Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aruch ms. Breslau
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 387 (sequence 3)
- Language
- German
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387 Bemerkenswert ist, daß in f0113 (V, 324) nichts gestrichen wurde. Die Schrift ist die sogenannte italienisch-rabbinische Kursiv- oder Raschi-Schrift, in ungeteilten Zeilen, von denen je 45—47 auf die Seite entfallen, ist dicht, gedrängt, oft verblaßt, im ganzen also unschön. Somit ist B weit entfernt, ein prachtvoller Codex zu sein, und hält den Vergleich z. B. mit dem als 1I bezeichneten, seinerzeit auch von Kohut benutzten Aruch-Ms. der Wiener Nationalbibliothek nicht aus. Ich habe Kenntnis auch von anderen Aruch-Handschriften, die weit prächtiger sind. Auch der Einband ist neueren Datums und hat nichts auf sich. Aber der armselige Codex B hat dafür um so mehr einen inneren Wert1, wie sichs gleich zeigen wird. Der innere Wert läßt sich etwa wie folgt zusammenfassen: 1. Bessere Lesarten, wie sie eigentlich jeder alte handschriftliche Codex gegenüber den Druckausgaben bietet. Dieser Punkt soll hier nicht weiter verfolgt werden, denn das wäre nur auf dem Wege einer ungeheuren Variantensammlung möglich, die hier keinen Sinn hätte, vielmehr ist dafür auf die Benützung durch Kohut und in dem vorgedachten Supplementbande zu verweisen. 2. Zahlreiche Zusätze. з. Dahin gehören auch zahlreiche arabische Wortdeutungen, die in den gangbaren Ausgaben und selbst in Handschriften fehlen, weil sie von den Druckern und Abschreibern für unverständlich und für unnötig erachtet wurden; auch wo sich B mit anderen Codices und Ausgaben deckt, zeigt es große Originalität und sicheres Verständnis seines Urhebers. 4. Dasselbe gilt auch von den griechischen und italienischen ״FremdWorten“ (לעדם), die im Aruch bekanntlich so häufig sind. 5. Wahrung des äußeren Bildes der Anlage von R. Nathans Werk (Einteilung in Perakim, Verweisungen, Zitate и. dgl.), so daß wenigstens Vieles von dem erhalten sein mag, was R. Nathan selbst in seinem Aruch gemacht hat. Das schließt freilich nicht aus, daß unser Kopist, den wir ja dem Namen nach kennen (s. w. unten) und der gewiß ein gelehrter Mann war, der Aufgabe, ein so großes und schwieriges Werk getreu abzuschreiben, nicht ganz gewachsen war; darum die Schnitzer und Fehler ohne Zahl, darum auch die vielen Auslassungen, die sämtlich aus Unachtsamkeit herrühren und recht verdrießlich sind. Das sind die sattsam bekannten Kopistenfehler. Aber unser Kopist hat darin nicht mehr gesündigt, als die Hersteller der von mir bereits erwähnten ״prächtigen“ Aruch-Handschriften, er ist vielmehr an Genauigkeit ihnen voran. Der Schreiber von B nennt sich Jeschua Kohen ben David; den Vater bezeichnet er zweimal als verstorben. Die Eintragung auf dem ersten Vorlegeblatt2 hat folgenden Wortlaut (zierlich in violetter Tinte geschrieben, 3 Stellen in Klammern schwarz): ערוך, Absolvi ego Jesciua Coen fil. David req. in pacem (sic) hunc Aruch pro Clar. medicus (sic) mag. Abram De Balmas (V. Wol- 1 Kohut S. 52 bewertet den Schreiber von B nicht hoch. 2 Das Vorlegeblatt ist jüngeren Datums, wie Papier und Schrift zeigen