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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 6 · p. Seite 373

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 6
Article
Aus Spanien und Portugal
Date
1929-01-01
Page
Seite 373 (sequence 8)
Language
German
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373 als Pfand für ihr Darlehen Sand übergab, hieß der eine Vidas, ein bei den romanischen Juden häufiger Name; der andere, Rachel, ist vielleicht Rosellus (Grunwald in Mitt. z. jüd. Volkskunde 1911 S. 115, vgl. Baer Index s. v. Rosellus u. Sosan)1. Zur Sache (böswillige Vertauschung des kostbaren Inhaltes einer Lade mit Sand) vgl. b. Taanith 21a, Sanh. 108/109 u. a. Das Haus, in dem Samuel Hallevi in Toledo gewohnt haben soll und das auch als das des Greco bezeichnet wird, der somit im früheren Juden viertel Toledos, wie Murillo in dem Sevillas gelebt hätte und damit auch an Rembrandts jüdische Nachbarschaft erinnert, ist erst 1907 aus einer Ruine erbaut worden. Die angebliche Verbindung dieses Hauses mit der Synagoge del Transito habe ich nicht entdecken können. Vielleicht bestand eine solche2 zwischen dem Keller des Hauses, in dem, wie es heißt, Samuel seine Schätze verbarg, und dem der Synagoge, in dem, nach einer Lokalsage, Marranen ihre geheimen Zusammenkünfte abgehalten haben sollen. (In Madrider Privatbesitz fand ich Menschenasche, wie sie beim Umbau der dortigen Quemadero, auf dem einst die Opfer der Inquisition verbrannt wurden, zu Tage trat, worüber auch Lewin, Iberia 33 berichtet.) Der Bau auf dem Siegel bei M. A. Levy, Epigr. Beiträge (Jahrb. f. d. Gesch. d. Juden 1861, Tafel Nr. 12) ist so wenig eine Synagoge, wie der auf Nr. 10 (Siegel der Gemeinde Sevilla), sondern das letztere ist das Stadt״ wappen Sevillas, das andere das Wappen Castiliens, die Lilie vielleicht die bourbonische, die auf frühgotischen, auch jüdischen Denkmälern geläufig ist. Beides sieht man in der Synagoge del Transito. Eine andere Toledaner Ueberlieferung weiß das Schlafzimmer Isabellas zu bezeichnen, in dem sie die Nacht vor dem Wegzug der verbannten Juden deren Jammern nicht zur Ruhe kommen ließ, sowie man in der Alhambra den Raum sehen kann, in den die Unter- Zeichnung des Ausweisungsbefehles durch das ,,katholische Königspaar“ verlegt wird, dessen Verhandlungen mit Isak Abarbanel, durch Torquemada vereitelt, in der Galeria de Bellas Artes zu Madrid ein großes Gemäldewon E. Sala darstellt. (Daß die Sefardim Dichtungen nach der Katastrophe von 1492 grundsätzlich nicht in den Ritus auf genommen haben, geht auf dasselbe Motiv zurück, wie das Verbot der Mauren, innerhalb Granadas, die (u. a. von Geibel übersetzte) ,,Ballade von der Belagerung und Eroberung vonAlhama“ zu singen, die mit ihrem Schlüsse ,,Ay de mi, Alhama“ an einige unserer Kinoth erinnert.) Wie-willkürlich übrigens Lokalsagen nicht selten mit der Chronologie umspringen, sehen wir u. a. an dem Beispiel der Wormser Raschikapelle. Gerade in diesem Falle läßt sich aber auf die hierauf bezügliche Frage Krautheimers (Mittelalterl. Synagogen 174) mit der Analogie der Kapelle des Albertus Magnus in Regensburg antworten, die auch Jahrhunderte nach ihrem Heros gebaut worden ist3.. 1 Oder Raguel (das bibl. R‘uel) Rev. Et. Juiv. II 114 f. (aus Martinique 1683). 2 Wie noch heute in Segovia zwischen der Synagoge und dem eh3m. Hause Is. Abarbanels, vgl. Max Nordau, Erinnerungen 13. 3 Als Kuriosum sei erwähnt, daß die Darstellung des Kampfes zwischen David und Goliath, nach der in Regensburg in der Goliath-Straße ein Haus, das sie aufweist, benannt ist, von Raschi zu Schabbat 149a als Beispiel ange-

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