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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 280

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Neue jiddische Literatur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 280 (sequence 14)
Language
German
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280 Wir können nicht alles als wirkliche Fakten nehmen; man muß hier die Tat- Sachen von der Phantasie des Verfassers scheiden. Das Lob der russischen Waren und des Handels mit Moskau und das Ausspielen dieser Erzeugnisse gegen die deutschen (S. 14, 51) zeigt wohl nicht so sehr den Zustand des damaligen jüdischen Handels als vielmehr den Gedankengang der jüdischrussischen Aufklärer, die sich zu jener Zeit von der deutschen Sprache zu losen beginnen und alles Russische bejahen1. Einen literarischen Niederschlag hat dieses Streben in I. B. Lewensons ״Teuda ’beisrael“ (יתעודה בישראל Wilno 1828) gefunden, das für die russ. ,,Maskilim“ epochemachend geworden ist. Allerdings haben sich diese Tendenzen erst gegen Schluß der 50 er Jahre durchgesetzt. Zu S. 12 ist zu bemerken, daß der erste Hauslehrer wahrscheinlich Lewin Liond’or war. Jedenfalls ist er älter als K. Schulmann, der 1817 geboren ist,, denn schon 1823 bekommt Liond’or von der jüd. Gemeinde in Wilno eine Bescheinigung, daß er schon lange Privatstunden gibt2. Von ganz anderer Art ist das Buch von Rabb. Zlotnik über Koheieth (קהלת, דער מענטש און דאט בוך פון הרב יהודה ליב ולאטניק Montreal 1929). Nach einer kurzen Einleitung, in der er das Werk als Produkt des Zwiespaltes zwischen dem Philosophen und dem Dichter im Verfasser kennzeichnet und das Buch als Ergebnis der Ruhe, in die sich dessen Sturm- und Drangperiode gelöst hat (Eccl 117 f.), faßt, folgt eine etwas freie Uebersetzung des Buches, die in einem schönen einfachen, dem Rhythmus des Koheieth angepaßten Jidd. geschrieben ist. Dem folgen eine größere Abhandlung über Verfasser, Sprache, Entstehungszeit und Inhalt des Buches und 25 verschiedene Uebersetzungen der ersten 3 Verse in jiddischer Sprache mit dem J. 1560 beginnend. Diese Verse sollen, wie ZL meint,, die Entwicklung der Sprache und Uebersetzungskunst im Jiddischen illustrieren. Jedem dieser Auszüge gehen bibliographische Angaben voran. Es ist nur zu bedauern, daß Z. bei dieser Gelegenheit nur eine Auswahl getroffen hat und nicht alle Uebersetzungen anführt. ZI. bringt die verschiedenen, oft gegensätzlichen Meinungen der Bibelkritiker über Koheieth und meint, daß die Tradition, die Koheieth dem König Salomo zuweist, die richtigere sei. Er versucht sich mit den Meinungen der Gegner3 auseinanderzusetzen. Eccl 112,16 ist kein Beweis für Ansetzung einer späteren Entstehungszeit. Saul war nicht König in Jerusalem; auch David herrschte zunächst nur in Chebron.. Wiederum gab es vorher auch nichtjüdische Könige in Jerusalem. .ודד bedeutet in hebr. eine langandauernde Tätigkeit, die eben noch nicht beendet sein muß und noch weiter andauern kann. Beweis: כי גר הייתי Ex 222, 183 und Deut 3127. Aramäismen brauchen nicht auf eine spätere Zeit hinzuweisen. In den ältesten Bibelstellen sind schon solche zu finden (Deborahlied R 5U; 1140, Gen 426 u. a.). Sie können eher als Archaismen angesehen werden. ש als pronom. reL 1 Rußland suchte sich damals von den fremden Industrien loszulösen. So wurde der liberale Zolltarif vom J. 1819 (das Resultat der Kondentionen mit Oesterreich und Preußen aus den J. 1818, 1819) durch einen neuen Tarif ersetzt, der durch hohen Zoll die Einfuhr *ausländischer Waren erschweren sollte., (Vgl. A. Ljachov: Osnovnyja certy socialnyeh i ekonomiceskich otnosemi v Rossii v epochu Imperatora Aleksandra I. (russ.) Moskau 1912, S. 61 f.) 2 Kon ibid. 241 f. 3 Vgl. z. B. die angeführten Beweise in der Einleitung zu Koheieth von Prof. Wildeboör in Marlis Kurzem. Handkommentar Abt. XVII, Freiburg i. B~ 1898, S. 109 f.

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