Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Bedeutung von "Sion"
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 324 (sequence 5)
- Language
- German
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324 Zu allem Ueberfluß aber enthält das AT selbst ein bloß schon früh mißverstandenes und daher bis heute nicht entsprechend ausgenütztes ausdrückliches Zeugnis dafür, daß der Namen der heiligen Stadt nichts andres ist, als das von dem Verfasser der Königsbücher, von Jeremia und Ezechiel gebrauchte Wort ציון ,,Malstein“. Die betreffenden Worte schließen sich unmittelbar an den o. S. 321 zitierten Vers Ezech 3915 an, der den Ausdruck ציון enthält, und zwar in folgender Weise: 15 . . . erblickt einer ein Menschengebein, so soll er ein Mal (ציון) daneben errichten, bis es die Totengräber begraben im Tal des Heerhaufens {hamon ) (המון) des Gog 16י+י und so das Land reinigen.“ Randglosse + וגם שם עיר ,,auch Stadtnamen“ d. h. Hamon המון ה Daß die nüchternen Worte t,wegam sem *ir hamonah“, die der masoretische Text an der durch + bezeichneten Stelle in die hochpathetische Rede des Propheten — die man im Zusammenhang nachlesen möge! — einschaltet, nichts anderes sein können als eine alte in den Text geratene lehrhafte Randbemerkung, wird wohl niemand leugnen. Nun gibt es aber anerkanntermaßen keine Stadt namens Hamonah oder Hamon1, weshalb die Stelle von jeher eine crux int erpretum gewesen ist. Die einfachste Lösung dieser Schwierigkeit wird wohl durch die Annahme geboten, daß sich die Worte wegam sem (ir dann eben einfach ursprünglich nicht auf den Ausdruck ,,hamon“ bezogen haben können. Der rätselhafte Stadtnamen Hamonah ist vielmehr erst dadurch entstanden, daß der betreffende ,,Pasek“, das Verweisungszeichen der Glosse, in einer Handschrift ausgefallen war, so daß ein Abschreiber auf der Suche nach dem richtigen Beziehungswort leicht auf die Phrase ,,Tal des hamon Gog“ verfallen konnte, in der irrigen, durch die Randbemerkung verschuldeten Meinung, es gebe nicht nur ein ,,Tal des hamon Gog“, sondern auch eine ע,Stadt Hamon“. Diese seine sonst durch nichts begründete Auffassung hat er seinerseits auf dem Rand seiner Abschrift verewigt, in dem er zu der Marginalglosse das vermeintliche Beziehungswort המון und überdies ein ה״ als Abkürzung (defektive Schreibung?) des für Glossen so typischen הוא hu* ,,d. i.“ hinzufügte2. Das ה ist mit המון zu המונה zusammengeflossen und die beiden Glossen sind hintereinander an der jetzigen Stelle in den Text eingedrungen. In Wahrheit kann sich ,,wegam sem ’ir\“ in diesem Satz nur auf ein einziges Wort beziehen, und zwar, wie der Leser nach allem bisher Gesagten längst selbst erkannt haben wird, nur auf das seltene ציון ״Malstein“, das in der Tat ,,auch Stadtnamen“ ist und in Jerem 3120 von den hellenistischen Uebersetzern auch wirklich falsch als Stadtnamen auf gef aßt worden ist. Vielleicht hat der Schriftgelehrte, der die Worte וגם שם עיר zuerst an den Rand schrieb, ein ähnliches Miß- Verständnis an dieser Stelle verhüten wollen, und es wäre nicht seine 1 Vgl. T. K. Cfceyne in der Bnc. BibL s. v. Hamonah, Hamon-Gog und Bacal-Hamon. 2 Die erste Glosse kann auch wegam sem Hr hu’ ״ auch ein Stadt namen ist es“ gelautet haben und ein späterer Leser kann hamon vor dem ה eingefügt haben, etwa so: וגם שם עיר המון ה״״“.