Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 431 (sequence 7)
- Language
- German
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431 Das Hauptanliegen einer kleinen Schrift Edmund Steins1, das aus der Fassung des Themas nicht ganz deutlich wird, ist die schärfere Herausarbeitung der jüdischen Quellen Phiions. Mittelbar dienen dieser Aufgabe die Auseinandersetzungen über das innere Verhältnis der palästinischen Allegorese (so nennt St. die Um- Schreibungen anthropomorphistischer Stellen) zu derjenigen der Diaspora, zumal er S. 15 ff. einen erheblichen Einfluß der Agada auf das hellenisierte Judentum annimmt, ohne freilich im einzelnen Fall das AbhängigkeitsVerhältnis genau bestimmen zu wollen; ferner versucht er, das Verhältnis der uns erhaltenen Vorgänger Phiions, zu denen er auch Aristobul rechnet, zur phiionischen Allegorese genauer zu fassen. Hauptsächlich kommt es ihm aber darauf an, einen Gedanken W. Boussets über die alexandrinischen Allegoristenschulen zu berichtigen und weiterzuführen. Bousset hatte bekanntlich angenommen2, es habe zwei entgegengesetzte Riehtungen der Allegoristik gegeben: die der ,,Ethiker“ und die der ,,Physiker“; letztere seien nur naturwissenschaftlich interessiert, durchaus untheologisch gesinnt; Philon gebe aber beiden Richtungen das Wort; daraus ergeben sich Widersprüche, die uns die Scheidung der Quellen ermöglichen. Grundsätzlich mit Bousset in der Annahme einer ,,untheologischen“ Quelle Phiions einig, sucht St. ein weniger subjektives Merkmal für die Quellenscheidung und findet es in der verschiedenen Stellung beider Richtungen zur An- Wendung hebräischer Etymologien. Er schickt den eingehenden Nachweis voraus, daß Philon nicht Hebräisch verstanden hat, daß also die hebräischen Etymologien, die er anführt, von Vorgängern übernommen sein müssen. Nach einer kurzen Untersuchung der Allegoristik der Therapeuten und Essäer erklärt er nun, hebräische Etymologien fänden sich lediglich bei den Vertretern der ethischen Deutung, nie bei der untheologischen Richtung; denn die ,,Liberalen“, wie sie St. mit Vorbehalt nennt, ,,deren Ethik einen weltlichen Charakter hatte“; waren bereits derart ,,assimiliert“, daß sie nicht mehr Hebräisch konnten. Das gesuchte objektive Merkmal zur Unterscheidung der beiden Quellen Phiions liefert also die Beobachtung, ob sie hebräische Etymologien verwenden: wo solche benutzt sind, redet die ethischtheologische Quelle, wo auf sie verzichtet wird, die physische. Abschließend wird gezeigt, wie viele Bestandteile der Lebensanschauung Phiions mit hebräischen Etymologien unlöslich verknüpft sind, also der ethischen Quelle entnommen sein müssen. Die allgemeinen Ausführungen des Vf. über das Wesen der griechischen Allegoristik und über ihr Verhältnis zur jüdischen scheinen mir reichlich unscharf. Behauptungen wie diese, die Allegorie sei nur ein Kind der Gewissensnot3 (6), die wissenschaftliche Ethik der Griechen habe mit der Religion wenig gemein4 (3 f), die 1 Die allegorische Exegese des Philo aus Alexandreia. Beihefte zur Zeitschrift für die Alttestarnentliche Wissenschaft 51. Gießen, Töpelmann,1929, 61 S. 2 Jüdisch-christlicher Schulbetrieb in Alexandreia und in Rom. Göttingen 1915. 3 Zur Ergänzung vgl. Heinemann, Schriften der jüd.-hell. Literatur III 3 ff. 4 Stein beruft sich zum Beweis auf Cicero De officiis; wie isoliert aber Ciceros Hauptquelle, Panaitios, mit ihrer rein profanen Begründung der Ethik