Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neue bibelgeschichtliche Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 348 (sequence 4)
- Language
- German
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'348 lieber die Geistesrichtungen des alten Israel sucht Harold M. Wiener in seinem ,,Early Hebrew History and oth.er Studie sf<, London 1924, Neues zu sagen. Wiener erkennt im Ablauf der jüdischen Geschichte die stets vorhandene Tendenz zur Spaltung. Wie nach dem biblischen - Bericht sich Abraham von seinen Brüdern und von Lot, Isak von Ismael, und Jakob von Esau trennt, so ist diese Sucht zur Spaltung in der ganzen späteren jüdischen Geschichte deutlich nachweisbar. Sie ist das, was Wiener the centrif ugalism, which is interent in the phsychology of the race nennt. Der Grund ist ein idealistischer, der ein Verhältnis zu Gott anstrebt und zugleich, um des Ideals willen, eine Macht- Stellung auf Erden will. Die Not allerdings schweißte oft die auseinanderstrebenden Volksstämme zusammen. So ist das Verhalten der Juden charakteristisch bei der Knechtschaft in Aegypten, dem Exodus, und im Kampf mit Amalek. Der Zusammenschließung dienen die Gesetze gegen die Verschwägerung mit den Kananäern, die Ausschaltung der Ammoniter und Moabiter, und die zentralisierende Politik Davids und Salomos. Beachtenswert ist der Anhang zu dieser Abhandlung, der sich mit den Textdifferenzen zwischen M. T. und.LXX in den Königsbüchern beschäftigt. — ״The law of changesin B i b 1 ef< ist vorwiegend exegetisch-juristischen Inhalts und handelt von Gesetzen, die als unveränderlich galten und solchen, die im Laufe der Zeit eine Wandlung erfahren haben. Zur Zeit Mosis muß nach W. ein höchster Gerichtshof bestanden haben, der die Befugnis hatte, bestehende Gesetze abzuändern oder neue einzuführen. So scheint Ex 337-1נ von einer seit uralten Zeiten her bestehenden Volksitte zu sprechen, während etwa Ex 18 (vergl. dazu Dt l9f.) eine jüngere Zeit voraussetzt. W. widmet dem Ausdruck loläm im Sinne von perpetuity und von permanence eine eingehende Untersuchung. Als unveränderlich galt außer dem Dekalog das Gesetz gegen Abfall, das Verbot der Vermischung mit Heiden, und gewisse moralische Grundprinzipien. Propheten und Könige sind oft gegen die formale Seite des Gesetzes auf gestanden. Die Tendenz für alle Zeiten zu konservieren, setzt erst später ein. — In ,,the Biblical Doctrines of Joint, Hereditary and Individual Responsibility“ liegt ebenfalls eine exegetische Studie vor, die auf den Untersuchungen von Gunkel, Sellin u. a. über dieses Thema fußt. Der wissenschaftliche Wert dieser Arbeit W.s kann leider nicht hoch veranschlagt werden. Vergleicht man mit dem, was W. the tendency to separate bei den Juden nennt, etwa das Sektenwesen und die politischen Spaltungen im Islam, so ergibt sich, daß die von ihm festgestellten Züge nicht als den Juden allein eigentümlich angesehen werden können. Die Folgerungen, die W. aus zusammengestellten Bibelstellen zieht, sind oft durch andere zu widerlegen. Das wesentliche von ,,the law of change“ ist längst Allgemeingut der modernen Bibelforschung. Doch regt das Buch zum Nachdenken an und hat darum seinen Wert. Edouard Montet bietet in seiner ,,Hi s toi re du P e u p 1 e dT sraek Paris 1926, eine kurz zusammengefaßte jüdische Geschichte von. ihren Anfängen an bis zum Jahre 70 n. Chr. Der Verfasser spricht außer von der politischen auch von der religiösen