Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 7
- Article
- Hellenistica [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 428 (sequence 4)
- Language
- German
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428 In Hermann Dessaus groß angelegter Geschichte der römischen Kaiserzeit1 kommt für uns vor allem das Kapitel 9, ,,Aegypten“, in Betracht; aber auch der Abschnitt 10, ״Judäa und die Juden“, wirft auf das Schicksal und die Eigenart des Diaspora- Judentums helles Licht, zumal der Verfasser ’bis auf das erste mittelbare Zusammentreffen zwischen Juden und Römern in den Tagen des Antiochos' Epiphanes zurückgreift. Liegt auch das Schwergewicht der Arbeit im Gegensatz zu den bekannten Darstellungen der Theologen auf'dem Gebiete der äußeren Politik und des Staatsrechtlichen, so versucht doch Dessau, auch den geistigen Strömungen im Mutterland wie in der Diaspora gerecht zu werden. Es ist dankbar zu begrüßen, daß hier die Geschichte der Juden im römischen Reiche einen Darsteller gefunden hat, der in der Beherrschung des weitverzweigten Quellenmaterials einschließlich der Inschriften und Papyri hinter Forschern wie Wilcken und Eduard Meyer nicht zurücksteht, sie aber an Kenntnis des jüdischen Schrifttums entschieden übertrifft. Ueberdies kennzeichnet sich das Bild, das manche Vertreter der Altertumswissenschaft von dieser Zeit der jüdischen Geschichte entworfen haben, leider nicht selten als Reflex einer Abneigung gegen das Judentum, deren politische .Wurzeln leicht sichtbar werden. Natürlich wendet auch Dessau auf die jüdische Ueberlieferung die Grundsätze historischer und sachlicher Kritik durchweg mit voller Unbefangenheit an; aber er weist nicht selten, zumal in Anmerkungen, Entstellungen und Uebertreibuiigen einseitiger Darsteller in die Schranken. Dies gilt nicht nur von der Darstellung mancher Persönlichkeiten, wie des Antiochos Epiphanes, den Dessau, natürlich nach unparteiischen Quellen, als ,,rechten Römeraffen“ zeichnet (S. 737), oder des Apion, den man sehr mit Unrecht zum Hellenen hat machen wollen (662, 1), sondern vor allem von Fragen des Rechtslebens, denen Dessau als Schüler Mommsens besonderes Interesse entgegen bringt. So findet er für die Rechtsstellung der alexandrinisclien Juden eine neue Lösung, die am klarsten S. 673, 2 zum Ausdruck kommt: ״die Juden Alexandriens waren in derselben Lage wie in Tarsos gewisse Gruppen der Stadtbevölkerung, deren Bürgerrecht nicht verbrieft war, die aber keine andere Heimat hatten; nur daß sie im allgemeinen viel länger in Alexandrien lebten, als jene in Tarsos“ und zu erheblichem Teil von den ״selbstherrliehen ptolemäischen Königen“ in der Tat das Bürgerrecht erhalten haben, mögen sie auch zunächst von ihm keinen Gebrauch gemacht und־ die Eintragung in die alexandrinisclien Bürgerlisten versäumt haben (660 L). ״Immerhin wird nur ein Bruchteil der alexandrinischen Juden imstande gewesen sein, ihr Stadtbürgerrecht auf königliche Verleihung zurückzuführen; aber wie viele der sich als Altbürger gebärdenden Alexandriner konnten das wohl?“ (668). Keinesfalls bestand also zwischen den hellenischen und den jüdischen Einwohnern Alexandriens ein derartiger Unterschied in der Rechtsstellung wie man vielfach angenommen hat. — Eine zweite Rechtsfrage 1 Hermann Dessau, Geschichte der römischen Kaiser zeit. II. Band, 2־. Abt.: Die Länder und Völker des Reichs im 1. Jahrhundert der Kaiserzeit. Berlin (Weidmann) 1930.