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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 430

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 430 (sequence 6)
Language
German
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430 Priester mit Leichenresten nicht in Berührung kommen; und wenn die Juden am Sabbat nicht marschieren wollten, so hat Scipio gar eine Marschruhe von 30 Tagen mitten im Feldzug angeordnet, weil zu jener Zeit das Kollegium der Salier, dem er angehörte, seine Tänze aufführte: Dessau 715 ff. Woran lag es nun, daß Sabbat und Speisegesetze ganz zweifellos die Kritik und den Hohn der Heiden herausforderten? Dessau meint im Text, weil die Juden Ethisches und Kultisches auf eine Linie stellten, fügt aber unter dem Strich (716, 1) hinzu, daß das gleiche nicht nur von den Persern, sondern anscheinend vom homo sapiens im allgemeinen gilt; auch hierin liegt also kein unterscheidendes Moment. Die Ursache der Abneigung ist vielmehr, wie ich an anderer Stelle1 gezeigt zu haben glaube, aus dem ganz analogen Verhalten des Heidentums zu dem Christentum zu erkennen, dem man z. B. das Verbot des Opferfleisches bitter übel nahm; die Weigerung der Juden und Christen, fremde Tempel zu besuchen und Mischehen einzugehen, führte zu tiefgehender Verstimmung, die in allem, was nach Absonderung aussah, bestenfalls Hochmut, in der Regel aber wilde Menschenfeindschaft witterte. Daher mag Dessau 726, 1 Recht haben, daß auch die strenge sexuelle Moral der Juden (gleiches gilt von den Christen) abfällig gedeutet wurde, wiewohl doch ein Mann wie Musonios hinter ihnen nicht zurückstand; es läßt sich zeigen, daß man auch sie auf Menschenhaß zurückführte2. Neben Dessaus großer Arbeit kann das kleine Schriftchen von H. J. Bell, Juden und Griechen im römischen Alexandria3, nur geringere Aufmerksamkeit beanspruchen. Der Verfasser ist ein hervorragender Papyrusforscher und der erste Herausgeber des bekannten Briefes des Kaisers Claudius an die Juden. Er möchte weniger unsere Kenntnis der alexandrisch-jüdischen Geschichte fördern als ,,eine bequeme und lesbare Darstellung des schon Bekannten geben'‘. Das geschieht aber mit so überlegener Beherrschung des weitverstreuten Stoffes, mit solcher Unbefangenheit des Urteils und solcher Behutsamkeit in der Entscheidung zweifelhafter Fragen, daß man das Büchlein insbesondere dem Nichtfachmann, zumal wenn er sich an ein paar Anglizismen nicht stößt, zur Einführung empfehlen kann, wiewohl natürlich inzwischen manche Einzelheit in anderem Sinne geklärt worden ist. Wenn Bell Philon nicht mit Willrich und anderen für einen gehässigen Tendenzschriftsteller, aber allerdings für einen ,,Historiker von Zufalls Gnaden“ hält, dessen Angaben in bezug auf ihre Genauigkeit immer stark nachgeprüft werden müssen, so entspricht das durchaus meiner Auffassung4. Wir wenden uns jetzt zu den Schriften über den philosophischen Hellenismus. 1 In meinem Artikel ,,Antisemitismus“ Pauly-Kroll, Realenz. der klass. Altertumsw. Suppl. V 42 ff. (s. 0. S. 421 f.). 2 Näheres a. a. O. 3 Leipzig, Hinrichs, 1926, 52 mit einer Textabbildung und zwei ך afelm geheftet Mk. 2,40. 4 A. a. O. S* 9 und ,,Phiions griechische und jüdische Bildung“ I, S. 41 f

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