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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 405

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 405 (sequence 3)
Language
German
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405 beschenkt wird. Dagegen wird, in scharfem Gegensätze zur Bibel., in den Testamenten der zwölf Patriarchen und im Buche der Jubiläen die Sünde Rubens verschwindend klein gemacht und die Tat Judas zu einem ungeheueren Verbrechen aufgebauscht. Dies erkläre ich aus dem Bestreben der sadduzäischhasmonätschen Politiker, die Usurpation des Königtums seitens der Hasmonäer auch noch damit zu rechtfertigen, daß Juda wegen seiner ,,scheußlichen Tat“ das Königtum verloren hat. Herr Marmorstein aber bemerkt dazu: ,,Die Verschiedenheit in. der Behandlung der Sünden Reubens und Judas in den verschiedenen Schriften ist wohl im Bibeltexte begründet, aber nicht parteipolitisch zu deuten“ (S. 249). Der Rezensent hat also mein sechstes Kapitel entweder ganz übersehen oder arg •mißverstanden, oder er meint: Wenn A. behauptet 2x2 4 und B. darauf besteht, daß 2x2 — 3, so ist diese Verschiedenheit im Einmaleins begründet! 5. Das. siebente Kapitel meines Buches enthält einen acht Seiten starken Abschnitt: Der Messias aus Levi und Juda. Ich führe aus, daß die hasmonäischen Politiker die Usurpation des Königtums seitens der Hasmonäer damit zu rechtfertigen suchten, daß die Hasmonäer mütterlicherseits aus Juda stammten. Diesen Rechtsanspruch übertrugen, sie auch auf den Messias, der väterlicherseits aus Levi, mütterlicherseits aus Juda stammt, oder, wie es in Schechters Zadokitischen Fragmenten heißt, aus Aharon (= Levi) und Israel (= Juda, das damalige Israel). Im folgenden Abschnitte (S. 96 ff.) zeige ich, daß diese Abstammung von den beiden Stämmen Levi und Juda bei Elia vorausgesetzt wurde, der nach hasmonäischer Messianologie identisch ist mit Pinchas, also väterlicherseits von Levi, mütterlicherseits von Juda stammt. Herr Marmorstein aber fragt: ,,Ferner, die Priesterpartei erwartet doch den Messias aus dem Stamme Levis und Aharons?“ (S. 249). Man' merke wohl aus Levi und Aharon! 6. Im siebenten Kapitel meines Buches, Abschnitt : Die Thora in messianischer und eschatologischer Zeit usw. (S. 116—123) wird gezeigt, daß es im rabbinischen Schrifttume in bezug auf die Geltung der Thora in eschatologischer Zeit zwei Richtungen gibt: Nach der einen wird die Thora, auch in jener Zeit in voller Geltung bleiben, nach der anderen werden die Gebote, die ein Erziehungsmittel sind, in eschatologischer Zeit, wo es keine Sünde geben und daher auch keine Erziehung nötig sein wird, ganz oder teilweise aufhören. Es heißt wörtlich: ״Daß in messia nischer Zeit (לימות המשיח) die Thora ihre volle Geltung behalten wird, ist aus den offiziellen rabbinischen Quellen g e י s i c h e r t (S. 116). Wir begegnen aber an einigen Stellen des rabbinischen Schrifttums der Ansicht, daß in Zukunft (לעתיד לבא) oder in der ״kommenden Welt“ (לעולם הבא) die Gebote im allgemeinen oder zum Teil außer Geltung gesetzt werden sollen“ (S. 117). Zum Schlüsse dieser meiner Ausführung heißt es (S. 122): ״Jetzt begreifen wir es auch, warum der saddiizäisch-hasmonäische Politiker im Buche der Jubiläen so oft und mit so viel Emphase die ewige Gültigkeit der mosaischen Gesetze betont.“ Diesen Satz bemerkt Herr Marmorstein und fragt ironisch triumphierend.: ״Nur das Jubiläenbuch behauptet die Ewigkeit des Gesetzes. So?“ Die vorhergehenden sechs Seiten hat er übersehen (S. 250). 7. ״Auszusetzen ist nur seine Behandlung des Josephus und der agadischen Stellen, über die dasselbe gilt, was wir zum ersten Kapitel bemerkten. Wo es in seine Theorie paßt, akzeptiert er Josephus — wo nicht* verwirft er ihn.“ (S. 246). Der Rezensent hat übersehen, daß die erste Forderung für eine wissen« schaftliche Untersuchung kritische Prüfung der Quellen ist. 8. ״Hier werden auch eine Menge Rätsel aufgedeckt. Ihre Lösung soll die Parteipolitik der Hasmonäerzeit geben. Den einzigen Beweis für letztere liefert die entschieden feindselige Stimmung des II. Makkabäer-Buches gegen Jonathan und Simon. Der Grund der Unzufriedenheit lag in der Hohepriester^־ würde der Makkabäer. Männer, die so viele Jahre auf dem Schlachtfelde zugebracht haben, seien dieses Amtes nicht würdig. Darüber steht allerdings keine Silbe in den Quellen. Ist es denkbar, daß die Bevölkerung nach diesen Errungenschaften und Siegen so pazifistisch gedacht haben sollte? Das wäre undankbar und widernatürlich. Die Geschichte lehrt das Gegenteil. .Sieg■? reiche Generale, selbst wenn sie grausame Teufel gewesen sind״ werden ver-

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