Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 269 (sequence 3)
- Language
- German
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269 in Tossafoth auf einem Lesefehler beruhe. Raschi deutet bei derselben Stelle בן תמליון, שד שקורין נופחץ und in Berachoth 44b für .נוייטון בן נפילים. Das ist das franz. lutin, altfrz. luiton. Er bringt eine Photographie der Hs. der Disputation des R. Jechiel aus Paris (Cod. Paris. 712), wo das Wort לרטון wie למטוך aussieht. Wahrscheinlich war es in der Tossafoth-Hs.. ebenso geschrieben, und der Drucker hat es als לטטוך gelesen. J. Joffe behandelt den Ur- Sprung des Wortes ,,Ghetto“. Er verwirft die verschiedenen Deutungen und will den Nachweis führen, daß es die latinisierte Form eines germanischen Wortes gehegde, gehecktes [Ort] sei. Im Jahre 1562 wird das Ghetto in Rom offiziell ,,ghectus“ genannt. Das soll eine jüdische (deutsche) Uebersetzung von ,,serraglio“, wie es seit der Errichtung (1555) genannt wurde, sein. Die deutschen Juden in Rom bezeichneten ihren Wohnsitz •mit diesem Wort und dieser Name wurde nachher in die offizielle Sprache übernommen. Aus dem Worte ״gehectus“ sei nach den allgemeinen Lautgesetzen (mhd. geher, jidd. ker, lat. actus, ital. atto) das Wort ,,Ghetto“ entstanden. Prof. L. Spitzer-Marburg liefert dazu einen Nachtrag in Bd. II der philologischen Schriften (פילאלאגישע שריפטן, Wilno 1928, Sp. 4931). Er bringt das Wort Ghetto in Verbindung mit den Metallgießereien in Venedig, wo das erste Ghetto (1516) entstanden ist1. Gegen die Annahme von Joffe spricht auch, daß das Wort ,,Ghetto“ als Bezeichnung eines Teils von Venedig schon im J. 1306 nachweisbar ist. (H. B. XV, 92.) Es wäre noch zu bemerken, daß in jüdischen Quellen das Wort Ghetto wahrscheinlich zuerst im Tagebuch des David Reubeni vorkommt, das alierdings erst im 19. Jhd. der Oeffentlichkeit zugänglich wurde'(Graetz: Gesch. d. Juden, IX, Note 5, S. 536; Neubauer: Anecdota Oxoniensia, II, Oxford 1895). Dort wird das jüdische Viertel in Venedig גיטי genannt. 1620 ist die Ghetto- Ordnung der Juden in Mantua im Druck erschienen (סדר הגימו). (Vgl. Stein- Schneider, Cat. Bod., S. 625.) Die jiddische Sprachforschung ist neben kleineren Arbeiten mit einigen wichtigen Abhandlungen vertreten. N. Stiff behandelt die Bindewörter ,,wen — den“ in der jidd. Sprache des 15.—16. Jhd. Er benutzte dazu die wichtigsten Handschriften und Drucke in Altjiddisch und will die Bindewörter als ein Kriterium für die Fest- Stellung der Abfassungszeit bzw. Drucklegung der älteren Werke ansehen. N. Prilutzki gibt eine Uebersicht über die verschiedenen Ausdrücke für das Adverb ,,jetzt“. Z. Reizin behandelt die Deklination des Substantivs im Jiddischen und Prof. Kagarov die Syntax. Der letztere will viele Syntaxerscheinungen, die man vorher aus dem Hebräischen oder Slawischen abgeleitet hat, auf das Germanische zurückführen. Dr. Willer beschäftigt sich mit dem Genus der Substantiva im ostgalizischen Jiddisch. Er beschränkt sich aber leider nicht auf einen bestimmten Ort, sondern nimmt das Ostgalizische als Allgemeinbegriff, während es doch sprachlich nicht als Einheit angesehen werden kann. Prof. W. Staerk veröffentlicht zwei jidd. handschriftliche Fragmente aus der Münchener Staatsbibliothek und J. Rivkind bringt eine Wiedergabe eines Liedes איין שין ליד פון דיא 1 Vgl. Jew. Enc. V 653; auch A. Berliner hat es mit den Venezianischen Metallgießereien in Zusammenhang gebracht (H. B. X, 59; Kenesset Israel, hrsg. Rabbinowitz, Warschau 1886, Sp. 801—802). *