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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 319

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Die Etymologie des Namens Jisrael
Date
1929-01-01
Page
Seite 319 (sequence 3)
Language
German
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319 deuten können, so sind wir bei dem Namen ישילאל in einer glücklicheren. Lage. Meine Annahme, daß dieser Name in die vorisraelitische Zeit zurückgeht, wird nicht allzukühn erscheinen, wenn wir daran denken, daß auch der Name des Landes der Israeliten: עז® schon vor ihrer Einwanderung als Bezeichnung entweder des ganzen Landes oder der Niederungen an der Mittelmeerküste in den Amarnabriefen vorkommt, wo sie Kindhni oder Kinahhi lautet. Die vorisraelitische Bevölkerung wird noch an vielen Stellen der Bibel zum Unterschied von den Israeliten als כנענים bezeichnet. Nun haben wir ein Wort des ägäischen Sprachkreises, der vor der griechischen Sprache im. Westen und den semitischen Sprachen im Osten im östlichen Mittelmeer verbreitet war, das sich zur etymologischen Aufhellung des Namens Israel bietet. Ich meine ein Wort, das in der Sippe griech. lapdc,?poz ,,heilig“, lesb. cpeuc ,,Priester“, Ipfyov ,,Opfer“, umbrisch erus (aus *era-, *aisu-), pälignisch aisis ,,den Göttern“, oskiscli aisusis ,,durch Opfer“, volskisch esaristom ,,Opfer“, etruskisch aisar ,,Gott'1׳ seinen Niederschlag gefunden hat und neuerdings auch in der Inschrift eines Ringes aus illyrischem Sprachgebiet als iser nachgewiesen worden ist2. Dieses ägäische Wort iser ,,heilig“ finde ich als erstes Kompositionsglied in ״Israel“ wieder; die Bedeutung des Namens ist also ,,heilig ist Gott“. Aber auch der zweite Bestandteil אל scheint mir der Entlehnung aus dem ägäischen Sprachkreis sehr verdächtig. Das Wort ist ohne Etymologie im Semitischen und gehört zu den zweiradikaligen, nur im Semitischen — nicht im Aegyptischen —vertretenen Wörtern: assyr. ilu, arab. Fern, dl allät, die also nicht zum allerältesten Bestand der Sprache gehören3. Die ursprüngliche Pluralbildung אלדדם (neben späterem אלים mit Pluralbedeutung), die gleich arab. ’iläh, syr. allahä als Singular gebraucht wird, zeigt, daß das Wort einem fremden, nichtisraehtischen Gedankenkreis entsprungen ist. Ich möchte sem. elu ,,Gott“ mit gr. ^Xuaiov ,,göttlich“ in hoinerisch ijXuatov nediov ,,Göttergefilde“ verbinden, das gleichfalls ohne Etymologie dasteht4. Die Vorstellung eines ״elysäischen Gefildes“ ist vorgriechisch; einer der Herrscher des Elysiums ist Radamanthys, dessen Namen schon die vorgriechische Herkunft verrät5. Wenn sich die hier vorgetragene Etymologie der beiden Bestandteile des Namens 1שלאל; bewährt, so wären in ihm zwei Petrefakte einer der Semitisierung Palästinas durch die Kanaaniter, die Vorgänger der Israeliten, vorausliegenden Sprachperiode zu erblicken. Der Name, der zum Namen des Stammesheros und schließlich des 1 Als aesar von Sueto n, Vita Augusti bezeugt;• Aioot ist die Bezeichnung der Götter bei den Etruskern nach Hesychius. 2 H. K r a h e, Indogerm. Forschungen, Bd. 46, S. 183 ff. 3 G. Brokeimann, Vergl. Gramm, der sem. Sprachen I, 334. 4 Einen verfehlten Versuch, das Wort zu etymologisieren, verzeichnet E. Boisacq, Dictionnaire 6tymologique de la langue grecque, S. 322. 5 L. Malten, Jahrbuch des deutschen archäologischen Instituts. 28, S. 35 ff. ׳ ־ V .

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