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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 409

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 409 (sequence 7)
Language
German
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IRI
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409 der nächsten Umgebung leicht erklärlich. Man muß nicht in die Makkabäer- Periode zurückgehen, um dafür eine Erklärung zu finden. Ich verweise hier nur auf meine Abhandlung: ,,Eine alte liturgische Schwierigkeit“, J, eschurun, XII (1928) 198—211 .. .“x (S. 247). Der Rezensent hat zwei Tatsachen übersehen: 1. Daß von dem Thema jenes Aufsatzes — dem bekannten Streit zwischen Juden und Christen betreffend die Folgen des goldenen Kalbes — in meinem Buche keine Spur vorhanden ist. 2. Daß in jenem Aufsatze •auch nicht einmal der Name Aharon vor kommt. 14. ,,Im selben Geiste sind die Agadoth abgefaßt, die Verf. über Salomo anführt. . . Die Diatribe wiederholt die Schimpfreden der Gnostiker gegen David und seinen Sohn, die wir noch in den Resten gn os ti scher Schriften lesen können1. Der erstere wird wegen Mord und Unzucht, der letztere wegen Vielweiberei ■— zwei der größten Kardinalsünden in den Augen Markions — an den Pranger gestellt. Die fanatischen Pazifisten und die Feinde jedes Geschlechtslebens konnten sich nicht genug entrüsten, um ihren Widerwillen gegen diese Vergehungen der biblischen Persönlichkeiten freien Ausdruck zu geben. Der Gnostiker Schimpfreden wurden von Juden, von gelehrten wie ungelehrten, stets nacherzählt. Prediger zitierten dieselben, manchmal mit Varianten, inanchmal drastisch, um sie zu bestreiten1, soweit es nur anging. Dieser Quelle entstammen die angeblich hasmon.-freundlichen und -feindlichen Wutausbrüche“ (S. 248). Diese mit solch souveräner Sicherheit aus dem Spazierstock gesogenen Angaben erweisen sich deshalb als nicht zutreffend, weil der Rez. folgende Tatsachen übersehen hat: 1. Neben den in der ,,Diatribe“ enthaltenen und in meinem Buche behandelten Angriffen auf biblische Heroen findet sich kein einziges Wort der Bestreitung. 2. Die Reste gnostischer Schriften, in denen wir nach Angabe des Rez. die in der Diatribe enthaltenen und in meinem Buche behandelten Angriffe auf David und Salomo noch lesen können, existieren nicht. Nehmen wir z. B. den Fall David und Abigail, von dem der Rez. auch schon früher ausdrücklich behauptet, er sei ,,eine Verunglimpfung Davids seitens der Gnostiker“ (S. 247). Diese Agada lautet wie folgt: ,,Rabbi Zeira schickte einen seiner Schüler, um einen Vortrag R. Levis über I Sam XXV anzuhören. Der Schüler kehrte zu seinem Lehrer zurück und meinte, er habe nichts Neues erfahren. Darauf bemerkte R. Zeira: ,,Nicht, doch, es gibt hier viel Agada. Was bedeutet: ״So soll dir das nicht zum Anstoß und Fallstrick gereichen“ (I Sam 253)? David wollte mit ihr geschlechtliehen Umgang pflegen. Abigail: ״Du wirst doch dereinst dich an einer Ehefrau vergehen, genügt dir nicht die eine Ehebruchs aff äre, brauchst du solcher zwei?“ David bestand aber auf seiner Forderung. Da zog sie ein Tuch mit Menstruationsblut hervor. David meinte: *,In der Nacht kann man dieses Blut nicht untersuchen.“ Abigail: ״Darf man in der Nacht peinliche Gerichtsbarkeit ausüben?“ David: ״Das Todesurteil Nabals stand schon bei Tageslicht fest. Er ist nämlich ein Empörer gegen den König.“ Abigail: ״Bist du denn schon König?“ David: ״Gewiß, hat mich ja Samuel gesalbt.“ Abigail: ״Wohl hat dich Samuel gesalbt. Aber noch besteht die Münze Sauls, während deine Münze noch nicht in Kurs gesetzt ist.“ Als David dies hörte, kam er zur Besinnung und pries Abigail. ״Gepriesen deine Klugheit und gepriesen du selbst, die mich heute davon zurückhielt, daß ich in Blutschuld geriet (das. V. 38), doppelte Blutschuld, Blutschuld im Verkehr mit einer Menstruierenden und Blutschuld durch Mord.“ Diese — wie viele andere Angriffe auf biblische Heroen — in den Bibeltext hineingetüftelte, sogar mit halachischen Brocken gewürzte, von einem Agadisten des dritten Jahrhunderts vorgetragenen Verunglimpfung Davids können wir nach der Angabe des Herrn Marmorstein noch in Resten gnostischer Schriften lesen! Was aber Salomo betrifft, führe ich nicht, wie der Rez. angibt, Agadoth, sondern eine einzige Agada an, die Angabe nämlich, daß gewisse Per- 1 Von mir gesperrt. Monatsschrift, 73. Jahrgang. 2

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