Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Der Midrasch (Scheni ketuvim) von den Widersprüchen in der Bibel
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 286 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829959-2829964-2835480--49151-2835562- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
286 des Exodus rabba, 309, erhalten. Daß der Min kein Christ gewesen sein konnte, kann man schon aus seinen respektwidrigen Worten שאלהיכם אומר ועושה herausfühlen. Der Christ, selbst wenn er der freiesten antinomistischen Richtung angehörte, konnte von Gott nicht in dieser Weise reden. Lehrreich ist ferner, daß der Min die Synagoge besucht und die Predigt der als Gäste in Rom weilenden Rabbinen anhört. Er hat mit seinem überlegenen Wissen nur eine Geste des Spottes geäußert, solange er in der Synagoge weilte. Er wußte wohl, daß seine Unterbrechung zu Handgreiflichkeiten führen konnte, wie es dem Paulus öfters in den Synagogen der Diaspora ergangen ist. Er wartet, einerlei ob aus Takt oder Furcht, bis die Rabbinen das Bethaus verlassen hatten. Erst dann stellt er sie zur Rede und übt Kritik an ihrer Lehre. Der Min ist kein Christ, sondern gewiß ein Schüler Marcions, der diesen Widerspruch zwischen Gottes Ruhen am Sabbat und seiner Arbeit am Sabbat in seiner Kritik des Alten Testaments gewiß behandelte, von wo diese Kritik in die ketzerische Literatur der Folgezeit gewandert ist. Da wir bisher gesehen haben, daß der ganze Midrasch der Widerlegung von Widersprüchen und der gnostischen Häresie gewidmet ist, so paßt dieser Dialog sehr gut in den Rahmen und in den Zusammenhang dieses Midrasch. Dasselbe ist der Fall mit dem Dialog zwischen Hadrian und R. Josua b. Hananja. Die agadische Literatur des Talmud und des Midrasch hat viele Dialoge des R. Josua ben Hananja aufbewahrt, von denselben gehört eine Gruppe von 17 Dialogen Hadrian an1. Nach einer anderen Quelle gehört der Dialog nicht in diese Gruppe, sondern wurde er zwischen einem xp1r7)<z und R. Jose (b. Halafta) abgehalten, vgl. Jelamdenu, Jalkut Jer. § 321. Wer immer der Fragesteller gewesen ist, er gehört zu den Heiden, die sich mit Bibellektüre beschäftigten, deren Zahl nicht zu gering gewesen sein muß. Ferner kann festgestellt werden, daß der Dialog älter sein muß als das Aufhören des Patriarchats in Palästina, im 4. Jahrhundert. Der Fragesteller ist bemüht,, aus zwei Tatsachen, und zwar dem.Aufhören der Herrschaft der Davidischen Dynastie und des Opferdienstes, die Bibel Lüge zu strafen. Das erste Bestreben würde im Sinne eines Christen, und Herr Ginzberg sieht auch in diesem Dialog unrichtiger Weise antichristliche Polemik, ganz komisch lauten! Das Bestreben reflektiert deutlich genug Marcions Motto תורתכם פרסטר! wieder2. Marcion wollte jedes Wort der Schrift wörtlich verstanden wissen. Er war abhold jeder allegorischen 1 Zusammengestellt von Marmorstein, Midrasch Abkir, in Dwir I, 125, wo auch unser Dialog Nr, 12, aus Jalkut Machiri, Maleachi, ed. Greenup, S. 1ל, registriert erscheint, was Ginzberg entgangen ist. Machiri gibt הפטרת שובה ישראל als Quelle an. Im Gegensätze zu Jalkut Schimeoni, wo der Dialog zwischen קריטון und R. Jose gebracht wird, hat Machiri Hadrian und R. Josua b. Hananja. Im Wortlaut sind hier ebenso einzelne Varianten anzuführen, inhaltlich stimmen, aber alle drei überein. 2 Zum Ausdruck עושה התורה פלסתר, vgl. R. Simon ben Jochai. Lev. r. 19,21 (und Parallst.). Tos. BM. 6,15ל,6 ,ל, pal. 10 d, R. Simon ben Eleazar, Tos. Sukka 2,5, 6, 29a. Barajta, b. Ber. 31 b, R. Eleazar b. Pedath. Num. r. 8,4, R. Jochanan b. Nappacha, vgl. auch pal. Kid. 65 c. Midr. Samuel ed. Buber, S. 133, M. Ps. c. 52, Tanh. Ende חאדנו, Dtr. II 6.