Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 404

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Erwiderung [Nachricht] / Aptowitzer, Viktor
Date
1929-01-01
Page
Seite 404 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
correspondence
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2829132-2829959-2829965--49324-2835740
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

1 entity mentions

404 zeitgenössischem Hintergrund erklärt werden können, so habe ich einen neuen Weg zur Lösung dieser Rätsel gesucht. Ich gelangte bei dieser Suche zur Parteipolitik der Hasmonäerzeit: Verunglimpfungen Aharons und seiner Söhne, Davids, Salomos usw. stammen aus den beiden Parteilagern der Hasmonäerzeit: Hasmonäer und Antihasmonäer. Aber Herr Marmorstein polemisiert gegen mich in folgenden Sätzen: ״R. Jehuda und R. Nehemia — dies gilt natürlich auch für alle Tannaiten und Amoräer, die im Buche Aptowitzers zitiert werden — waren keine Partei- Politiker, der tlasmonäer und Antihasmonäer, sie waren Bibelforscher und Lehrer der jüdischen Religion“ (S. 247). Aehnlich fragt er: ״Welches Interesse der Lehrer in Uscha hatte, politische Lieder der Hasmonäer zu singen, kann wohl auch Verf. nicht sagen“ (S. 246). ״Warum wechselte derselbe Lehrer seine Barbe? Heute hasmonäisch, morgen antihasmonäisch!“ (das.) Ferner: ״Kein Mensch auf Erden kann beweisen, daß R. Abba bar Kahana oder R. Samuel b. Isaak hasmonäerfreundliche oder -feindliche Politik vertraten oder überlieferten“ (S. 247). In der zuletzt angeführten Stelle ist ״oder überlieferten“ eine Notbrücke für einen eventuellen Rückzug. Aber der ganze Tenor seiner hier angeführten :Bemerkungen und Fragen macht es zur Gewißheit, daß er mich sagen läßt, die Agadisten hätten hasmonäische und antihasmonäische Parteipolitik vertreten. Bedeutet dies nicht eine Verkennung des Grundgedankens meines Buches? , 2. In meinem Buche führe ich folgendes aus: Das Glück Johann Hyrkans brachte auch die jetzt als Sadduzäer auf tretenden früheren Pseudohellenisten auf seine Seite. Aber ein kleiner Bruchteil dieser hellenistisch-sadduzäischen Partei, die es nicht verschmerzen konnten, daß das in ihren Familien erbliche Hohepriestertum an die Hasmonäer überging, intriguierte im Geheimen gegen Hyrkan. Von ihnen ging das Gerücht von der Gefangennahme der Mutter Hyrkans aus, das den Bruch Hyrkans mit den Pharisäern herbeiführte. Sie wurden von Hyrkan verfolgt und wanderten nach Damaskus aus, wo sie eine neue Sekte gründeten. In Palästina blieb keine Spur von ihnen. Das Gros der sadduzäischen Partei schloß sich Hyrkan an und verschmolz mit den Hasmonäern zu einer Partei (S. 15, 202, 266). So wird in meinem Buche fast auf jeder Seite von ״hasmonäisch-sadduzäischer“ oder ״sadduzäischhas monäis eher“ Politik gesprochen (vgl. bes. Kap. VI S. 66 ff. und VII). Ja, gleich in der Einleitung (S. IX f.) heißt es in meinem Buche: ״Die Sadduzäer aber hielten zu Hyrkan entweder aus aufrichtiger Verehrung und Dankbarkeit für seine siegreichen Kriege oder sie heuchelten Anhänglichkeit an ihn um materieller Vorteile willen.“ Herr Marmorstein aber fragt: ״Ja, wir hörten doch vorher, daß die Sadduzäer Antihasmonäer waren; warum gingen sie gegen Salomon los?“ (S. 248). Ist dies nicht eine Entstellung des ganzen Inhalts meines Buches? 3. Im fünften Kapitel meines Buches, Protest gegen das hasmonäische Königtum, finde ich in der dritten Benediktion nach der Verlesung des Prophetenabschnittes: ״Erfreue uns, Ewiger, unser Herr, durch Elia, den Propheten, Deinen Knecht, und durch das Königtum des Hauses Davids, deines Gesalbten. ..“ einen Protest sowohl gegen das hasmonäische Königtum als auch gegen die Messianität Elias, die ihm von den Hasmonäern zugesprochen wurde Iß. 50 f.). Dieser Gedankengang wird im siebenten Kapitel kurz wiederholt: ,',So erweist sich der Satz unserer Benediktion als Abweisung der Messianität Elias, wie seine Fortsetzung ein Protest gegen das hasmonäische Königtum ist. Auf seinem Throne soll kein Fremder sitzen und nicht länger sollen andere seine Herrlichkeit in Besitz haben“ (S. 101). Dazu bemerkt Herr Marmorstein: ״Der Segenspruch in der Haftara soll die hasmonäische Parteipolitik widerspiegeln. Elijahu ist der Messias der Priesterpartei. Ja, wie kommt aber das Königshaus Davids hinein?“ Er läßt mich also sagen, daß die dritte Benediktion der Haftara hasmonäisches Produkt ist!! 4. Im sechsten Kapitel meines Buches S. 66—81 wird ausgeführt: lii der Agada sowie in der Halacha erscheint die Tat Judas an Tamär -als überhaupt keine Sünde, während die Tat Rubens als schweres Verbrechen angesehen wird. Dies entspricht der Auffassung der Thora, wo im Segen Jakobs Rüben wegen seiner Tat schwer getadelt und mit der Entziehung des Erstgeburtrechtes bestraft, während Juda• hochgepriesen und mit dem Königtum

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.