Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. Seite 426

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 426 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835775--49366-2835823
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

426 auf politische Katastrophen, dann im christlichen Sinne auf das Weltgericht bezogen wurde. Die Grundanschauung, die allein uns hier angeht, ist jedenfalls originell. Sie überbietet selbst den alten Markion, der dem Juden־־ gott, den er zum Erlösergott des Neuen Testaments in Gegensatz stellte, den Demiurgen Platons zu freundlicher Gesellschaft gab. Aber mit welchen Mitteln ist das Ergebnis gewonnen? Vergleicht man Z.s Beurteilung des inneren Verhältnisses zwischen Hellenentum und Christentum mit den ganz abweichenden Urteilen anderer Gelehrter, so ergibt sich, daß er diese nicht etwa überwindet, sondern vor offenkundigen Tatsachen die Augen schließt. Die ungeheuren Unterschiede der Religionsauffassung, die zu den bitteren Urteilen der Kirchenväter über das Heidentum einerseits, zu den Vorwürfen der d9s<Pnjc und ävoounrf, gegen die Christen andererseits führten, schiebt er mit nichtssagenden Bemerkungen über Monotheismus und Polytheismus beiseite. Und der tiefgehende Gegensatz in Lebensstimmung und Lebenshaltung, in der Stellung zu Wissenschaft und Kunst, den neuerdings W. F. Otto in mehreren Schriften vielleicht überscharf, aber doch gelehrt und geistvoll beleuchtet hat, um die ,,Einzigartigkeit" der griechischen Religion und ihren Gegensatz zum Christentum zu erweisen und kulturgeschichtlich zu erläutern. — das alles liegt jenseits des Blickfelds Zielinskis. Der Eindruck der Nähe griechischen und christlichen Wesens wird nicht durch Hinweis auf die wesentlichen Züge der griechischen Kultur und den Nachweis ihrer Fortwirkung erweckt, sondern durch die naive Gleichsetzung der ,,heidnischen" Religion mit der griechischrömischen (10), die doch nur eine und durchaus nicht die mächtigste Komponente im hellenistischen Synkretismus darstellt. Unter dieser Voraussetzung kann natürlich die Verbreitung des Christentums auf heidnischem Boden als Beweis seiner besonderen Verwandtschaft mit dem Griechentum gelten, während in Wahrheit die Vorstellungen von Göttermüttern und Göttersöhnen dem orientalischen Heidentum nicht minder geläufig sind als dem griechischen1 und das junge Christentum in den von der orientalischen, zumal jüdischen Propaganda ergriffenen Gemeinden weit mehr Zuspruch fand als in den Hochburgen hellenischer Wissenschaft. Wäre, wie Z. zusammenfassend erklärt (125), die ,,antike Religion" das wahre Alte Testament des Christentums, so käme in ihm den Mysterien des Mithras, des Attis und der Isis ein erheblich breiterer Raum zu als Homer oder Platon. Endlich wird der Abstand des Christentums vom Judentum und seine größere Annäherung an den Hellenismus vorwiegend durch vorgebliche argumenta ex silentio erwiesen, die in Wahrheit argumenta ex ignorantia sind. Z. hat zwar einiges vom biblischen und auch vom nachbiblischen Judentum gehört; seltsamerweise findet aber seine Kenntnis überall da ihre Grenze, wo sie seine vorgefaßte Meinung bedroht. Er weiß, daß das Judentum nicht von der Mutter des Messias״ redet (wenn man von der messianisch ge- 1 Vgl. Nielsen, Der drei einige Gott in religionshistorischer ]Beleuchtung.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.