Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 279 (sequence 13)
- Language
- German
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279 (זהב, גדול, קטן für Gulden, Groschen, Heller), einen kaufmännischen Brief und einen Wechsel. Allerdings findet sich dort auch das ,,Vaterunser“, dieses aber ist wahrscheinlich aufgenommen, um den Lesern auch bekanntes Material zu bieten. Dieses Büchlein gehört ־vielleicht zu jener Kategorie von Lehrbüchern der jüdischen ,,Geheimsprache“, die noch bis ins 19. ,Jahrhundert hinein erschienen sind. Ihr Zweck war, die Juden zu ,,entlarven“ und ihre Geschäftsgeheimnisse aufzudecken. Nicht richtig ist die Behauptung Scüippers, daß dieses Büchlein den Philologen (Borochov: Bibliothek vunm jüdischen Philolog in ,,Pinkas“, Wilno 1913) unbekannt war und Brann zuerst in seiner Gesch. ״ d. Juden in Schles., Breslau 1910, V, 171 darauf aufmerksam gemacht habe. Es ist bei Borochov (ibid.) unter Nr. 459 notiert und selbst Brann hat schon vorher darüber geschrieben1, und dabei auch ältere Literatur über das ,,Eiemental“ angeführt2. Auch bei Sternberg (Gesch. d. Juden in Polen, Leipzig 1878, S. 151) wird dieses Büchlein erwähnt. Rabbiner J. L. Zlotnik will in seinem Buche (J, El-Zet. מים הונדערם יאר צוריה, Montreal 1927) einem anonymen jiddischen Briefsteiler vom J. 18253 Materialien zur Geschichte der inneren Verhältnisse der Juden zu jener Zeit entnehmen. Mit Recht meint ZI., wenn Geschichte lediglich ein Register von Verbrechen und Unglück ist — nach der Meinung Voltaires — ist auch die jüdische Geschichte ein solches Register, nicht eigener, sondern fremder Verbrechen, die den Juden zugefügt wurden. In der Geschichte werden nur die Taten hervorragender Einzelpersönlichkeiten registriert, dagegen fehlt ein Bild vom täglichen Leben der Masse, aus der das Volk besteht, von ihrem ökonomisch-kulturellen Alltag, ihren Bräuchen, ihrer Kleidung usf. Er will in den Briefmustern solches Material finden. Von den 70 Briefen, die dort vorhanden sind, gibt er teilweise oder ganz 31 Briefe wieder, die über Handel, Haus, Festtage sprechen und uns Aufschluß über das Leben von Lehrern, Kleinhändlern, Laufburschen, Heiratsvermittlern (Schadchen), Landbewohnern u. ä. geben. Den Briefen sind interessante sprachliche und andere Bemerkungen beigefügt. Wenn auch die Methode nicht neu ist — die sogenannten Formularbücher werden als Quellenmaterial für mittelalterliche Geschichte ausgenutzt — behält doch Z. das Verdienst, auf dieses Material für die jüd. Volkskunde •und Geschichte hingewiesen zu haben. ZI. hat aber hier die solchem Material gegenüber gebotene Kritik unterlassen. Der Ver[. dieses Briefstellers, wenn er auch anonym geblieben ist, ist einer der Verfechter der Aufklärung (Haskalah) unter den Juden4. Das geht auch aus den abgedruckten Briefen hervor, in denen er für seine Ideen ficht. Wenn er in dem Briefe aus Hamburg (S. 25) von einem 17 jährigen Jüngling erzählt, der 500 Blatt.Talmud auswendig kann, 3 Jahre in der ,,Freischule“ gelernt hat und Hebräisch, Englisch, Französisch, Deutsch, Mathematik usf. beherrscht, und noch dazu fromm ist, will er damit nur zeigen, daß Wissenschaft kein Hindernis der Frömmigkeit ist. Derselbe Fall liegt vor, wenn er sich in den Briefen gegen Vielkinderei auflehnt und vom Schwindel im Handel (S. 60) erzählt oder wie die ,,Schadchonim“ belügen und saufen (S. 70/71), ein grausames Bild vom jüd. Wucher (S. 35) malt u. ä. 1 M. Brann: Die Hundsfelder Druckerei (als Beilage zum Jahresbericht der Relig.-Unterrichts-Anst. II d. Synag.-Gemeinde in Breslau. 1878). 2 Christian Runge im Schulprogramm d. St. Maria-Magdalena-Gymnasium. Breslau 1734 (abgedruckt in dem Sammelwerke ,,Breslauisches Jubel- Gedächtnis der Buchdruckerkunst“, 1740, S. 95 f.) und (Scheibel) Gescliichte der seit 300 Jahren in Breslau befindlichen Stadtbuchdruckerei, 1804, S. 75. 3 מסדר אגרת. Wilno-Grodno 1925. 4 Ein Jahr später erschien ein Bi’iefsteller des Lewin Liond’or (Kon in ,,Landau-Buch“, Wilno 1926, S. 247). Das Verhältnis der beiden Briefsteller zueinander festzustellen, wäre eine interessante Ergänzung.