Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Aus Spanien und Portugal
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 367 (sequence 2)
- Language
- German
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367 arbeit. Bei der Leichenwaschung sind zwei Mann mit der Waschung selbst beschäftigt, ein dritter ,,cride los muertos“ ,,ruft die Toten aus“ (oder bittet sie um Verzeihung, spricht die Gebete und liest die Vor- Schriften vor?) usw. (Näheres in meinem Artikel ,,Chebra kaddischa“ in der Encyclopaedia Judaica.) Aus anderen Stellen bei Baer ersieht man, daß, wie auch später fast überall, die Chebra kaddischa dem Gemeindevorstande gegenüber vollständig autonom ist (Baer 864). Doch werden in Perpignan die Vorsteher (,,gabbain o berurim“) jährlich mit Zustimmung der Gemeindesekretäre gewählt (Baer 548). Die Erlaubnis zur Chebragründung erteilt die Regierung. Es ist nicht ausgeschlossen, daß solche Gründungen anderwärts auf spanisches Vorbild zurückgehen. Wohl besitzen wir aus dem Jahre 1326 die Statuten eines jüdischen Vereines zur Verwaltung eines Friedhofes in Miltenberg in Westdeutschland (mit einer Synagoge aus dem 13. Jahrh., vgl. Krautheimer, Mittelalt. Synagogen 189) und 1486/87 wurde die Ch. k. in Wilna gegründet, Die Chebragründungen in Italien im 16. Jahrh. aber, in das sonst nur die in Prag (1562) fällt, darf man vielleicht mit den Marranenzuzügen oder -durchzügen in jener Zeit in Verbindung bringen. Der Bezeichnung ״andelantados“ (bei B.) für die Vorsteher entspricht wörtlich und sachlich die der Frankfurter ,,Vorgänger“ zu Beginn des 16. Jahrh. (Kracauer, Gesch. d. Juden in Ff. I 399)1, die übrigens auch ,,Chawrussah kadischah“ genannt werden2, der erste aktenmäßige Beleg für diese Bezeichnung, wenn auch nicht in dem heut gebräuchlichen Sinne. Die spanischen Confrarias werden nicht ,,santas“ genannt. An sie erinnern noch heute die Hermandades, die in der Semana santa (in der die Sevillaner, wie wir an Sukkoth, die Wohnungen verlassen, um im Freien zu kampieren), besonders in Sevilla, das schaulustige Publikum mit ihren Umzügen anziehen, die vielleicht bis auf die Zeiten der Phönizier und Karthager mit ihrem Astartedienst zurückgehen, wie auch die übrigens aus dem jüdischen Strafrecht bekannte Hinrichtungsart des Feuertodes mit Eingraben sich aus der semitischen Zeit Spaniens in die römische fortgesetzt hat (vgl. Breslauer Univ.- Jub.-Festschrift 570). Von den erwähnten Stiftungen in Barcelona hat sich im dortigen Call (= callum judaicum), wie dort, in Zaragoza und sonst noch jetzt der Volksmund das ehemalige Juden viertel bezeichnet, bis heut ein Stiftungshaus erhalten. Es trägt die Bezeichnung הקדש ל' שמואל הסרדי גבת (Über ihn, woran mich Hr. Dr. Baer erinnert, MGWJ 1927, S. 393). Schwab, Rapports sur les inscriptions hebraiques de TEspagne S. 379 liest m. E. irrtümlich statt Hekdesch Hakadosch. Dav. Kaufmann wollte hier den Verf. des S. hat'rumot wiederfinden und den Beinamen Hasardi mit einer Oertlichkeit auf Mallorca in Verbindung bringen. Näher liegt wohl ein Zusammenhang mit Sardanola bei Barcelona oder Cerdagne (Baer, Studien z. Gesch. d. Juden in Aragon. 143). Uebrigens ist Sardo in meinen ״Portugiesen- 1 Auch in der ,,Einrichtung“ der Mainzer Judenschaft von. 1741 bei Schaab, Diplom. Gesch. d. Jud. zu -Mainz 1855 (freundl. Auskunft d.• Herrn Dr. Alfr. Landau). 2 Aehnlich wie die. Meisterbrüderschaft der Zünfte.