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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1929-01-01 · Heft 5 · p. Seite 259

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
73 (1929)
Issue
Heft 5
Article
Mendelssohns Anschauungen vom Wesen des Judentums
Date
1929-01-01
Page
Seite 259 (sequence 3)
Language
German
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259 hatte. Sondern durch die pan th eistische Anschauung sollte zugleich das Wesen Gottes so erfaßt werden, daß sich die mechanisch-gesetzliehe Natur, die keine Zwecke ihres Handelns kennt, als Entfaltung und Offenbarung Gottes verstehen ließe. Das führte zur tiefen Um- Wandlung des Gottesbegriffs. Der Gott Spinozas ist der Gesetzgeber der Natur, insofern die Gesetze der Natur aus dem ewigen Wesen Gottes folgen. Nicht aber ist Gott für Spinoza Gesetzgeber der Menschen, da die bürgerlichen und sittlichen Gesetze der Menschen lediglich ihren Nutzen zum Ziele haben. Gegenüber dieser Erschütterung des Gottesbegriffs des religiösen Bewußtseins, das in Gott den Quell der Natur und der Gerechtigkeit in gleicher Weise verehrt, begründeten Locke, Shaftesbury und Leibniz die Vernunftreligion der Aufklärung. Die Gottesbeweise sichern nicht allein die Existenz Gottes, sondern erweisen die Schönheit, Ordnung, Gesetzmäßigkeit der Welt als Werk der Allmacht, Weisheit und Güte Gottes. In der von Gott geleiteten Welt ist das sittliche Bewußtsein der Führer zu Tugend und Glück. Die Un- Sterblichkeit gewährleistet den Rang des Menschen als höchstes der irdischen Geschöpfe und sein ewiges Wohl. Die wesentliche Uebereinstimmung dieses philosophischen Gottesbegriffs mit dem biblischen Gottesbegriff gestattet aber auch die wissenschaftliche Anerkennung des Lehrinhaltes der Schrift. Ja selbst der Offenbarungsanspruch der Schrift kann gerechtfertigt werden. Gott als Gesetzgeber der Natur ist nicht an die Gesetze der Natur gebunden, sondern vermag sie aufzuheben, wenn seine Güte es als erforderlich anerkennt. Insbesondere Lockes Naturbegriff, der im Substanz- und Kausalgedanken nicht Erkenntnisse eines rationalen Zusammenhanges der Dinge anerkennt, ermöglicht es, mit der lediglich faktischen Ordnung der Natur die Souveränität Gottes als Gesetzgeber zu verbinden. Wunder also sind möglich, erfolgen aber nur dann, wenn wichtige Gründe zur Aufhebung der Naturgesetze für Gott gegeben sind. Ein solcher Grund zur Aufhebung der Naturgesetze und zur wunderbaren Offenbarung Gottes ist die feierliche Bekräftigung und Verkündigung der sittlichen Forderungen als Forderungen Gottes. Sie ist Grund der Offenbarung Gottes und wesentlicher Inhalt der Offenbarung. Alles andere ist belanglos und nur Umrahmung des sittlichen Inhaltes. So erfolgt eine grundsätzliche Anerkennung der Offenbarungsreligion, zugleich aber eine bedeutende Veränderung ihres Inhaltes. Insbesondere der dogmatische Inhalt des Christentums wird stark reduziert. Erbsünde, Sühnetod, Sündenbewußtsein, Erlösungsgnade fallen fort. Eine Religion des freudigen Rechttuns'־ und der Zuversicht auf die Güte Gottes treten an die Stelle des dogmatischen Christentums als vernünftiges Christentum. Nur der Glaube an die Messianität Jesu ist nach Locke das ״Gesetz des Glaubens", das zum ,,Gesetz der Werke", dieses bekräftigend und die Gläubigen der Gnade Gottes versichernd, hinzutritt. Buße und Glaube sind die Grundlagen der vollkommenen Religion, während das Gesetz der Werke allein wohl den Weg zur sittlichen Vollkommenheit weist und auch nicht die Kraft des Menschen übersteigt, aber der Verheißung der Unsterblichkeit entbehrt. *ל1

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