Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Bedeutung von "Sion"
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 322 (sequence 3)
- Language
- German
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322 eine im *Armenischen1 erhaltene iranische Qatemiorm siun entspricht. Das Wort müßte also aus der durch die Amarnabriefe bezeugten Periode stammen, wo Palästina wie nachmals zur Zeit der Kreuzfahrer von harrischen Baronen (benej horim) besetzt, Jerusalem von einem Herrscher namens Suardata (= Heliodoros2) beherrscht war. Die masoretische Punktierung ציון sijjun für ,Malstein' — zum Unterschied von ציון Sijjon, der Stadt — ist offenkundig eine gehässige Verballhornung. Die Versetzung des Pünktchens im vav bezweckt die Lesung des Wortes mit den Vokalen i—u des Wortes sikkus Gräuel, ein Verfahren, das den rabbinischen. Editoren mit Rücksicht auf die Schriftstellen Exod 23133, Deut 1234 5und 7266 geboten erschien. Genau in derselben Weise haben bekanntlich die Masoreten aus den zwei, auch keilinschriftlich6 nebeneinander belegten Götternamen Sakkut und Kaiwan einer alten Glosse aus der Exilszeit zu Arnos 52q ,Sikkuth und Kiun" gemacht; das besonders bei Ezechiel häufige Appellativum gillulim ,,Götzen“ ist sicher auf demselben Weg entweder aus gelalim ,,Steinhaufen"7 oder aus galilim ,,Steinkreise", kreisförmige Steinsetzungen (die keltisch sog. ,,Cromlechs“) entstanden. Weit entfernt davon, eine Scheidewand zwischen dem Appelativum צק und dem Ortsnamen Sion aufzurichten, beweist die masoretische Punktierung sijjun nur, daß die Rabbinen den ursprünglich kultischen, d. h. in ihren Augen abgöttischen Charakter der ציונים genannten Malsteine nie vergessen haben. Gerade der darin gelegene Hinweis macht aber den Gebrauch von ציון als Ortsbezeichnung ohne weiteres verständlich. Bieten sich doch genaue Analogien in einer Reihe allbekannter Stadtnamen dar, als da sind Tyrus8 (aram. iura kanan. sur Fels9), Petra 1 Vgl. fi. Boisacq, Dictionn. ötym. de la langue grecque, Paris-Heidelberg 1916, S. 463. Ueber sijan — ,,Tempel“ (was eine Bedeutungsentwicklung wie bei mesgid ,,Moschee“, urspr. ״heiliger Stein“ voraussetzt) im Elamitischen vgl. G. Hüsing, Mitt. d. Wiener anthropol. Ges. 46, S. 227, und OLJZ 6, 370. ZDMG 56, 791, Beitr. z. Ass. V, 410. 2 Ed. Meyer, Zeitschr. f. vgl. Sprachforsch. 1908, 42/1, S. 18 u.'26. 3 ,,Ihr sollt die Namen fremder Götter nicht aus־ spreche n.“ 4 ,,Ihr sollt ihren Namen von ihrem Ort vertilgen.“ Vgl. Hosea 29: ״Dann will ich die Namen der Ba’altm aus ihrem Munde verschwinden lassen.“ 5 ״ שקץ תשקצנוdurchaus verabscheuen sollst du es“, in rabbinischer Auslegung ״einen sikkus sollst du dir daraus machen“. Vgl. über diese Regel der Verballhornung heidnischer Ausdrücke Mehilta Mispalim 107a ed. Fried« mann; cf. Tosefta, ‘Aboda Zara 64 ed. Zuckermandel 469, Jer. ‘Aboda Zara 36; Bab. ‘Aboda Zara 45b, 46a; Temura 28b; ‘Aboth de R. Nathan § 34. 6 Surpu-Hexte 4 Rawl. 52 col. 42. 9. cf. Zimmern, Beitr. z. Kenntnis d. Babylon. Rel. 1896 S. 10 Z. 179. 7 So T. K. Cheyne Enc. Bibi. 515 n. 1. 8 Von den Masoreten allerdings sor צרר vokalisiert, wozu das Appelativum ״ צדharter, scharfer Stein“ zu verzeichnen wäre. 9 Ein Ort sur bei ‘Aqaba, Lagrange, fit. s. 1. relig. semit. S. 38; Sloucz, Hebreo-Ph&niciens S. 260. Vgl. צור ערב Richter 725, Jes 1026.