Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 7 · p. 425

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 7
Article
Hellenistica [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
425 (sequence 1)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829966-2835775--49365-2835822
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Hellenistica. Von L Heinemann in Breslau. Ich möchte im Folgenden einige neuere Arbeiten zur Geschichte und zum philosophischen Schrifttum des jüdischen Hellenismus anzeigen. Einleitend möchte ich .jedoch einen Blick auf eine Schrift werfen, welche die in der Philosophie des jüdischen Hellenismus zusammenwirkenden Geistesmächte in neuem Lichte darzustellen sucht. Thaddäus Zielinski, ein führender Vertreter der Altertumswissenschaft, versucht in einem kleinen, gemeinverständlich geschriebenen Schriftchen1 den Nachweis, daß nicht das Judentum, sondern das Griechentum die Wurzel des Christentums ist. Sein Gedankengang ist folgender: Schon die Tatsache, daß das Christentum bei den Heiden fnichtbareren Boden gefunden hat als bei den Juden, beweist, daß erstere besser für seine Botschaft vorbereitet waren. In der Tat ist der Unterschied zwischen Monotheismus und Polytheismus nicht wesentlieh; ,,la question de l'unite ou de la pluralite du divin est tout aussi naive, que serait celle de la couleur blonde ou brune de ses cheveux“ (S. 12). Ebensowenig macht die Verwendung von Bildern einen Unterschied; denn der gebildete Athener stand zur Athene Polias nicht anders als der gebildete Katholik zur Mutter Gottes von Lourdes. In beiden Punkten steht vielmehr der ,,eigensinnige Monotheismus(C des Judentums und seine Kunstfeindschaft im Gegensatz zu Griechentum und Christentum. Aber auch in ihren Lehren gehören beide zusammen. Denn 1. beide glauben an eine enge Verbindung von Gott und Mensch, wie die Lehre von Gottessöhnen beweist, während das Judentum zwischen Gott und Mensch keine Verbindung anerkennt; 2. beide kennen die Verehrung von Gottesmüttern, während das Judentum von der Mutter des Messias nichts weiß; 3. beide kennen den Begriff heiliger Uebermenschen, während im Judentum niemand heilig ist außer Gott; 4. der für das Christentum hochbedeutende Begriff der Gottesliebe hat sich im Griechentum mehr und mehr vorgeschoben, während er im Judentum hinter dem der Gottesfurcht stark zurücktritt; 5. die Vorstellungen von jenseitiger Belohnung und Bestrafung, die das Christentum unmittelbar aus dem Judentum übernahm, sind in dieses nicht aus dem Parsismus, sondern aus dem Griechentum eingedrungen. Diese Nachweise füllen den ersten Teil des Buches. Der folgende Abschnitt zeigt eingehend, wie die Religionen von Delphi und Eleusis in Rom und in den Diadochenreichen Fuß faßten; der dritte weist nach, wie die alte Prophezeiung der Sibylle von Weitende und Welterneuerung seit dem zweiten vorchristlichen Jahrhundert zunächst 1Th. Z i e 1 i n s k i, La Sibylle, trois essais sur la religion antique et le christianisme. Paris, Rieder & Cie., 1924:, 127 S. Monatsschrift, 73* Jahrgang, 28

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.