Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 407 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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407 erlögen, weswegen Hyrkan und die Pharisäer insgesamt sehr entrüstet über ihn waren.“ Ebenso schließt der Bericht im Talmud: Die Gelehrten Israels entfernten sich im Zorn. Dies alles hat der Rezensent übersehen. 10. ,,Warum das Volk so wild gegen das hasmonäische Königtum gewesen sein soll . ... kann ich nicht einsehen“ (S. 246). In erster Reihe möchte ich׳ um konkrete Daten bitten, wer und wo die Rivalen der Hasmonäer oder' die Kronprätendenten waren“ (S. 248). ״ Ich stelle fest, daß in meinem Buche keine Silbe davon vorkommt, daß die Davidi den zu jener Zeit wirklich das Königtum für sich in Anspruch nehmen wollten. Nicht deshalb sagte ich es nicht, weil ich es für ausgeschlossen halte, sondern weil ich dafür keinen Anhaltspunkt gefunden habe. Was in meinem Buche wirklich steht, lautet wie folgt: ״Die Usurpierung der Königskröne durch einen Nichtdavididen war eine Tat, die gegen die Heilige Schrift und gegen die im Volke lebende Tradition verstieß. In der Tat hat das Volk den Hasmonäern diesen Schritt nicht verzeihen können“ (S. 15). Ich hielt dies für so selbstverständlich, daß es mir nicht einfiel, Belege dafür zu suchen. Nachher fand ich aber, daß diese Selbstverständlichkeit von Graetz1 und Jawitz2 und schon früher vom falschen Philo3 * ausgesprochen wurde: ״Nachher kamen die Hasmonäer und rissen an sich die dem Hause Davids gebührende Herrschaft samt dem Hohepriestertum; deswegen entstanden Haß und Neid.“ Und was sagen Zeitgenossen der Hasmonäer? Der Dichter der Psalmen Salomos klagt: ״Du, Herr, hast David erkoren zum König über Israel und hast ihm geschworen über seinen Samen für alle Zeit, daß sein Königtum nicht aufhören solle vor Dir. Aber wegen unserer Sünden erhoben sich Gottlose wider uns, es fielen uns an und stießen uns aus Leute, denen du keine Verheißung gegeben. Sie raubten mit Gewalt und gaben nicht deinem herrlichen Namen die Ehre. Prunkend setzten sie sich die Krone auf in ihrem Stolze, verwüsteten Davids Thron in prahlerischem Uebermut.“ Und was brachte die Gesandtschaft des Volkes an Pompeius vor? Josephus erzählt darüber: ״Denn Hyrkanus und Aristobulos hatten Streit untereinander, und das Volk war mit beiden unzufrieden und wollte sich keiner königlichen Regierung unterwerfen, weil es eine väterliche Gewohnheit bei ihnen sei, den Priestern ihres Gottes, dem sie dienten, untertan zu sein; jene kämen nun zwar aus priesterlichen Geschlechtern her, sie suchten aber dem Volke eine andere Regierungs form zu geben, um ihm das Joch der Knechtschaft aufzubürden.“ Dies alles hat Herr Marmorstein übersehen, daher kann er nicht einsehen. Zur Sache sei hier noch ganz kurz bemerkt: Mi^ der Usurpation der weltlichen Herrschaft durch die Priester hat man sich im Laufe der vier Jahrhunderte abgefunden. Man dachte sich die Priesterherrscliaft als eine Vertretung der zeitweilig sistierten Regierung des Hauses Davids, eine Verwaltung des verwaisten Davidthrones. Die Annahme des Königstitels durch die Hasmonäer mußte als direkter Abfall von Gott angesehen werden. Diese Usurpation des Königtitels war auch eine schwere Verletzung der nationalen Erwartung, wie Graetz richtig erkannt hat. 11. In meinem Buche zeige ich, daß Paulus, der Begründer des Christentums, die Kardinalsätze seiner Christologie und Theologie der antihasmonäischen Politik entnommen hat. Diese Behauptung berührt also ein religions geschiehtliches und kulturhistorisches Problem von größter Wichtigkeit; handelt es sich ja um den Ursprung einer Weltreligion. Ein Rezensent meines Buches muß also notwendig auf diese meine These eingehen, meine Begründung genau prüfen, sie anerkennen oder ihre Haltlosigkeit nachweisen. Hat er aber nicht den Mut, auf dieses heikle Problem einzugehen, so muß er darüber ganz 1 Geschichte 5 III, S- 117- 2 Toledoth Israel IV, S. 185. 3 De Rossi, Meor Enajim, Kap. 32, ed. Ben-Jakob, S. 6a; ספר העתים לידידיה- ,