Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 73 (1929)
- Issue
- Heft 4
- Article
- [Rezension]
- Date
- 1929-01-01
- Page
- Seite 249 (sequence 6)
- Language
- German
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249 zu tun. Es würde zu weit führen, alle Punkte einzeln zu behandeln und Aptowitzers Hypothese zu. widerlegen; zu diesem Zwecke müßte man ein neues Buch schreiben. Wenn wir gar zugeben wollten, daß Ps. Salomos Worte für den angeblichen Protest im Sinne Aptowitzers Zeugen sind, so können die angeführten Agadoth und Halachoth auch mit der größten Gewalt dieser Hypothese nicht dienstbar gemacht werden. Es ist ein auf Sand aufgebautes geschichtliches Luftschloß, das bei der ersten Berührung in sich zusammenfällt. Der Segenspruch in der Haftarah soll die hasm. Parteipolitik widerspiegeln. Elijahu ist der Messias der Priester partei. Ja, wie kommt aber das Königshaus Davids hinein? Ferner, die Priesterpartei erwartete doch den Messias aus dem Stamme Levis und Aharons? Aptowitzer glaubt doch an das Alter der sogen. Zadokite Fragments! Ferner erlaube ich mir die Frage, woher kennen wir das Alter der Benediktion für die Haftaroth? Vielleicht ist sie jünger oder älter als die hasmonäische Periode? Darf man auch in der Erwähnung der Propheten im ברכת המזון Hasmonäisches finden oder ist auch der Elijahusessel bei der Beschneidungsfeier und der Becher des Propheten auf hasm. Parteipoiitik zurückzuführen? Ja, sogar Paulus ist von dieser Politik abhängig! (S. 123.) Das sechste Kapitel ist den Agadoth der Juda-Thamar-Episode gewidmet. Eine Untersuchung dieser Gruppe von agadischen Lehrsätzen ist aus verschiedenen Gründen und von mehreren Gesichtspunkten aus betrachtet, notwendig. Die ,,gar nicht harmlosen Dichtungen “ sind natürlich nicht anders als aus apologetischen Tendenzen zu erklären, wenn man nicht ganz gewaltsamerweise hasm., d. h. antidavidische Parteipolitik hineindrängen will. Wenn gesagt wird, daß der ,,heil. Geist“ die Begegnung Judas mitThamar bewirkte oder wenn R. Torphan und die Schriftgelehrten über Judas Verdienst debattieren oder wenn die Agadisten über Nadabs und Abihus Schuld spekulieren, so hat die Trunksucht dieser Priestersöhne nichts mit Judas Trunkenheit in den Test., noch mit dem Verdienste der Hasmonäer oder Verunglimpfung Judas zu tun, sondern ist aus der Methode der Agada und Legende zu verstehen. Die Verschiedenheit in der Behandlung der Sünden Reubens und Judas in den verschiedenen Schriften ist wohl im Bibeltexte begründet, aber nicht parteipolitisch zu deuten. Die Darlegungen des siebenten Kapitels können am besten mit des Verf. eigenen Worten wiedergegeben werden: ,,Fast alles, was im Judentum und Christentum an messianischen Grundlehren zum rein biblischen Hauptgedanken eines Messias hinzugekommen, ist Produkt dieses Parteikampfes.“ (S. 82.) Daß die Geschichte der Hasmonäerperiode gewisse Erweiterungen und Ent- Wickelung der messianischen Idee und Lehre verursachte, wird keiner leugnen. Bestritten muß aber werden, daß die agadischen Stellen diese Einwirkung widerspiegeln. Die letzten Kap. besprechen die Fragen, ob Priester- oder Königtum wichtiger gewesen sei, ferner das gegenseitige Verhalten zwischen Levi und Juda, und schließlich den Priestersegen. Hier geht der Verf. von einer fragmentarisch erhaltenen Steile in pal. Gittin 47b aus, wo von einem Priester, der Blutschuld und Unzucht auf dem Gewissen hat, die Rede ist, ob er berechtigt sei, den Priestersegen zu spenden. Es wird vermutungsweise behauptet, daß diese Halacha direkt auf Alexander Jannai hinweist. Natürlich entbehrt die .Kombination jeder Grundlage. Es ist einfach von den Kardinalsünden die Rede, wie öfters in der Halacha und Agada, nur ist Götzendienst mit Recht weggelassen. Ob Gott oder Priester Israel segnen, ist eine ganz gut verständliehe Frage, wenn man an die Unwürdigkeit der Priester zu verschiedenen Zeiten denkt, auch ohne hasm. Parteipolitik. Wenn der Unterschied zwischen Tempel und Synagoge im Priestersegen auf hasm. Parteipolitik zurückzuführen wäre, wie sind die anderen Gegensätze in Brauch und Sitte zwischen Tempel und Synagoge zu erklären? Der Gegensatz beschränkt sich doch nicht auf diesen einzigen Fall und muß auf ein Motiv, das für alle gemeinsam ist, zurückgeführt werden. Auch diese Theorie kann nicht angenommen werden. Nachdem die Besprechung der Hauptgedanken des Werkes eine genauere Wiedergabe und Entgegnung forderte, so können nur einige Einzelheiten hervorgehoben werden, was bei der Fülle des Gebotenen und bei Reichtum des Stoffes eine gewisse Einschränkung auferlegt. Können wir auch die Theorie in ihrer Gesamtheit nicht annehmen, so müssen wir in den einzelnen Material- Sammlungen das Lehrreiche anerkennen. Ich kann in der siebenten Benediktion