindliche Stadt, die er eroberte, zuerst zerstörte und dann dort Salz säete. Der griechische Text der Septuaginta enthält an der angeführten Stelle des Zephaniabuches nichts von Salzgruben. In den Apokryphen und Pseudepigraphen findet sich nirgends eine Anspielung auf das Tote Meer als Stätte versunkener Ortschaften. Im Kapitel 16 des Jubiläenbuches findet sich nichts, was über den biblischen Bericht heraus geht. Der erste, der es für ausgemacht hielt, daß an der Stelle, wo einst Sodom war, jetzt der Asphaltsee sich befindet, ist Josephus 1 Gen 1924. 2 Ebd. 1413. 3 Deut 2922. 4 Amos 4U.