Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 6
- Article
- Neue bibelgeschichtliche Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- 345 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829965-2835644--49254-2835681- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Neue bibelgeschichtiiche Literatur. Von Heinrich Speyer in Breslau. Vorbemerkung. Die folgende Sammelbesprechung ist •unter anderen Schriften auch einer Arbeit H. M. Wieners gewidmet, der leider ein Opfer der arabischen Metzeleien in Palästina geworden ist. Von Haus aus Jurist, hat er seine Ausbildung in Cambridge genossen und war seit dem Jahre 1901 in London als Advokat (Barrister) zugelassen. Seit fünf Jahren weilte er in Palästina. Seine .wissenschaftliche Arbeit galt der Bekämpfung der radikalen Bibelforschung, und hier hat er die alttestamentliche Wissenschaft um manche neue Gesichtspunkte bereichert. Rühmenswert war auch die soziale Wirksamkeit, die er ausübte. Wiener war ein mehrjähriger und treuer Mitarbeiter der MGWJ. Sie wird sein Andenken stets in Ehren halten. Die heutige Bibelforschung bietet neben textkritischen und historischen Einzeluntersuchungen auch mehrfach solche Arbeiten, die die gesamte Geistesrichtung des biblischen Israel ins Auge fassen wollen. Werke dieseT Art suchen den Ablauf der altisraelitischen Geschichte in ein neues Licht zu setzen oder wollen neue Methoden der Exegese auf zeigen. Hier vermögen oft später angestellte Einzel- Untersuchungen manches richtig zu stellen oder zu ergänzen. Ist der Verfasser solch grundlegender Arbeit mit weitem Blick und scharfer Kombinationsgabe begnadet, dann regt sein Buch jedenfalls zu neuen Fragen an. Solch ein Forscher ist Siegmund Jampel. Seit dem Erscheinen der ersten Auflage seiner ,,Vorgeschichte Israels und seiner Religion“, Frankfurt 1913, hat sich das Inschriftenmaterial so vermehrt und haben sich die Probleme so erweitert, daß es dem Verfasser ratsam erscheinen mußte, das Thema zu teilen und das Volksgeschichtliche vom Religionsgeschichtlichen zu sondern, Der vorliegende ersteTeil des neuerschienenen Werkes (Frankfurt 1928) will über den Stand der kritischen Bibelforschung und über ihr Verhältnis zur modernen Archäologie unterrichten und vor allen Dingen die Methoden zum Gegenstand der Betrachtung machen. Da seine Untersuchungen sich in der Hauptsache auf dem Gebiet der biblischen Altertumswissenschaft bewegen, hat der Verfasser es für richtig gehalten, zunächst die bedeutendsten Vertreter dieses Faches, Wellhausen und Eduard Meyer, zu Worte kommen zu lassen. Jampel will auch dem Laien — schon durch eine leichtverständliche Sprache — die Möglichkeit bieten zu beurteilen, wie weit die Behandlung des biblisch-historischen Materials den eigenen methodologischen Forderungen jener Gelehrten entspricht. Die Hauptmängel der Wellhausenschen Methode sieht Jampel in folgenden vier Punkten: 1. W. verwertet gewisse Ergebnisse der orientalischen Ausgrabungen nicht für die Erforschung des israelitischen Altertums, da er einen Kulturzusammenhang zwischen den fortgeschrittenen Völkern Vorderasiens und den israelitischen Wüstenstämmen nicht zugibt und nur die altarabischen Zustände der vormohammedanischen Zeit zur Erklärung der Bibel heranzieht. 2. Er spricht den biblischen Israeliteil bis in die späte Königszeit Monatsschrift, 73. Jahrgang. 23