Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 411 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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411 ... Da sprach Mose: Ich will einen aus dem Stamme Levi erwählen. Gott antwortete: Jawohl! Denn es heißt: Meine Augen sind auf die Treuen im Lande gerichtet, daß sie bei mir wohnen (Ps ibid. 6), so wie du, so dein Stamm,....‘6 Aharon soll die Namen der Israelsöhne tragen (ibid. 2828). Es sprach Gott: Die Namen der Stämme sind mir lieber als der Stamm Levi und der mit dem heiligen Oel gesalbte Hohepriester.“ Daß diese beiden Agadoth wegen ihres Inhaltes nicht rein agadisch sein und sie, da sie auf diametral entgegengesetzten Anschauungen beruhen — in A: Verherrlichung Levis, Beschimpfung der übrigen Stämme; in B: Verherrlichung der Stämme, schwere Beschimpfung Aharons — nicht ein und demselben Autor angehören können, kann für jeden gerade Denkenden auch , nicht einen Augenblick zweifelhaft sein. Daher sagte ich in meinem Buche, daß A hasmon. Dichtung und B antihasmonäische Gegendichtung sei. Hier sei noch folgendes betont: 1. Die beiden Agadoth stehen nicht nebeneinander, ja, nicht einmal in ein und derselben Quelle. 2. Sie beginnen beide mit der Einleitung ,,Gott sprach zu Mose, setze für mich einen Hohepriester ein. Mose fragte: Aus welchem Stamme?“ Es ist also absolut sicher, daß die beiden Agadoth, abgesehen von ihrem verschiedenen Inhalt, schon rein formal zwei verschiedene, abgeschlossene Gebilde sind. Herr Marmorstein aber bringt die Behauptung zuwege (S. 246), daß die Agada B die direkte Fortsetzung von A ist!! 17. ,,Daß die Geschichte der Hasmonäerperiode gewisse Erweiterungen und Entwickelung der messianischen Idee und Lehre verursachte, wird keiner leugnen. Bestritten muß aber werden, daß die agadischen Stellen diese Ein- Wirkung widerspiegeln“ (S. 249). Warum? Dies braucht der Rez. nicht zu sagen, man muß ihm schon aufs Wort glauben. Roma locuta est! Aber äußerst bezeichnend ist die Logik. Daß die hasmon. Parteikämpfe neue messianische Ideen zutage gefördert, wird niemand leugnen. Diese neuen Ideen kennen wir aber aus der Agada. Aber die Widerspiegelung dieser Ideen in der Agada muß bestritten werden!! 18. Daß Taxo ,,Ordner“ bedeutet, weiß jeder Sextaner (in Oesterreich: Tertianer); Giemen bei Kautzsch fügt in seiner Uebersetzung zu Taxo hinzu: d. h. der Ordner; in meinem Buche S. 238׳ f. zeige ich, daß der ״Ordner“ nur aus einer Unordnung im Texte entstanden ist. Aber Herr Marmorstein fragt: dürfte man vielleicht Taxo mit סדר (Ordner) vergleichen? (S. 250) Wirklich, eine wichtige EntdeckungI Und nun noch ein Wort über seine Besprechung meines Aufsatzes בשכמל״ו (s. 250): a) In meinem Aufsatze behandle ich (S. 104 ff.) ausführlich die Theorie Eibogens, daß die fragliche Formel aus liturgischem Bedürfnis entstanden und mache gegen sie mehrere Gründe geltend. Die hat Herr Marmorstein übersehen und macht die Entdeckung: ״Die Einführung einer liturgischen Formel, wie die des בשכמל״ו, kann nicht auf politische, sondern muß auf religiöse Bewegungen zurückgeführt werden“ (S. 250). b) S. 98, 102—103 trage ich meine These scharf und deutlich vor: בשכמל״ו ist als Protest gegen die hasmonäische Usurpation des Königstitels und gegen die sadduzäische Leugnung der Auferstehung entstanden. Die Eulogie wurde zuerst beim Fastengebet während einer Dürre zur Zeit der" Verfolgung der Pharisäer durch Alexander Jannai gesprochen. Dies hat Rez. übersehen, daher fragt er: ״Wen wollte man mit dieser Formel necken? Die Sadduzäer und Hasmonäer? Wann? Am heiligen Versöhnungstage oder während des Fastengottesdienstes?“ (S. 250) c) ״Das wäre doch zu kindisch“ — setzt Rez. fort. Mag sein. Aber wo steht es geschrieben, daß die Gegner der Hasmonäer-Sadduzäer nicht ebenso ״zu kindisch“ sein durften, wie zwei Jahrhunderte später Gamliel II., der — wohl auf Grund eines Synhedrialbeschlusses — in das Achtzehngebet eine Verwünschung der Minim einschaltete? Kennt Herr Marmorstein nicht das — vielleicht von ihm selbst dreimal täglieh gesprochene — Achtzehn gebet? Und enthielt nicht das Fastengebet 27*