Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Zur Bedeutung von naar in der Bibel
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 316 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829964-2835489--49198-2835592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
316 lieh dazu ausersehen worden sein, dereinst eine führende Rolle innerhalb der Familie einzunehmen. Und im Hinblick darauf wird nun Josef als ,,N a a r“ bezeichnet, der darum mehr ,,zu den Söhnen der Bilhah und Silpah" hielt, weil er von den anderen Brüdern eben seiner Vorzugsstellung als ״Naar" wegen mit scheelen, neiderfüllten Blicken betrachtet wurde. — Das äußerliche Zeichen dieser seiner besonderen Stellung als ״Naar" bildete nun der vom Vater erhaltene ,,Kethoneth Passim" (vom Raschbam z. St. durch מעיל wiedergegeben, also ein Gewand, ähnlich, wie ein solches später von seiner Mutter auch ein Samuel in gleicher Eigenschaft als ,,Naar" erhalten, I Sam 219), welche Vorzugsstellung vielleicht auch zu seinen ״Herscherträumen" beigetragen haben mag. Bezeichnend ist es jedenfalls, daß die Brüder bei ihrem Zusammenstößen in Dotham ihm zuallererst dieses Zeichen seiner Würde als ,,Naar", den ,,Kethoneth-Passim" vom Leibe reißen. Man brachte ferner, daß Reuben, als er Josef nicht mehr vorfand, es ausruft: ,,Das Kind ist nicht mehr da!", eine etwas eigentümliehe Bezeichnung für einen damals bereits 17 jährigen jungen Mann! Allein er wollte sicherlich damit auch das ominöse ,,Naar" umgehen. — Mit solcher Auffassung ließe sich auch das Beharren einer Sara auf Vertreibung Hagars und ihres Sohnes Gen 21920־ besser verstehen. Als eigentlicher Grund dieser Vertreibung wird nämlich V. 9 angegeben, daß Sara den Sohn der Egypterin Hagar (man beachte, wie schon hier im Sinne Saras Ismael verächtlich umschrieben wird!) gesehen: מצחלן, welcher Ausdruck von den alten Kommentatoren verschieden gedeutet wird. Das Richtige trifft wohl ein Ramban, der, teilweise hierbei die Erklärung Raschis übernehmend, מצחק in Zusammenhang bringt mit den Worten Saras (V. 10): ,,Denn es soll nicht erben der Sohn dieser Magd mit meinem Sohne, mit Isak", so als ob Ismael bei der Geburt desselben es höhnisch lächelnd ausgerufen: שוטים, אני בכור ואני נומלפי שנים. Es ging also um die einstige Führerstellung in der Familie, wer als ,,Erstgeborener" oder ,,Naar" zu gelten habe, eine Stellung, die nach Saras Ansicht nur ihrem Sohne allein zukommen durfte. Darum sagt auch Gott zu dem im Widerstreit mit seinen Vatergefühlen befindlichen Abraham: ״es tue dir nicht leid um den (bis nun) in deinen Augen als ,,Naar" angesehenen . . . Denn mit Isak sollen deine Nachkommen be~ nannt werden (V. 12). Und Abraham selbst bezeichnet in der Tat später seinen Sohn den Dienern gegenüber als ״Naar" (״ich und der ״Naar" Kap. 225), ebenso wie der Engel ihm zuruft, V. 12: ״strecke deine Hand nicht nach dem ״Naar" aus!" Aber wenn auch Ismael von jetzt ab innerhalb Abrahams Familie seiner Vorzugsstellung als ״Naar" verlustig wird (V. 14 gilt er in den Augen Abrahams wieder nur als נילד ebenso wie bei der Mutter Hagar V. 15, 16), von der Vorsehung ist er doch als ״N a a r" für einen anderen Wirkungskreis bestimmt, und wird darum überall dort, wo Gott bzw. der Engel von ihm spricht, V. 17-20, mit diesem Attribute belegt. Ein ״Naar" dieser Art/ nämlich ein junger ״Anwärter" auf eine hohe führende Stellung dürfte es auch gewesen sein, der