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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 412

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 412 (sequence 10)
Language
German
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412 selbst in alter Zeit in der siebenten Benediktion eine Verwünschung der hoch־ mütigen Tyrannen? Und Herr Marmorstein kennt ja in den letzten Sätzen seiner Besprechung diese Verwünschung. d) S. 105—106 führe ich die Ansicht M. Libers an, der unter Hinweis auf den Gebrauch im Tempel meint, unsere Formel .wurde von der Gemeinde gesprochen, als der Vorbeter den Gottesnamen aussprach. Dazu bemerkte ich: ,,Liber hat übersehen, daß gegen diese Analogie eine andere vorhanden ist. Beim Fastenritual nämlich wurde בשכמל״ו nicht weniger als 25 mal gesprochen nach Schluß der Benediktion. Wie das Amen, dessen Aequivalent das בשבמל״ו ist, wie in den Quellen ausdrücklich angegeben wird (S. 106). Dies hat Herr Marmorstein übersehen und er bemerkt im Tone einer Offenbarung: ,,Der Gebrauch der Formel am Jom-Kippur wie beim Fasten gibt den Ursprung deutlich genug an. Bei der Aussprache des Tetragrammatons wurde die Formel angewandt“! (S. 250) e) ״Der Hauptbeweis Aptowitzers beruht auf Ps Salomo 15g; dabei übersieht er, daß der Verf. der Psalmen nichts anderes beabsichtigt als die bekannte Benediktion, die im Talmud unter der Bezeichnung בריכת השנים wohlbekannt ist, zu wiederholen. In den ältesten Texten dieser Benediktion, der neunten, wird stets auf Gottes Güte hingewiesen; ich gebe hier nur drei Beispiele: 1. טעמו וראו כי טוב ה' בטל לקרוא שנת רצוץ לי* 11. טובך שבמינו ותברך בטל שנותינו 111. טוב אוצרך תפתח בגשמי רצון Es. wird wohl kein Zufall sein, daß diese alten Texte mit Psalmen Salomos übereinstimmen (S. 250). Zunächst hat hier Herr Marmorstein übersehen, daß Ps. Salem 518 nicht meinen Hauptbeweis bildet. Meine Beweisführung füllt sieben Seiten (97—103) und beruht auf eine Anzahl anderer Texte und Tatsachen. Ps Salom 58נ widme ich am Schlüsse meiner Ausführungen genau 5, sage und schreibe fünf Zeilen. Ich sage: Psalm Sal. ist besonders wichtig, weil an dieser Stelle eine Bitte um Regen mit einer Formel schließt, die an בשכמל״ו an klingt. Was aber die Behauptung des Herrn Marmorstein betrifft, daß Ps Salom 5!g nichts anderes als den Inhalt der neunten Benediktion (ברכת השנים) — die ja übrigens auch im Fastengebete enthalten ist — wiederholen will, so wird ihre ganze Ungeheuerlichkeit sichtbar, wenn man die von ihm als Beweis angeführten Texte in deutscher Uebersetzung dem Text Pseudo- Salomos gegenübersteilt. Ps.-Salomo. Deine Güte komme über Israel in deinem Reich gepriesen sei des Herrn Majestät, denn er ist unser König. Texte Marmorsteins. I. Kostet und sehet, daß gütig ist der Ewige; um Tau und ein Jahr der Gnade flehen wir zum Ewigen. II. Mit deiner Güte sättige uns und segne mit Tau unsere Jahre. III. Den Schatz deiner Güte öffne uns mit Gnadenregen. Die beiden Texte haben also, wie man sieht, nichts mehr gemeinsam als die Erwähnung der Güte Gottes, und dennoch ist — so meint Herr Marmorstein — Ps Sal 518 nichts anderes, als eine Wiederholung der neunten Benediktion! Es ist — meint Herr Marmorstein — kein Zufall, daß diese Texte der neunten Benediktion, in denen stets auf Gottes Güte hingewiesen wird, mit Psalmen Salomos übereinstimmen. Stimmt. Aber woher auf einmal diese Bescheidenheit, diese Genügsamkeit? Ich bin nicht so bescheiden, mich mit diesen drei kurzen Sätzen zu begnügen. Ich gehe noch weiter und behaupte: Alle alten und jungen Texte, in denen auf die Güte Gottes hingewiesen wird, stimmen mit Psalmen Salomos überein. Auch die 18. Benedikt-ion der עמידה und das Tischgebet, in dem die Güte Gottes ganz besonders hervorgehoben wird (erste, besonders aber vierte Benediktion), stimmt mit Ps Sal 5jS überein. Dies ist gewiß ״kein Zufall“, es hat vielmehr seinen Grund darin, daß der Glaube an die Güte Gottes eine Grund ans chauung des Judentums ist. Schon zu Mose sprach Gott: ,,Ich werde meine ganze Güte an deinem An-

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