Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 434 (sequence 10)
- Language
- German
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434 versichern, daß die Wahrnehmung dem Verstände hilft, zu 36, daß sie ihn verführt; das ging natürlich nur mit Anleihen bei sehr verschiedenen Weltanschauungen, wie sie hellenistische Popularphilosophen nicht scheuen. Weder St. noch ein sonstiger Anhänger Boussets hat eine antitheologische Stelle bei Philon aufgezeigt, die sich nicht durch solchen exegetischen Zwang oder (ich verweise nochmals auf MGWJ 1923, 286) durch die Freude an rhetorischer Ausmalung erklären ließe. Nun glaubt allerdings St., Boussets Grundannahme stützen zu können durch die Beobachtung, daß sich die Profandeutungen durch das Fehlen hebräischer Etymologien auszeichnen. Aber abgesehen davon, daß St., um seine Beobachtung durchführen zu können, von Boussets Scheidung häufig abweichen muß, so ist doch seltsam, daß sich bei diesen Erklärern, wiewohl sie keine grundsätzlichen Gegner der etymologischen Methode waren (St. 44) auch keine griechischen A bl e i t u n g e n finden wie Aua von Mo<z, Eöüd~ von Uewg. Der Grund ist einfach der, daß es an den Bibelstellen, deren Deutung ihnen St. zuweist, keine Eigennamen zum Etymologisieren gab; St. begeht den Fehler der Mißachtung der Schriftgrundlage, den er Bousset zum Vorwurf macht, wenn er S. 42 f. das Fehlen etymologischer Deutungen zu Gen. 25 und 2lg und ihre Häufung in der Auslegung der Paradiesflüsse beachtenswert findet. In Wahrheit gibt Philon sehr gern ethische Deutungen (etwa Aegyptens als des Körpers, Moses’ als des prophetischen Logos) ohne etymologische Anknüpfung, während andererseits die breit ausgesponnene Abhandlung über den Wert des Geistes und der Sinne (Spec. leg. I 331 ff.), die nicht minder ,,untheologisch“ ist als das Lob der Wahrnehmung im allegorischen Kommentar, auf der etymologischen Auffassung der Moabiter und Ammoniter als An- Länger des ,,Vaters“ und der ,,Mutter“ beruht und die Mahnungen der ,,standhaften“ Rebekka an ihren allzu ,,asketischen“ Sohn Jakob, ins wirtschaftliche und politische Leben einzutauchen (De fuga 25 ff.), mit den Etymologien von Esau, Laban und Charran in engem Zusammenhang stehen. Kurz, das Neue, das St. zu Boussets Theorie hinzufügt, die Meinung, daß die Verwendung' hebräischer Etymologien mit der Neigung zu ethischer Deutung, deren Fehlen mit profaner Auslegung zusammentreffe, erweist sich bei etwas weiterem Ueberblick als durchaus unzutreffend. Ebenso unrichtig ist aber die von Bousset übernommene Vor- Stellung vom reinen Profancharakter der ,,philosophischen“ Deutungen. Philon polemisiert gegen die angeblichen Antitheologen nie; auch seine Kiitik Leg. all. I 59 bezieht sich (gegen St. 29) nur auf die Lokalisierung des itfejuovixov im Herzen, nicht auf die Methode; vielmehr gelten ihm stets sowohl physische wie ethische Deutungen (mag er selbst vielleicht eher zu letzteren neigen) grundsätzlich als berechtigt. Das wäre ausgeschlossen, wenn die ersteren der Ausfluß einer Lebensanschauung wären, zu welcher seine eigene, wie natürlich auch St. und Bousset zugeben, in schroffem Gegensatz stand. — ' Im Gegensatz zu dieser weitgefaßten Aufgabe versucht die