Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 437 (sequence 13)
- Language
- German
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437 schäften und der Philosophie, die Philon so häufig vertritt1, ein überrationaler Weg als der wahre Weg zu Gott betrachtet wird. ^Zu der Einstellung dieses phiionischen Irrationalismus in das hellenistische Geistesleben hat L. sehr verdienstliche Beiträge geliefert und uns dadurch den Mann, dessen Denk- und Redeweise uns vielfach widerstrebt, menschlich näher gebracht, indem er sein Ringen mit einem Problem aufweist, dessen widerspruchslose Lösung auch neueren Denkern nicht geglückt ist. Im einzelnen wird man manchmal verschiedener Meinung sein. Wenn die Weisheit bei Jesus Sirach 2433 spricht: ,,ich will meine Lehre wie Prophezeiung ausgießen*f, so beweist das nicht das Vorhandensein einer alt jüdischen Lehre vom prophetischen Pneuma (L. 65). Und der Erfinder der Wortprägung scheint mir nicht (L. 89) Philon selbst zu sein, sondern der Vorgänger, der etymologisch ד1נה ydpis deutete und in dem Hohenpriester Eli den Typus der Rationalisten sehen mochte, die den ekstatischen Weg zu Gott nicht begreifen. Im ganzen aber kann die Arbeit des jungen Gelehrten, der auch rabbinische, syrische und armenische Texte liest, als ein sehr erfreuliches Specimen eruditionis gewertet werden, — Die Frage nach der exegetischen Technik des allegorischen Genesiskommentars Phiions war seither nicht ausreichend scharf gestellt worden. Man hatte im Anschluß an Leopold Cohn im allgemeinen vorausgesetzt, ,,Kommentarform und Behandlungsweise bliebe durchweg dieselbe“; höchstens nahm Schürer, Geschichte des jüdischen Volkes III 4 654 an, daß von De gigantibus an nicht mehr der ununterbrochene Text, sondern nur noch ausgewählte Stellen kommentiert werden; ,,die exegetische Methode ist aber auch in den folgenden Büchern noch ganz dieselbe“. Zu wesentlich abweichendem Ergebnis gelangt jetzt Maximilian Adler2. Nach ihm vollzieht sich ein Uebergang zu immer freierer Technik und zwar in vierfacher Hinsicht: 1. Philon verfügt über sechs verschiedene Erklärungsweisen: A kurze Worterklärungen, B knappe Heranziehung anderer Bibeltexte, C philosophische Erläuterungen ohne Bibelzitate, D philosophische Erläuterungen mit Bibelzitaten, E Abschweifungen vom Stichvers durch eingehende Erklärung einer andern Bibelstelle, F3 Abschweifungen durch rein philosophische Einlagen (Adler 101, 29, 32). Die Analyse der ersten sieben Schriften des allegorischen Kommentars zeigt nun immer stärkeres Zurücktreten der einfacheren Formen ABC und Hervortreten der freieren Formen DE F. Besonders selbständig arbeiten die sechste und die siebente Schrift (De gigantibus nebst Quod Deus sit immutabilis und De agricultura): S. 521 1 Besonders deutlich tritt diese ,,profanere“ Wertung der Erkenntnis in der Schrift De congressu hervor, unter dem exegetischen Zwang, die Beziehung Abrahams zu Hagar zu rechtfertigen, und unter Verwertung der hebräischen Etymologien von הגר und שרה. 2 Maximilian Adler: Studien zu Philon von Alexandreia. Breslau (Marcus) 1929, 102 S. 3 Für diese Form hat Adler keine Bezeichnung durch Buchstaben.