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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 406

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 406 (sequence 4)
Language
German
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406 herrlicht, geschlagene Feldherren, selbst wenn sie wirkliche Heilige gewesen wären, werden verdammt. Ob die Makkabäerfeldzüge wirklich heilige Kriege waren, wie wir glauben oder gewöhnliche Schlachten um Brot und Land — wie alle Weltkriege; keineswegs wird man die vom Schlachtfelde siegreich heimkehrenden Makkabäer als blutbefleckt des Hohepriestertums unwürdig betrachtet haben“ (S. 245). Zunächst ist es ganz unbegreiflich, wie durch diese Ausführungen meine Behauptung widerlegt werden könnte, daß Kriegshelden nicht gern beim Altar gesehen wurden. Wenn aber Rez. sich auf die Geschichte beruft, um aus ihr Tatsachen anzuführen,' die mit meiner These nichts zu tun haben, so brauche ich bloß auf die jüngste Vergangenheit zu verweisen, auf den letzten Weltkrieg, der meine These direkt bestätigt. Daß dieser völkermordende Krieg ein Ausfluß des Pazifismus war, wird auch Herr Marmorstein nicht zu behaupten wagen; aber in manchen kriegführenden Staaten waren Geistliehe und Rabbiner vom eigentlichen Felddienst befreit 1! Schwerer ins Gewicht fällt es, daß Rez. zwei wichtige Stellen meines Buches übersehen hat. a) S. 5 f.: ״Auch die weltliche Kriegführung Jonathans und Simons konnte nicht jene Stimmung erzeugt haben, haben ja auch die großen Nationalhelden Saul und David keine religiösen Kriege geführt, sondern für die politische Freiheit und Unabhängigkeit Israels gekämpft. Wäre es einem Assidäer je eingefallen, jene Männer deshalb zu tadeln oder geringzuschätzen? Folglich muß die Ursache jener feindseligen Stimmung gegen Jonathan und Simon anderswo gesucht werden.“ Ich selbst also weise die Erklärung der feindseligen Stimmung gegen Jonathan und Simon aus Pazifismus zurück. b) Als Parallele zu der Anschauung der Frommen, daß Kriegshelden, mögen sie noch so bedeutend sein, mit dem Opferdienst nichts zu tun haben dürfen, führe ich folgende Bibelstelle an: ״Da sprach David zu Salomo: Mein Sohnl Ich selbst hatte mir vorgenommen, dem Namen Gottes, meines Herrn, einen Tempel zu bauen. Es erging jedoch das Wort Gottes an mich folgendermaßen: Du hast Blut in Menge vergossen und große Kriege geführt, du darfst meinem Namen kein Haus bauen, weil du vor meinem Angesicht viel Blut zur Erde vergossen hast. Aber es wird dir ein Sohn geboren werden, der wird ein Mann der Ruhe sein, und ich will ihm Ruhe schaffen vor allen seinen Feinden ringsum. Denn er wird Salomo heißen, und Frieden und Ruhe will ich Israel unter seiner Regierung verleihen. Der soll meinem Namen einen Tempel bauen“ (I Ghr 22e10־). Wenn — schloß ich im Sinne der Assidäer — David der Kriegsheld vom Tempelbau ausgeschlossen war, um so mehr ein kriegführender Priester vom Altar. Angesichts dieser Bibelstelle, die doch für die Assidäer maßgebend sein mußte, hätte Herr Marmorstein nicht mit Pazifismus und Verherrlichung teufelhafter Kriegshelden kommen können. Er hat aber diese Stellen in meinem Buche übersehen. 3. Das Gerücht, daß die Mutter Johann Hyrkans zur Zeit der Religions- Verfolgung in griechischer Gefangenschaft war, wird von Josephus als ״erlogen“ bezeichnet. Ebenso heißt es im Parallelbericht im Babli: Die Sache wurde aber untersucht und nicht als richtig befunden. Ich fügte dem noch hinzu, daß dieses Gerücht deshalb als erlogen gelten muß, weil es erst fünfzig bis sechzig Jahre nach dem angeblichen Ereignis auftauchte (S. 15). Dies alles hat Herr Marmorstein übersehen und er fragt zweimal: ״Warum sollte die Beschuldigung gegen Hyrkans Mutter eine Dichtung sein?“ (S. 248).;,Warum die pharisäische Beschuldigung nicht wahr gewesen sein kann, ist nicht einzusehen“ (S. 246). Die letztere Frage aber beruht abermals auf ein Uebersehen; denn ich zeigte, daß das Gerücht nicht von den Pharisäern, sondern von den von mir sogenannten Altsadduzäern ausging. Ich sage wörtlich: ״Es gab aber Leute, die den Hasmonäern aus persönlichen Gründen feindlich gesinnt waren, Angehörige jener Geschlechter, aus denen vorher die Hohepriester genommen wurden. Diese, im Innern durchaus nicht pharisäisch gesinnt, schlossen sich aus Haß gegen die Hasmonäer den Pharisäern an und wollten den Unwillen des Volkes gegen Hyrkan für ihre Zwecke benützen. Aus ihren Kreisen stammte die Verleumdung betreffend die Mutter Hyrkans, daß sie eine Kriegsgefangene war“ (S. 15). Uebrigens heißt es auch bei Josephus: ״Es war aber diese Rede

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