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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 274

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Neue jiddische Literatur [Rezension]
Date
1929-01-01
Page
Seite 274 (sequence 8)
Language
German
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beim Scheidebrief heranziehen müssen, in denen gelegentlich Fragen der Schreibung behandelt werden. (ספקים וכתבים des R. I. Isserlein ים של שלמה zu Gittin u. ä.) In der Abteilung ״vom Volksmund" sind auch Ausdrücke, die schon in Wörterbüchern (Lifschütz, Strack u. a.) notiert sind, aufgenommen. Ch. Kosakewic hätte zu seiner Nomenklatur der Vögel (Nr. 5—12) die Benennungen aus den jidd. Bibel- Übersetzungen heranziehen müssen. Ein Teil dieser Worte ist noch jetzt durch den Unterricht im Cheder bekannt. In den Veröffentlichungen der Jidd. Abteilung der Weißrussischen Akademie der Wissenschaften (früher Institut) in Minsk, in der ״Zeit- Schrift" (צייטשריפפז Bd. l1, Minsk 1926, Ueberschrift und Inhaltsangabe auch deutsch und weißrussisch) finden sich Arbeiten über jüdische Geschichte und andere .Disziplinen der jüd. Wissenschaft2. I. Sossis beschäftigt sich mit der sozialen Geschichte der Juden in Litauen und Weißrußland. Zu dem ersten Teil seiner Arbeit hat der Verf. urkundliches Material benutzt, (das schon aus Russkoevrejski Archiv; Regesty i nadpisi u. a. bekannt ist) dagegen schöpft er im zweiten Teil aus der jüdischen ״Mussar"-Literatur, wie ״Kaw hajaschar", ״Jesod Josef" u. a. Im allgemeinen hat der Verf. das Verdienst, schon einige Jahre vorher auf diese Literatur als historische Quelle hingewiesen zu haben. Er benutzte nämlich den Sepher Chassidim als Quelle zu seiner Arbeit in Jevrejskaja Starina XI (Leningrad 1924) über die soziale Geschichte der Juden in Deutschland. Bei der Benutzung derartiger historischer Quellen muß man aber Kritik üben und andere Quellen zum Vergleich heranziehen. Die Schreiber der Mussar- Werke übertreiben oft und verallgemeinern die Einzeilälle. Außerdem kompilieren sie manchmal aus anderen Werken. Darum wäre es zweckmäßig, besonders scharfe Quellenscheidung vorzunehmen. Die ersten Ausgaben des ,,Kaw hajaschar“ mit jidd. Uebersetzung sind in Frankf. a. M. 1709, 1724 erschienen. Einen Beitrag zu der Geschichte des Handwerks bildet die Arbeit von Sch. Rombach über jüd. Handwerker in Rußland in der ersten Hälfte des 19. Jahrhd. Er stützt sich auf Archivveröffentlichungen und behandelt mehr die äußeren rechtlichen Beziehungen der jüdischen Handwerker als ihre innere Lage. Dr. M. Lurje veröffentlicht ein Kapitel seiner Arbeit über wirtschaftliche und soziale Verhältnisse der Juden zur Zeit ihrer Selbständigkeit3. Prof. N. M. Nikolski gibt eine Uebersicht über die neueste Literatur der Bibel Wissenschaft. Wenn dort nicht alle Neuerscheinungen behandelt sind, ist es auf Rechnung der teilweisen Isolierung Rußlands von Westeuropa zu jener Zeit (der Aufsatz ist 1925 geschrieben) zu setzen. Die neue jidd. Literatur ist durch die Arbeiten von N. Ausländer (über Perez), A. Gurstein (kritische Uebersicht über die veröffentlichten Materialien zu der Perez-Biographie) und U. Finkei (soziale Figuren in den ersten Werken von Goldfaden) vertreten. Die Arbeit von Gurstein ist, wenn auch nicht erschöpfend, 1 Inzwischen ist auch Bd. II/III erschienen, der uns noch nicht zugegangen ist. 2 Ueber die Tätigkeit der Jidd. Abteilung und ihrer Sektionen informiert das Bulletin (ביולעטען) Nr. 2, Minsk 1926. 3 Studien zur Geschichte der, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse im Israeli tisch-jüdischen Reiche. Gießen 1926.

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