Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neue bibelgeschichtliche Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 346 (sequence 2)
- Language
- German
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346 hinein die Schreibfähigkeit ab und verlegt darum die Entstehung der wichtigsten Teile des biblischen Schrifttums in die exilische oder gar nachexilische Zeit. 3. Darum erkennt er der biblischen Ueberlieferung jeden geschichtlichen Wert ab. 4. Das Gesagte gilt in erhöhtem Maße von der Ur- und Vorzeit des israelitischen Volkes. Jampel fragt diesen vier Grundsätzen Wellhaus'ens gegenüber: 1. ob das frühbiblische Israel außerhalb des altorientalischen Kulturkreises gestanden haben kann, 2. wenn ja, ob es dennoch so kultur- und schriftlos gewesen sein kann wie die vormohammedanischen Araber, 3. ob die bis zu der späten schriftlichen Fixierung mündlich tradierten Erzählungen nicht dennoch geschichtlich sein können, 4. ob überhaupt die Voraussetzung, daß kein Volk seinen Ursprung kennt, allgemeine Geltung hat? Und er antwortet: 1. Die ägyptische Erzählung des Sinuhe (Erman: ,,Lit. der Aegypter“ 1923 S. 30), eine Reisebeschreibung aus dem Beginn des zweiten vorchristlichen Jahrtausend, zeigt uns das vorisraelitische Palästina bereits im Besitze einer vollentwickelten Kultur. 2. Die Ausgrabungen in Palästina (Thomsen: ,,Palästina und seine Literatur durch 5 Jahrtausende“ 1909) weisen für eben diese Epoche geradezu eine Ueberkultur nach. Vielleicht bedeutet auch Qirjat Sefer (Jos 1515; Ri äaß man damals bereits Archive kannte. 3. Die Ausgrabungen in Biblos (Z. A. W. 1924, S. 346 f.) zeigen, daß die althebräische Schrift um vieles älter ist als man glaubte. 4. Palästina muß also bereits in vorgeschichtlicher Zeit den babylonischen bzw. ägyptischen Kultureinflüssen unterstellt gewesen sein. Der Vergleich mit den vormohammedanischen Arabern trügt. Die Urbewohner Palästinas waren seßhafte Halbnomaden, stets von der Sehnsucht nach dem eigenen Land erfüllt. Indem Wellhausen diese neuesten Ergebnisse nicht berücksichtigt, hat er seine eigene Forschungsmethode nicht konsequent beibehalten. — Ed. Meyer hat in seiner ,,Entstehung des Judentums" die aramäischen Edikte des Perserkönigs im Ezrabuche für echt erkannt (die Ausgrabungen in Elephantine haben dies vollauf bestätigt), dagegen all״ das, was der Verfasser des Ezrabuches von den Perserkönigen in hebräischer Sprache mitteilt (besonders Ezra 1! f.), verworfen. Der Grund liegt nach Jampel darin, daß das Ezrabuch dem Chronisten zugeschrieben wird, dessen Authentizität bestritten wird. Demgegenüber ist nach J. zu betonen, daß die einleitenden Worte im Ezrabuch besonders durch die Nabonid- Chronik bestätigt werden (Jampel: ,,Wiederherstellung Israels unter den Achämeniden" S. 24), und daß die hebräische Sprache des bekannten Erlasses des Cyrus der der zeitgenössischen babylonischen Inschriften ähnelt. So läßt auch Meyer die neuesten Wissenschaftliehen Ergebnisse außer Acht. Durch sie aber ist das Bild des alten Orients ein vollkommen anderes geworden, und die inschriftlichen Urkunden bestätigen oft die Berichte der Bibel. Soweit die hervorragendsten Vertreter der Bibelwissenschaft dies nicht entsprechend würdigen wollen, werden ihre radikalen Methoden in Mißkredit gebracht. — Jampel wendet sich an alle jüdisch-liberalen Bibelforscher und belehrt sie, daß man bei dem oft schwierigen Inhalt biblischer 1 Falsch zitiert bei J. S. 150.