Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 278 (sequence 12)
- Language
- German
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278 ist das 4. Buch, das in jidd. Sprache über die Relativitätstheorie erschienen ist. Dem Werke geht eine kleine Vorrede Einsteins voran. Das Buch gibt nur den theoretischen Teil, der experimentelle Teil ist fortgelassen. Der Verf. versucht sich möglichst an den vorhandenen Sprachschatz zu halten und keine neuen Worte einzuführen. Ein Glossar der termini technici ist zum Schluß beigefügt. Dr. I. Schipper konnte zu seiner Arbeit über die Druckerfamilie Helicz und das erste jüdisch-deutsche Elementarbuch in Polen1 neue bis jetzt nicht ausgenutzte Literatur verwerten. So weiß er Genaueres über den vierten Bruder Helicz (Andreas) zu erzählen, der sich schon im J. 1520 zu Luther nach Wittenberg begab und sich dort taufen ließ. Er kehrte nach Krakau erst in den dreißiger Jahren des 16. Jhd, zurück. Der Wandel bei Paul Helicz, der noch 1587 so eifrig katholische Missionartätigkeit in Posen betrieben hat und schon 1540 die Lutherische Uebersetzung des neuen Testaments herausgab, wird dadurch verständlich. Wahrscheinlich ■trug dazu der Einfluß des lutherisch gewordenen Bruders bei. Schipper meint, daß die Ursache für die Taufe der 3 Brüder das Versprechen des Krakauer Bischofs Gamrat war, für sie ein Druckerprivileg zu erwirken, was tatsächlich nach der Taufe geschah. Sch. wiederholt die These von Brann2 und Balaban3 (letzteren zitiert er nicht), daß Paul Helicz sein ,,Elementar׳ (Hundsfeld 1543) herausgab, damit die Christen jüdisch-deutsch lernten und sein mit jüdischen Buchstaben gedrucktes Neues Testament kaufen sollten. Er will den Helicz als einen guten Kaufmann darstellen. Als Helicz 1540 in Krakau Luthers Neues Testament mit jüd. Buchstaben herausgab und es in der Einleitung dem katholischen Bischof Gamrat widmete, wollte er damit seine reformatorische Propaganda maskieren, da damals in Polen der Kampf gegen die Reformbewegung mit aller Strenge geführt wurde. Später bekam er Angst, floh aus Krakau und gab 1543 in Hundsfeld sein ,,Elemental oder Lesebüchlein . . . .“ heraus. Es ist ater schwer sich vorzustellen, daß ein Kaufmann — und das scheint Helicz gewesen zu sein — die Nichtjuden jüdisch lehren wollte, damit sie Abnehmer für sein jüdisch gedrucktes Buch werden sollten. Die Beweggründe waren ganz anderer Natur. Die Juden haben sich im Geschäft und auch bei Urkunden4 hebräischer Schriftzeichen bedient, sie haben sogar Wechsel für Nichtjuden in ihrer Sprache ausgestellt5. Helicz wollte die hebr. Schrift den Nichtjuden beibringen, damit sie die jüdischen Wechsel und Briefe ver־ stünden. Dies verrät uns auch sein ״Elemental“ selbst. Schon auf dem Titelblatte sagt der Herausgeber, daß er ״.... Missiuen oder Sendbriue / Schuldbriue .... jüdische Zahlen und Daten lesen und verstehen lehrt. Und tatsächlich findet man in diesem Büchlein als Lehrstoff außer dem Alphabet die jüdischen Zahlen, Zeitrechnung, die Bezeichnungen für Geld 1 Dr. I. Schipper די עלטסטע יידישע דרוקער״משפחה ארן דאס עלטסטע יידיש־טייטשע ברך אין פוילן in ״Bycher-Welt“, Warschau 1928, Nr. 8 S. 24—28, Nr. 4 S. 16—23. 2 Geschichte der Juden in Schlesien Y, Breslau 1910, 171. 3 In ״Z historji 2ydow w Polsce“ (poln.), Warschau 1920, 66 f. und ״Almanach vun Moment“ (jidd.), Warschau 1921, S. 192. 4 Vgl. Urfehde d. Juden Meir von Erfurt (Z. H. B. 1907, S. 107); Urfehde d. Juden Kussiel aus dem J. 1435 (Brann, Gesch. d. Juden in Schlesien, Anhang S. LXVIII). 5 Vgl. Schudt, Jüd. Mekwürdigkeiten Frankft. 1714 II, 214; Grattenauer, Wider die Juden. Berlin 1803, S. 15. Vgl. auch J. Rabin, Aus Dyhernfurths iüd. Vergangenheit (Sa. aus d. Bresl. jüd. Gemeindebl. Nr. 2, 1929) 1929, S. 9.