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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 416

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
[Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 416 (sequence 3)
Language
German
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416 Im ersten Teil des Buches analysiert der Verfasser 5 ,,Stiltypen“ eingehender. Ich bemerke hierbei ausdrücklich, daß er in diesem Teil immer nur von ״Stiltypen“, nicht aber von Rassen spricht. Erst im zweiten Teil, der einige theoretische Grundfragen der seelenkundlichen Anthropologie herauszuarbeiten sucht, begegnet uns der Ausdruck ,,Rasse“ häufiger, wobei die Frage nicht völlig geklärt erscheint, ob beide Begriffe — Stiltypus und Rasse — sich vollkommen decken. Der erste Typus ist der Leistungstypus (n ordis c h), so genannt, weil seine Vertreter ganz auf die Leistung unter eigener Verantwortung eingestellt sind, weil sie nicht ruhen können, ohne ihr Bestes zu tun; immer bleiben sie Herren, die auch im Dienen frei sind, immer ,,Meister ihrer Werktagspflichten“.■ An zweiter Stelle steht der Darbietu.ngstyp (mittelländisch): die Sorge um die eigene Erscheinung, die Sorge um den Eindruck auf den eigenen Beschauer bilden hier zentrales Erlebnis; Darbietung bedeutet dabei nicht ein Spiel mit leeren Formen, bloßen Schein — ,,der Beschauer soll an dem, was ihm geboten wird, etwas haben, er soll darin einen wirklichen Wert empfangen“. Der Berufungstypus (wüstenländisch) kann ״nur aus dem Unbewußten völlig echt“ sein, in ihm ist keine Pose, sein Antlitz ist immer bereit, ,,von innen her durchglüht, ja durchlodert zu werden“. ״Diese Menschen leben in dem wechselnden Antrieb, der aus ihrem Inneren springt und sich nicht in einem Urteil festigt und behauptet. Sie sind Kinder des Augenblicks, der sie überkommt mit Großem und Geringem.“ ״Ein gelassenes Hinhorchen scheint alles Erlebnis dieser Menschen im Grunde zu begleiten ..... ein Hinhorchen auf den kommenden Augenblick, der von innen aufspringt und auf das, was er bringt: auf das im Erleben Wechselnde also, das sich niemals gleichbleibt. . . . Wo ein schöpferischer Funke lebt in einer Seele solchen Stiles, da wird ihr Hinhorchen zu einem Lauschen auf die göttliche Berufung werden, und das vollkommenste Leben eines solchen Menschen wird das eines Gottgesandten sein.“ Der Erlösungstypus (vorderasiatisch) ist dadurch ausgezeichnet, daß seine Träger nach tiefem Wissen streben, und daß sie sich von der Welt, vom ״Fleisch“ freizumachen streben; ihr Ziel ist reine Vergeistigung, die ״allem triebhaft Leibliehen feind und darnach ringt, es abzutun oder es umzudeuten in Geistiges.“ ״Nichts ist einfach für die Menschen dieser Art, nichts aus erster Hand, nichts triebhaft selbstverständlich, und darum können sie nur schwer aus erster Hand vertrauen. Sie vertrauen dann erst wahrhaft, wenn sie wissen, daß der andere mit ihnen zusammengeschlossen ist in einer Gemeinschaft, daß er sich einer gleichen Satzung, einem gleichen Bekenntnis unterworfen hat wie sie.“ Ruhe findet dieser Menschentyp in erster Linie in der Familie. Diesen Menschen wird alles zum Problem, was sie geistig anfassen. Und endlich der Enthebungstypus (turanisch); dieser Mensch erledigt die Arbeit des Alltags getreulich, er ist mit ihr wie mit Menschen und Dingen vertraut, aber an irdischen Sorgen haftet er kaum mehr. ״Das Leben als einen Kampf zu denken, in dem es hart auf hart geht, und gar diesen Kampf zu lieben —־ all solches Verhalten ist dem Wesen dieser Menschen fremd. Das bedeutet aber nicht, daß sie aller ״Welt“, allem ״Fleische“ sich zu entringen strebten, um sich in seinen Geist zu verwandeln: ihr Sinnen wendet sich von der mangelhaften Ordnung alles Irdischen ab und einer höheren, überirdischen (dieser Mann sagt vielleicht: einer himmlischen) Ordnung zu, die jeder Störung des wohligen Einklanges enthoben wäre.“ Diese Menschen sehen ihre Bestimmung in der ״Demut des Dienens“, Anspruch auf Herrschaft und Herrentum ist ihnen fremd, sie wollen im Dienen Glück erleben und Glück spenden. Ueberblickt man die Ausführungen und das reiche Bildmaterial, so drängt sich einem ein Gedanke auf: unter allen Typen mit Ausnahme des nordischen finden sich Juden, und ebenso finden sich unter den anderen Typen Angehörige deutscher Stämme bzw. Deutsche mit starkem erlösungs- und enthebungstypischem Einschlag. Des weiteren aber weist Giausz darauf hin, daß je nach Beleuchtung, Betrachtung, Erlebnis das betreffende Individuum bald mehr den einen, bald mehr den anderen Stil zu verkörpern scheint. Das zeigt uns aber, daß es ״reine“, d. h. rassen- oder stilreine Individuen kaum gibt, daß die gleiche Stilform, die sich bei Juden findet, auch bei Nichtjuden anzutreffen ist und daß von einem einheitlich jüdischen Stil bzw. einer jüdischen Rasse nicht die Rede sein kann. Stiltypische Prägung, Stilgesetz muß scharf von Einzelanlagen und -fähigkeiten, von Eigenschaften unterschieden werden; diese kommen den

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