Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 5
- Article
- Neue jiddische Literatur [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 268 (sequence 2)
- Language
- German
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268 Ch. Lunski gibt eine Zusammenstellung (S. 288—302) der jiddischen bzw. jüdisch-deutschen Glossen bei Israel Isserlein, die sich in dessen Werken RGA (פסקים וכתבי□, תרומת הדשן) befinden. Es ist nur bedauerlich, daß Lunski nur die Ausgabe Venedig 1546 benutzte, und die Erstausgabe (1519) nicht zum Vergleich herangezogen hat. Dr. A. Landau gibt (S. 323—337) sehr wertvolle etymologische Bemerkungen zur ״Jidd. Philologie“ H. 1—3. N. Stiff bringt eine leider nicht vollständige Zusammenstellung der Bezeichnungen für die jüdische Umgangssprache von den Zeiten Raschis (XI. Jhd.) ab und gibt Materialien zur Geschichte einer Art Abonnentensystems auf jüdische Bücher im 18. Jhd. Der 1. Band Schriften der philologischen Serie des Jüd.-Wiss. Instituts ist dem verdienten jiddischen Philologen Dr. Alfred Landau- Wien zu seinem 75 jährigen Geburtstag gewidmet1. Nach den bio- und bibliographischen Notizen über Landau kommen des Jubilars Bemerkungen zu Bastomskis Sammlung von Sprichwörtern, Volksliedern und Rätseln2. L. meint, man müsse das jiddische Volksgut mit dem der deutschen und slawischen Völker vergleichen. Er bringt eine ganze Reihe Varianten aus diesen Sprachen. In dem jiddischen Spottlied ״Itsche pitsche nudelfressor ganwe a messor“ (beim Kwai II 9, 35) will er einen Beweis finden, daß die Juden aus dem Elsaß nach dem Osten ausgewandert seien, da nur dort ein ähnliches Lied bekannt ist. (Itsik spetsik [= spitzig] nylo frasor [= NudelfresserJ ke ent syla [== Synagoge} un slif [= schleife] täs mas9r.) Ein weiterer Beweis für den Einfluß des Elsässischen ist vielleicht der Wandel des deutschen u zui (u>i) im südlichen Jiddisch (u-Dialekt) z. B. bich < Buch (mhd. buoch). Dies konnte über die Zwischenstufe ii (u>ü>i). entstehen, die sich in den elsässischen Mundarten findet (u>ü)• B. Wachstein über J. Bernsteins Sprichwörtersammlung meint,, man müsse diese Sammlung nach Einflüssen und Arten analysieren und die Varianten hinzufügen. Er führt jüdische Quellen für einen Teil der Sprichwörter an3 *. Beim Erschließen von Quellen gerät man leicht in die Gefahr, Parallelen mit Quellen zu verwechseln. Es gibt eine gewisse Art Volks Weisheit, die Völkern ganz voneinander unabhängiger Kulturkreise, wo keine Rede von gegenseitiger Beeinflussung sein kann? gemeinsam ist. Wachstem ist dieser Gefahr-nicht ganz aus dem Wege gegangen. So will er Bernstein 992 (S. 65) אז אך און וויי איז צו דעם דארף לואר מיקיטע איז דער וואויט auf Berachoth 28a אוי לו לדור שאתה פרבסי: zurückführen. Der Name ״Mikita“ zeigt aber, daß es sich um das ukrainische Sprichwort ״sco za seio jak Mikita starosta“ handelt, das bei den Juden in Wolhynien noch jetzt in der ukrainischen Fassung gebräuchlich ist, wenn auch das Wort ״sco“, vielleicht unter dem Einfluß dieser talmud. Stelle mit אז אך און וויי übersetzt ist. Zu Bernstein 124 אז מען איילט זיך האט מען א מיידל ist. noch das ukrainische Sprichwort ,,ne kvapsja bo budi divcina“ einzuführen► M. Weinreich will den Namen eines Kobolds im Jiddischen ,,Lantuch“ (לאנסוך) auf למטוך בלצ״ו, das Tossafoth Ab. Zara 17b׳ für בךתמליון angibt, zurückführen. Er bringt die ganze Literatur über den כךתמליון und kommt zum Schluß, daß das Wort למסוך• 1 1 לאנדוי-בוך) שריפטן), wilno 1926, (IV + 428 Halbseiten 4°), Titelblatt und Inhaltsangabe auch englisch. 2 Sch. Bastomski ,,Beim Kwai6‘ (Jidd.), Wilno 1920—23. 3 Ein Teil dieser Arbeit ist im Jüd. Archiv I, Wien 1925ל S. 4 ff., abgedruckt.