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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 320

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Die Etymologie des Namens Jisrael
Date
1929-01-01
Page
Seite 320 (sequence 4)
Language
German
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320 Volkes wird, hätte also den mehrfachen Sprachenwechsel überdauert, wie wir das so oft bei Völkernamen finden (Skythen, Preußen usw.) und wie ich es auch für den Namen der Germanen annehme. Dann reihen sich die beiden Kompositionsglieder des Namens ישראל ein in die Gruppe gemeinsamen Besitzes der indogermanischen und semitischen Sprachen des östlichen Mittelmeers aus der religiösen Sphäre. Wir nennen z. B. gr. ßco/itk ,,Alter" und hebr. במה ,,Höhe, spez. Opferhöhe, Höhenkultstätte" oder ein in beiden Sprachkreisen viel weiter verbreitetes Wort für ,,Stier", das mit dem prähistorischen Stierkult (Apiskult in Aegypten, Stierhörner als Kultzeichen auf Kreta, das ,,goldene Kalb" in der Bibel usw.)1 offenbar von Volk zu Volk gewandert ist: einerseits awestisch staora־ ,,Großvieh", griech. vaupo!:, lat. taurus ,,Stier", altslav. turn, lit. tauras ,,Auerochs", altnordisch thiörr, got. stiur, irisch tarb ,,Stier"; andererseits assyrisch säru, aram. תור, תו*רא, hebr. שור, arab. taurun ,,Rind, Stier". Die mannigfachen Formen, die sich laut gesetzlich schwer auf einen einheitliehen Archetypus zurückführen lassen, zeigen, daß hier ein Wanderwort vorliegt2. Alle die hier behandelten Wörter entstammen aber religiösen Vorstellungen, die entweder von Volk zu Volk sich verbreiteten oder von den Eroberern der Vorbevölkerung entlehnt wurden. Dies Gebiet ist noch wenig erforscht, da es uns vielfach an genügendem Material fehlt. Um so wertvoller sind die vereinzelten Ausblicke, die eine vergleichende Wortforschung uns liefert. 4. Zur Bedeutung von ״Sion“. Von Robert Eisler in Paris. Ueber die Etymologie des Namens Sion der zunächst den Tempelberg von Jerusalem, dann aber im übertragenen Sinn die heilige Stadt überhaupt bezeichnet, ist schon viel nachgedacht worden3. Zufälligerweise ist dabei übersehen worden, daß. das Wort ציון im Alten Testament auch als Appellativum vorkommt4 5, und‘ zwar in einem so klaren Zusammenhang und einer so unmißverständliehen Bedeutung, daß auch über den ursprünglichen Sinn des Stadt־ namens und seine Beziehung auf den heute noch heiligen Felsen in der Bubbet as sakhra5 kein Zweifel mehr übrig bleiben kann. 1 Nach E. H ahn, Entstehung der Pflugkultur, 1911, ist die Zähmung des Rindes überhaupt auf religiöse Motive zurückzuführen. 2 Zuletzt hat dies, Wanderwort der Pflugkultur behandelt G. I p s e n in der Festschrift für W. Streitberg, 1924, S. 227 ff. Den prähistorischen Stierkult (auch in Palästina) behandelt L. Malten, Der Stier in Kult und mythischem Bild. Jahrbuch des deutschen archäologischen Instituts, Bd. 43, 1928, S. 90 ff. 3 Vgl. die Uebersicht über die bisher versuchten Ableitungen in der Gheyne’schen Encyclopedia Biblica s. v. Zion. 4 Aeltere Erklärungen des Namens ,,Sion“ cippus, ״Steindenkmal‘6, ״Markstein“ durch ״gewisse Sprachforscher“ erwähnt, ohne seine Gewährsmänner zu nennen, v. Alten, ZDPV, II 1879 S. 24 f. 5 Vgl. Rud. Kittel, Der hl. Fels auf dem Moriah u. seine Altäre, Stud. z. hebr. Archaeol. u. Relig.-Gesch.,I, Leipzig 1908. Rieh. Hartmann, Der Felsendom in Jerusalem, Straßburg 1969. Gustav Dalman, Paläst. Forsch, z. Archaeol. u. Topogr. Bd. II S. 1.10—151 ,,Der hl. Felsen von Jerusalem“.

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