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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 284

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Der Midrasch (Scheni ketuvim) von den Widersprüchen in der Bibel
Date
1929-01-01
Page
Seite 284 (sequence 4)
Language
German
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284 vorauszusetzen. Daß das Werk nicht älter ist als der Sifre, geht schon aus der Tatsache hervor, daß ein Amoräer darin erwähnt wird (R. Jochanan, S. 223, Z. 9). Im Oxforder Fragment finden sich noch zwei andere Amoräer u. z. Rab und Levi. Allerdings muß man noch bedenken, daß wir nur einen ganz winzigen Bruchteil eines ziemlich breit angelegten Midraschwerkes vor uns haben. Wer weiß,' was die anderen Teile noch enthielten? Die vier Fragmente bilden gewiß Teile eines und desselben Werkes. Zuerst muß aber eine gewiß nicht unwichtige Frage erledigt werden! Welchem Zweck konnte diese Sammlung dienen? Ginzberg will antichristliche Tendenzen in der Besprechung des Sabbatgesetzes und der Beschneidung sehen (S. 216 f), was aber keineswegs einleuchtet. Erstens weil die Christen nicht einzig dastanden in. der Bekämpfung des Gesetzes. Es gab unter Juden ebenso wütende und fanatische Antinomisten wie unter den Christen. Hingegen war den Christen das Dogma von der Unfehlbarkeit der Bibel und der Unmöglichkeit der Widersprüche ebenso heilig wie den Schriftgelehrten. Zweitens haben die Christen, die mit den Rabbinen der ersten Jahrhunderte sich mehr oder weniger auseinander setzen mußten, Sabbat und Beschneidung gehalten. Ein Christ, einerlei ob Juden- oder Heidenchrist, würde von Gott nicht so sprechen wie der Min in unseren Dialogen. Um Christen kann es sich also hier nicht: handeln. Der Vorwurf, daß die heiligen Schriften der Juden zahlreiche Widersprüche enthalten, wurde von heidnischen Lesern gar oft, zu. oft betont, und die Kirchenväter bemühen sich mit demselben, wenn nicht noch mehr Eifer wie die Rabbinen, dieselben zu entkräften1.. Es ist daher gar kein Wunder, daß Widersprüche von Bibelstellen einen ziemlichen Umfang in den Dialogen zwischen Heiden und. Schriftgelehrten einnehmen. Wir können verweisen auf Hillel,. R. Jochanan ben Zakkai, Eleazar ben Chananja ben Hizkiah ben Garon, R. Gamaliel, R. Joschua ben Chananja, R. Akiba und R. Ismael, R. Josiah und R. Jonathan, Ben Paturi, Abba Jose b. Dostai unter den Tannaiten, und eine ganze Anzahl von Amoräern anführen, die sich angelegen sein ließen, diese Widersprüche zu. lösen, von anonymen Versuchen gar nicht zu’reden. Der Grund dieser Beschäftigung mit den sich widersprechenden Bibelstellen, ist nicht bloß einem exegetischen Bedürfnis zuzuschreiben, sondern der Forderung der Apologetik, daß die Epikureer keine Wider- Sprüche finden können2. Die tannaitischen Midraschim haben eine Fülle von Materialien, die sich gegen die verheerende Wirkung der marcionitischen Lehre und ihrer Ausläufer, richtet, die wohl nicht genügend erkannt worden sind, wie ich an einer andern Stelle darzustellen versuche. Der Katalog von Widersprüchen im Sifre Numeri, den wir oben erwähnt haben, gehört auch zu diesen antignostischen Agadoth. Unter diesem Gesichtspunkte wird man auch die Zusammenstellung des ganzen Midrasch, soweit wir auf . 1 Vgl. ZFW. Thepl. 27, 270. * Vgl. Aboth R. Nathan ed. Schechter, S. 66, wo die richtige Lesart, ist שלא יסתירו, daß sie nicht widersprechen, die andere Lesart hat ישלא יסתרו damit sie nicht widerlegt werden, ־vgl- Bacher, AT. I 2, S. 75, A 5.

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