Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 276 (sequence 10)
- Language
- German
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276 die Verf. das vorhandene Material nicht genügend ausgenutzt und versuchen statt der schon vorhandenen neue Begriffe einzuführen (z. B. מקח Preis, טעות Fehler u. ä.). Dr. S. Birnbaum gibt in seiner Arbeit (Das hebräische und aramäische Element in der jiddischen Sprache, Leipzig 1922) eine Uebersicht über das hebr.-aram. Element im Jiddischen. Die Abhandlung ist im Lazarett niedergeschrieben worden, wo dem Verf. kein literarisches Material zur Verfügung stand. Sie macht daher gleichsam einen Querschnitt durch das Problem, ohne auf Einzelheiten einzugehen. Dazu fehlen außerdem auch Vorarbeiten, ohne welche eine gründliche umfassende Arbeit undenkbar ist. Wie in seiner Grammatik1 teilt er die jidd. Sprache in o-Dialekt (3 Millionen Menschen) und u־Dialekt (9 Millionen Menschen), der wiederum in ai Ma. und äi Ma. zerfällt. Wenn auch die sprachlichen Grenzen nicht ganz stimmen — im Jidd. gibt es eine ganze Reihe Sprachinseln — und das Westjiddische (Ungarn) nicht berücksichtigt wird, ist doch diese Einteilung ein gutes Gerüst. Die Gliederung der Arbeit ist folgendermaßen: a) das hebr.-aram. Element in direkter Gestalt; b) Entwicklung im hebr.- aram. Element; c) Einfluß der anderen Teile auf das hebr.-aram. Element; d) Einfluß des hebr.-aram. auf die anderen Elemente. Die Lautlehre ist in einer Reihe Tabellen dargestellt, die nach Sweet- Sievers eingeteilt und geordnet sind. Bemerkte Druckfehler: S. 14 Z. 4 von unten ist מקיל zu streichen; S. 32 Z. 2 von unten ist statt ,,Vokalbildung“ ,,Verbalbildung“ zu lesen. Zur Verstärkung des verb. finitum durch den Infinitiv, die Birnbaum auf den hebr. infinitivus absolutus zurückführt2, ist noch zu bemerken, daß auch in deutschen Mundarten solche Verdoppelung zu finden ist (dauern dauert es wohl3). B. gibt in seiner Monographie einen allgemeinen Ueberblick über die Phonetik, Morphologie und Grammatik. Sie ist als eine Pionierarbeit an zusehen, die als Grundlage für weitere ausführlichere Arbeiten dienen kann. Das slawische Element im Jiddischen wird von K. Lubarski (אוקריינממק אין דער יידישעד שפראך) in den Schriften der Odessaer Hochschule für Volksbildung (S. 130—161) behandelt4. Lub. macht als erster den Versuch, das slawische Element im Jidd, in seine Bestandteile aufzulösen; er greift dabei nur das Ukrainische' heraus. Man muß sagen, daß dieser Versuch beim jetzigen Stand der Forschung sehr gewagt ist. Man kann sich nicht nur auf sprachliches Material beschränken; die slawischen Sprachen haben viel Gemeinsames und die Volksmundarten gehen direkt ineinander über, so daß man Ethnographie, Kulturgeschichte und Literatur heranziehen muß. Der Verf. will in seiner Arbeit hauptsächlich die südliche Mundart berücksichtigen. Er gibt jetzt das lexikographische Material, verglichen mit dem ukrainischen Wörterbuch, und verspricht, über Methoden und Prinzipien seiner Arbeit in einem weiteren Teil zu berichten. 1 S. Birnbaum: Praktische Grammatik der Jidd. Sprache, Wien und Le?pzig 1916 (Hartleben). 2 Dieselbe Meinung vertritt auch M. Mieses (Die jidd. Sprache, ib. 195). 3 Vgl. Prof. Kagarow in ,,Landau-Buch“, Sp. 426. 4 ,,Zapiski“ Tom I. Deutscher Titel: Mitteilungen der Odessaer Hochschule für Volksbildung, Bd. I, Odessa 1927; enthält Arbeiten aus verschiedenen Gebieten in russischer, ukrainischer, jiddischer und deutscher Sprache.