Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 433 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835775--49373-2835830- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
433 ethische Allegorie . . . Dagegen ist immer die Bezeichnung *poatxdi ävdpss für letztere (die theologischen Allegoristen) gebraucht/' Für beide Behauptungen vermißt man schmerzlichst alle Belege. Man muß sie dem Verfasser glauben oder — nachprüfen. Entschließt man sich zu letzterem, so ■ergibt sich, daß die zweite Behauptung richtig ist. Ich habe MGWJ 1923, 286 die Stellen zusammengestellt und nachgewiesen, daß Phiions ,,Physiker" (die sich Bousset anscheinend nach dem Muster seiner Kollegen von der mathemathischnaturwissenschaftlichen Fakultät voxstellt) gemäß dem griechischen Sinn des Wortes (puatxd, das auch die Lehre von Gott und Seele umfaßt, durchaus theologisch interessierte Männer gewesen sind. Stein kannte diesen Aufsatz: ein Hinweis auf ihn ist wohl nur versehentlich ausgefallen. Dagegen ist seine erste Behauptung von dem profanen Sinn der <puou7) änddoau; nicht nur falsch, sondern höchst befremdlich. Von <pu<7cx7] änodow; redet Philon ausdrücklich nur einmal, De fuga 1081; hier heißt der Hohepriester ,,sündenfreier göttlicher Logos". Ist das eine Profandeutung? Und hält man sich nicht an das Wort, nimmt man also eine Deutung hinzu, die Leg. all. I 16 der ,,ethischen" entgegengesetzt wird, so liest man: ,,Gott hört auf, die sterblichen Wesen zu gestalten, wenn er mit der Bildung der göttlichen beginnt." Auch das klingt nicht sehr profan. Als X6yos (pucnxtoTaroq gilt ihm De plant. 120 f. die Lehre, daß der Logos die ewige Quelle der Tugenden ist. Nach V. Mos. II 96 ist der ,,Sühnedeckel" ein aupßolov tpuoixmxtpov der Gnade Gottes2. Es bleiben in den griechisch erhaltenen Schriften noch zwei Stellen, an welchen der Ausdruck <poa1xco^ gebraucht wird; nach Leg. all I 39 schafft Gott die Sinne, nach II 12 die einzelnen Affekte; dazu kommt die Bemerkung, daß die Gymnosophisten physische und ethische Philosophie trieben (Quod omnis probus liber 74), die gewiß nicht besagen will, daß es bei ihnen eine theologische und eine antitheologische Richtung gab. Selbstredend ist für Philon, wie für jeden andern Griechen, der Begriff der tpoaixd weiter als der der Theologie und Metaphysik; aber daß Philon eine a n t i theologische oder a n ti ethische Meinung oder Auslegung durch dies ihm ehrwürdige Wort decke, ist nach allem, was wir über seine Rede- und Denkweise wissen, ausgeschlossen. Gewiß nimmt Philon insbesondere zu der Sinneswahrnehmung nicht einheitlich Stellung. Aber wenn Bousset glaubt, solche Widerspräche nur mit Quellenkritik erklären zu können, so hat St. S. 48 vollkommen recht, wenn er findet, daß B. dem Zwang des Schrift- Wortes nicht genug Rechnung trage; hätte er diesen Gesichtspunkt, auf den ich ihn gesprächsweise hingewiesen hatte, energisch durchgeführt, so hätte er erkannt, daß es der ganzen seltsamen Annahme einer antitheologischen Schrifterklärung nicht bedarf. Bedeutet in der Paradieserzählung der Mann den Verstand, die Frau die Wahr-; nehmung, so muß der Erklärer, der ihr folgt, zu 2lg (עזר. כנגדו) 1 Vgl. den sofort zu besprechenden Index Leisegangs unter 07cdooqt<;. 2 Ich konnte den Aushängebogen von Leisegangs Index, der und rftoz enthält, dank der Freundlichkeit des Verf. benutzen..