Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 417 (sequence 4)
- Language
- German
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417 Individuen zu, und die gleiche Eigenschaft, z. B. Verschlagenheit, findet sich bei Angehörigen der verschiedensten Typen. Durch ihre Eigenschaften kann man die Typen und Rassen nie unterscheiden. ,,Die Unterschiede der Rassen sind Unterschiede des Stiles, nicht der Eigenschaften. Man kann gut und schlecht, edel und gemein, zart und roh, gescheit und dumm, begabt zum Staatsmann, zum Kaufmann, zum Priester, zum Tonkünstler sein auf nordisch, auf mittelländisch, auf vorderasiatisch usw.: nicht der Besitz dieser oder jener Eigenschaft, nicht der Besitz oder Grad dieser oder jener Begabung macht das rassische Wesen einer Seele aus, sondern der Stil, der sich in diesen Eigenschaften und Begabungen auswirkt, falls sie im einzelnen Individuum vorhanden sind.“ Die Ablehnung dieser Art der Betrachtung, wie sie bisher vorzugsweise geübt wurde, bedeutet aber zugleich eine Ablehnung der verschiedenen Wertigkeit der verschiedenen Rassen. Es gibt, so hebt Verf. ausdrücklich hervor (S. 95) nicht nur eine Kultur, sondern deren viele; die verschiedenen Kulturen unterscheiden sich ganz wesentlich, weil sie ganz verschieden strukturierten Menschen entstammen. Jede Rasse ist kulturfähig und kulturbegabt, freilich nicht für jede Kultur, sondern nur für die ihr adäquate. Es geht nicht an, eine Kultur zum Maßstab aller anderen zu machen, wie dies noch immer geschieht, sondern man muß die Eigen gesetzlichkeit und das Eigenrecht jeder Kultur anerkennen. Was macht nun aber das Spezifisch-Jüdische aus? Ein und derselbe Zug kann einmal jüdisch wirken, ein andermal nicht. Jüdisch ist kein Rassenmerkmal, sondern Ausdrucksprägung, wie sie ein Mensch ״nicht nur aus seiner Volks- und Stammesgeschichte und -erziehung, sondern auch aus der ihn erziehenden Geschichte anderer Gemeinschaften, denen er angehört und aus seiner einzelmenschlichen Geschichte; ganz allgemein gesagt: aus allem, was ihm zum Schicksal werden kann“, erfährt (S. 90). Das, was wir heute als jüdisch bezeichnen, ist im wesentlichen Ergebnis des Galuth, es ist ,,ursprünglich eine Antwort des Erlösungsmenschen auf das äußere Schicksal der Zerstreuung und auf die Gefahr, hineinzuwachsen und aufzugehen in der umgebenden fremden Welt“ (S. 86), und wie die Geschichte des Galuth nicht überall die gleiche war, so sind auch verschiedene jüdische Ausdrucksprägungen entstanden. Dabei ergibt sich ein Zwiespalt: der zwischen dem Stiltypus und der umgebenden Welt; wo diese dem Typus nicht adäquat ist und wo er hineingepreßt wird in ihm fremde Lebensbedingungen, da wird es leicht zu Entartungserscheinungen kommen, die dann nicht dem Typus, der Rasse als solcher zugeschrieben werden dürfen. Man wird gegen die Methode des Verfassers gewiß manchen Einwand machen können — wie gegen die ,,Wesenschau“ und ,,Typenkonstruktion“ überhaupt. Es ist hier nicht der Ort, diesen methodischen Fragen nachzugehen; man wird auch manches, was den Juden betrifft, anders sehen können, wenn auch besonders mit dem, was er als ״Erlösungstypus“ bezeichnet, etwas durchaus Richtiges erfaßt zu sein scheint. Vor allem wird man zugeben müssen, daß die Unterschiede zwischen Juden und Nichtjuden nie und nimmer in dem Vorhandensein oder Fehlen bestimmter Eigenschaften gelegen sein können, sondern allenfalls in irgendwelchen Grundformen des Erlebens — den ״Rhythmus des Erlebens“ habe ich selbst es an anderer Stelle genannt. Anerkannt werden muß vor allem das Bemühen des Verfassers um Objektivität, womit er von aller politisch-tendenziös gefärbten Rasseforschung sich weit entfernt. Anschließend an das eben besprochene Buch von Clausz sei auf die (im Verlage Niels Kampmann, Heidelberg erschienene) Schrift des gleichen Verfassers ,,Fremde Schönheit“ hingewiesen. Hier sucht der Verfasser zu zeigen, daß Schönheit für jeden Typus etwas anderes bedeutet, Vollkommenheit der den Typus bestimmenden Eigentümlichkeiten. Die Schrift wendet sich an weitere Kreise und gibt eine allgemeinverständliche Darstellung der Glauszschen Untersuchungen. Gießen-Mainz. Erich Stern. Baruch Krupnik und Dr. A. M. Silbermaun: Handwörterbuch zu Talmud, Midrasch und Targum mit Belegen aus den Quellen. Hebräisch, Deutsch- Englisch. London 1927. Shapiro, Valientine & Co. Band.I: XVI und 462 S. Band II: VIII und 440 S. 4°. Preis 42.— Rm. (Auch hebr. und englischem Titelblatt.)